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Die Vermögensfrage : Abgeltungssteuer: Feind der Aktiensparpläne

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Kai

Die erste Aufregung über die künftige Abgeltungssteuer scheint vorbei zu sein, der 1. Januar 2009 liegt für viele Anleger in weiter Ferne. Doch die neue Steuer macht zusammen mit Gebühren und Inflation die Rendite zunichte.

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          Die erste Aufregung über die künftige Abgeltungssteuer scheint vorbei zu sein. Das Gesetz ist zwar beschlossen, doch der 1. Januar 2009 liegt für viele Anleger in weiter Ferne. Viele Privatanleger hoffen, dass die Bundesregierung die Ecken und Kanten noch abschleifen wird. Doch vor allem junge Menschen werden sich wärmer als in der Vergangenheit anziehen müssen: Die Abgeltungssteuer, die Gebühren und die Inflation zerstören rentable Aktiensparpläne und drücken die Renditen auf ein Niveau, das kaum über die Nominalverzinsung klassischer Sparbücher hinausgeht. Die Perspektiven werden in folgenden Beispielen deutlich.

          Ein Anleger ist 25 Jahre alt und will monatlich 200 Euro sparen. Er will sich in Zukunft weder selbständig machen, noch will er ein Eigenheim kaufen, so dass er wirklich langfristig sparen kann. Er muss nicht in zehn oder 15 Jahren an den Spartopf, um Kredite zu minimieren, sondern er kann locker 35 oder 40 Jahre lang sparen. Bei diesen Rahmenbedingungen sind solide Aktiensparpläne ideal. Das Kapital steckt über Jahrzehnte hinweg in Beteiligungen, so dass der Anleger auch Dellen und Einbrüche, die Bestandteile dieser Anlagen sind, aussitzen kann. In den vergangenen 50 Jahren sind Sparer auf diese Weise auf Renditen von 7 bis 8 Prozent pro Jahr gekommen, und es besteht kein Anlass zu Zweifeln, dass solche Ergebnisse nicht auch in Zukunft erreichbar sind.

          Vertrieben von der Steuer aus dem Sparerparadies

          Die monatlichen Sparraten von jeweils 200 Euro sollen jedes Jahr um 2 Prozent steigen. Erstens rechnet der Anleger mit steigenden Einkommen, und zweitens sollen die regelmäßigen Erhöhungen die Inflation ausgleichen. Damit steht der Zahlungsstrom, so dass die Rechnung beginnen kann, was unter dem Strich herauskommen wird: Die 480 Sparraten von jeweils 200 Euro führen bei einer jährlichen Steigerung von 2 Prozent und einer Rendite von 8 Prozent zu einem Endwert von 809.000 Euro. Die effektive Verzinsung der Zahlungsreihe beträgt 8 Prozent; die tatsächliche Verzinsung sinkt bei einer jährlichen Geldentwertung von 2 Prozent auf 5,84 Prozent, weil die 809.000 Euro in 40 Jahren aus heutiger Sicht lediglich 366.000 Euro wert sein werden.

          Die Verzinsung von 8 Prozent war und ist jedoch ein Wunsch, der selten in Erfüllung gegangen ist, weil irgendwann der Fiskus die Hand aufgehalten hat. In den vergangenen Jahren herrschten mit dem Halbeinkünfteverfahren in Deutschland paradiesische Zustände. Die Dividenden der Aktien wurden zur Hälfte dem persönlichen Steuersatz unterworfen, und die Kursgewinne blieben steuerfrei. Dadurch kamen Aktiensparpläne, die zu 40 Prozent aus Erträgen und zu 60 Prozent aus Kursgewinnen bestanden, trotz einer Besteuerung von beispielsweise 35 Prozent auf Renditen von 7,5 Prozent pro Jahr.

          Das wird in Zukunft, so viel steht im Moment fest, nicht mehr möglich sein, weil durch die Abgeltungssteuer sowohl die Dividenden als auch die Kursgewinne besteuert werden. Die Abgeltungssteuer von 25 Prozent drückt die Aktienrendite von 8 auf 6 Prozent. Bei diesem Wert wird das Endvermögen auf 498.000 Euro sinken. Die Inflation wird den Wert des Vermögens auf 226.000 Euro drücken, so dass unter dem Strich jährliche Verzinsungen von 6 Prozent nach Steuern und 3,89 Prozent übrig bleiben. Die Abgeltungssteuer wird mit hoher Wahrscheinlichkeit mindestens 200.000 Euro des Vermögens auffressen. Das ist ein Betrag, der viele Anleger auf die Barrikaden treibt, doch Jammern und Klagen werden nicht viel bringen. Wenn die Abgeltungssteuer in der vorliegenden Form angewendet werden wird, werden für die Anleger bei einer Erwartung von 8 Prozent nicht mehr als 6 Prozent herauskommen.

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