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Die Vermögensfrage : Altersvorsorge in Zukunft ohne Zinsen

Schatten ihrer selbst: Die Zinsen sind auch nicht mehr das, was sie mal waren Bild: dpa

Die niedrigen Erträge der Sparverträge und die hohen Kosten und Steuern führen unter dem Strich zu einem Nullsummenspiel. Das mag bitter sein, aber zum Sparen gibt es keine Alternative.

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          Die Hoffnung vieler Sparer, mit Hilfe von Zeit und Zinsen „anständige“ Renten für den Ruhestand aufzubauen, ist in vielen Fällen eine Seifenblase. Es mag ein tolles Gefühl sein, sich auf dem Papier auszurechnen, wie mit Hilfe langer Laufzeiten, hoher Dynamik und ordentlichen Zinsen das Kapital anwächst. Die Wirklichkeit sieht freilich anders aus. Sparer mit Hang zur Sicherheit müssen sich mit jährlichen Renditen von 1 bis 2 Prozent abfinden.

          Volker Looman
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          In vielen Fällen verschwindet eine Hälfte in den Taschen von Vermögensverwaltern. Weiter geht ein Viertel an den Staat. Wenn man auch die Inflation berücksichtigt, wird aus dem Sparvertrag mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Nullnummer. Das mag auf der einen Seite bitter sein, doch auf der anderen Seite gibt es zum Sparen keine Alternative.

          Die meisten Sparverträge sind über lange Zeiträume aber nicht durchzuhalten. Es sieht in der Theorie wunderbar aus, wie kleine Geldbeträge, über 40 oder 50 Jahre hinweg zu 7 oder 8 Prozent in Aktien angelegt, zu hohen Summen führen. Doch die Praxis sieht anders. Im wirklichen Leben gibt es nicht nur das große Ziel, im Alter auf einem Haufen Geld zu sitzen, sondern es gibt kleine Ziele wie Auto, Kinder, Eigenheim und Altersvorsorge, und dafür sind in der Regel mittelfristige Anlagen und Kredite notwendig.

          Es gibt nicht nur positive, sondern auch negative Zinsdifferenzen

          Dieser Umstand führt zu Renditen, die geringer als bei langfristigen Anlagen sind, was aber kein Beinbruch ist, weil es für den Verzicht andere Belohnungen gibt. Umgekehrt sind die niedrigen Habenzinsen für Menschen, die Geld brauchen, ein Geschenk des Himmels. Wer für den Bau oder Kauf eines Eigenheims einen Kredit benötigt, muss bei einer Zinsbindung von zehn Jahren zur Zeit nicht mehr als 2,5 Prozent zahlen. Die logische Folge der niedrigen Zinsen sollten hohe Rückzahlungen sein, weil jeder Euro, der in die Tilgung der Schulden fließt, Zinsen in Höhe von 2,5 Prozent erspart.

          Die hohe Rendite der Tilgung ist den meisten Privatleuten aber gar nicht bewusst. Sie freuen sich, dass die Zinsen niedrig sind. Folglich bleiben auch die Raten für Zins und Tilgung gering. Werden zu diesen Krediten freilich Sparverträge abgeschlossen, ist es bis auf den Gipfel der Unvernunft nicht mehr weit, weil die Dinge nach Belieben gedreht und gewendet werden können. Das Ergebnis wird stets gleich bleiben: Habenzinsen von 1 bis 2 Prozent und Sollzinsen von 2 bis 3 Prozent zur selben Zeit nützen auf jeden Fall der Bank, der Bausparkasse, der Versicherung, aber auf keinen Fall dem Privatmann oder der Privatfrau.

          Die schlichte Einsicht, dass es nicht nur positive, sondern auch negative Zinsdifferenzen gibt, sollte viele Menschen bewegen, über ihre Geldanlagen nachzudenken. Das gilt in erster Linie für Schuldner, die zwischen 40 und 50 Jahre alt sind und anfangen, sich ernsthaft Gedanken über ihre Altersversorgung zu machen.

          Die übliche Ansicht, dass die Bank genug an ihm verdient habe

          Das wird in folgendem Beispiel deutlich. Ein vierzig Jahre alter Anleger hat vor fünf Jahren einen Kredit von 200.000 Euro aufgenommen. Der Nominalzins liegt bei 3 Prozent pro Jahr, die Zinsbindung läuft in zehn Jahren aus. Die monatliche Rate beträgt 1.000 Euro. Nun verdient der Anleger so gut, dass monatliche Rückzahlungen von je 2.000 Euro möglich sind. Dafür will die Bank freilich eine Entschädigung von 7.000 Euro.

          Der hohe Betrag wurmt den Mann gewaltig. Er vertritt die übliche Ansicht, dass die Bank in den vergangenen Jahren genug an ihm verdient habe, und das Institut ist der Meinung, dass der Kunde froh sein solle, dass das Institut überhaupt zur Erhöhung der Tilgungen bereit sei. Im vorliegenden Fall dürfen beide Parteien auf ihr Recht pochen, aber der Privatmann wird gut beraten sein, mit der Bank keinen Streit vom Zaun zu brechen und die 7.000 Euro zahlen.

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