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Die Vermögensfrage : Welche Risikoklasse soll es sein?

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Am Anfang des Beratungsgesprächs steht die Einstufung in Risikoklassen Bild: Ute Grabowsky/photothek.net

Kunden, die sich für Wertpapiere interessieren, werden in Risikoklassen eingeordnet. Danach bestimmen sich die Produkte, aus denen ein Depot zusammengestellt wird.

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          Welcher Anleger kennt das nicht: Seit wenigstens zwei Jahrzehnten wird man zu Beginn einer Anlageberatung oder einem Auftrag zur Vermögensverwaltung mit einem Fragebogen beglückt, den es zu beantworten gilt, bevor ein Wertpapiergeschäft durchgeführt werden kann. Für diesen Fragebogen hat sich der Begriff WpHG-Bogen eingebürgert, weil er einer Regelung des Wertpapierhandelsgesetzes entsprang. Dabei ging und geht es heute noch darum, den Anlagekunden einzustufen, welches Verlustrisiko er einzugehen bereit ist. Typische Fragen und Antworten, die der Anleger im Rahmen des Antwortenkatalogs ankreuzen soll, sind beispielsweise:

          • ob er nicht bereit ist, Schwankungen des Depotwertes oder auch des Depotertrages hinzunehmen, und dass keinesfalls Verluste entstehen dürfen
          • oder dass er Wert darauf legt, in erster Linie gesicherte Erträge und den Substanzerhalt seiner Anlage wünscht, dass er aber auch bereit ist, geringere Verlustrisiken in Kauf zu nehmen
          • oder der Anleger höhere Renditen erzielen möchte, dafür aber bereit ist, Kursschwankungen und etwas höhere Verlustrisiken in Kauf zu nehmen
          • und schließlich, ob er hohe Erwartungen an die Erträge hat und deshalb bereit ist, möglicherweise auch höhere Kursschwankungen und auch höhere Verlustrisiken in Kauf zu nehmen.

          Im Anschluss erfolgt durch den Bank- oder Sparkassenberater die Einstufung häufig, aber nicht zwingend in vier Anlagekategorien:

          1. Konservativ = nur sichere Anlagen

          2. Ausgewogen = ganz ohne Verluste geht es nicht

          3. Chancenreich = Bereitschaft, Verluste zu tragen

          4. Spekulativ = hohe Bereitschaft, auch sehr hohe Verluste zu tragen.

          In diesem Fall hat der Kunde die Wahl zwischen vier Risikoklassen, in die er sich selbst einordnen kann und damit seine Risikoneigung offenbart. Unabhängig davon besteht, wie in früheren Beiträgen beschrieben, die Verpflichtung des Anlageberaters, den Kunden nach seiner Risikotragfähigkeit zu beurteilen.

          Die beschriebene Vorgehensweise ist seit Jahren gelebte Praxis und insoweit auch nichts Neues. Mit den verschiedenen, seit dem Jahr 2010 bestehenden Regulierungsverschärfungen in der Finanz- und Anlageberatung sind neue Anforderungen an die Transparenz in der Anlageberatung in Kraft getreten. Die wesentlichen Inhalte sollte auch der Anleger zum eigenen Vorteil kennen.

          Durch die Regulierung sind zwei Einstufungsebenen entstanden: Auf der ersten Ebene ist es, wie beschrieben, Sache des Kunden, selbst zu entscheiden, wie weit er bereit ist, das mit Kapitalanlagen verbundene Risiko einzugehen. Auf der neuen, zweiten Ebene ist der Anlageberater gefordert einzuschätzen, welches Risiko der Kunde aus objektiver Sicht tragen kann. Darauf aufbauend hat der Berater eine Auswahl zu treffen, welches Anlageprodukt er dem Kunden im Kontext zu dessen Risikotragfähigkeit und Risikoneigung empfehlen kann. Die Frage ist, nach welchen Kriterien das zu erfolgen hat.

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