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Die Vermögensfrage : Böses Erwachen mit alten Hausratversicherungen

  • -Aktualisiert am

Mit der Liberalisierung der neunziger Jahre verabschiedete sich die Versicherungsaufsicht aus der Genehmigungspraxis der Bedingungen, und die theoretisch unverbindlichen Versicherungsbedingungen wurden tatsächlich unverbindlich. Die Gesellschaften strickten jetzt selbst. Zwar wurden die VHB mit jeder neuen Runde im Wettbewerb ein bisschen kundenfreundlicher, der Markt aber immer unübersichtlicher. Inzwischen blickt kaum noch jemand mehr durch, was bei wem wie hoch versichert ist.

Nachweis des Schadens bleibt ein Problem

Selbst die Stiftung Warentest hat vor dem Chaos bei den Versicherungsbedingungen kapituliert. In einer Titelgeschichte zur Hausratversicherung listete die Zeitschrift „Finanztest“ im April vergangenen Jahres zwar für mehr als 100 Gesellschaften akribisch auf, ob und wie bei einzelnen Anbietern heute Fahrräder, Wertsachen, Hotelkosten, Umzugskosten und einiges mehr versichert sind. Die Redaktion verzichtete aber auf die übliche Bewertung der Angebote mit Schulnoten. Kein sehr gut, kein mangelhaft – der Leser muss allein durch die Bleiwüste der seitenlangen Tabellen pflügen. Immerhin: Findet er seinen eigenen Versicherer, sieht er, was im Angebot der Gesellschaft inzwischen alles so geboten wird, und er kann seinen Vertrag auf den neuesten Stand bringen. Dazu reicht in der Regel ein Anruf bei der Gesellschaft mit der Bitte, den Vertrag auf die neuesten VHB umzustellen. Viel teurer wird der Versicherungsschutz dadurch meist nicht.

Die neuen VHB schützen allerdings im Schadenfall auch nicht vor dem Ärger um den Nachweis des Schadens. Richard Jung kennt das Thema aus dem Effeff, es ist sein tägliches Geschäft. Wenn er nach dem Einbruch zu seinem Kunden kommt, sind die Dinge, die er ersetzen soll, weg. Oft spurlos. Dabei ist die Rechtslage eindeutig: Der Versicherte muss ihm nachweisen, was fehlt. Gleichzeitig ist der Versicherte aber auch sein Kunde, der just für diesen Schaden jahrelang mit der Prämie vorgesorgt hat.

Besser einen Ordner mit Rechnungen anlegen

Für Jung geht es deshalb zunächst um „Nachvollziehbarkeit und Plausibilität“. Die werden naturgemäß am besten mit handfesten Rechnungen über den Kauf hergestellt. Ihm reichen bei Schmuck und Uhren aber auch oft die Rechnungen über die Reparaturen oder bei Teppichen der Beleg der Reinigung. Gern auch mit einem Vermerk des Eigentümers über den Wert der Sachen. „Die Juweliere und die professionellen Teppichreiniger kennen sich da aus. Die kann man ja mal fragen, was das gute Stück so wert sei.“ Bei Luxusuhren sei das allerdings zu wenig. Da zählten für ihn die Zertifikate des Herstellers: „Es gibt zu viele Blender im Umlauf. Einige wirken schon täuschend echt. Da tun sich manchmal sogar Juweliere schwer. Wir brauchen Seriennummern.“

Die in einschlägigen Ratgebern immer wieder empfohlenen Fotos von Wertsachen decken zwar im Regelfall den Existenznachweis ab, lassen aber nach Ansicht des Schadenregulierers bei den Werten nur Bandbreiten zu: „Denken Sie mal an Ringe oder Ketten: Man erkennt doch auf Fotos weder die Größe noch den Goldgehalt.“ Einmal mit der Digitalkamera an den Wänden entlang, quer durch den Haushalt bis in die Schmuckkästchen, das ist für Jung nur die halbe Miete. Besser seien plausible Aufzeichnungen, zum Beispiel Listen mit Hinweisen zu den Werten. „Darüber sollte man sich im Vorfeld Gedanken machen.“

Für diese stille Stunde der Vorbereitung auf den Tag X hat Jung einen Rat: „Sie haben doch einen Ordner mit Rechnungen. Heften sie doch alles da rein. Ich habe noch nie erlebt, dass bei einem Einbruch ein Ordner geklaut wurde.“

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