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Die Vermögensfrage : Böses Erwachen mit alten Hausratversicherungen

  • -Aktualisiert am

Richard Jung (40) regelt im Hauptberuf seit gut einem Jahrzehnt für den Marktführer Allianz große Sachschäden im Raum Frankfurt. Er weiß, wie oft es nach einem Brand oder dem Besuch der Einbrecher ein böses Erwachen gibt: „In rund drei Viertel aller meiner Fälle gibt es ein Problem mit den Entschädigungsgrenzen.“ Irgendwie hätten die Versicherten beim Abschluss der Verträge wohl Schwierigkeiten, ihre Vermögenswerte vollständig preiszugeben. Und Jung weiß auch, um was es bei den Wertsachen in der Regel geht: „Es ist der Schmuck. Die Leute leisten sich heute mehr.“

Entschädigungsgrenzen müssen angehoben werden

Das böse Erwachen ist typisch: Die Versicherten beachten nicht, wie sich mit Anschaffungen und Erbe die Werte in Bewegung setzten und bleiben ungerührt auf ihren alten Verträgen sitzen. Selbst gestandenen Versicherungsvorständen passiert das. Bis zum Tag des Einbruchs oder des Feuers. Dann fliegt auf, dass sich die Schere zwischen ihren Wertsachen und den Entschädigungsgrenzen in den Policen weit geöffnet hat. Schlimmer noch: Es wird in diesem Moment auch klar, dass der Ärger vermeidbar gewesen wäre.

Wo früher 20 Prozent der Versicherungssumme als Erstattungsgrenze für Wertsachen die Regel waren, liegen in moderneren Verträgen die Entschädigungsgrenzen meist zwischen 30 und 50 Prozent der Versicherungssumme. Der Unterschied addiert sich zum Beispiel bei einer Versicherungssumme von 100.000 Euro im Einzelfall schnell auf zusätzliche 10.000 bis 30.000 Euro. Die sind allerdings entscheidend. Richard Jung jedenfalls geht davon aus, dass „für Wertsachen im etwas gehobenen Bereich der Großstädte“ Entschädigungsgrenzen von 50.000 Euro ausreichen.

Das klingt nach viel, kommt aber schnell zusammen, weil nach der Arithmetik der Versicherer sehr viel zu den Wertsachen zählt: Bargeld, Schmuck, Münzen, Briefmarken, Wertpapiere, Sparbücher, Pelze, handgeknüpfte Teppiche, Kunstobjekte, Antiquitäten und eigentlich alles, was aus Gold oder Platin ist. Möbel zählen nicht dazu, aber ein Blick auf die Wände, in die Schränke oder Schmuckdosen reicht in vielen Haushalten, um zu erkennen, dass die traditionellen 20 Prozent der überholten Bedingungen bei Versicherungssummen um 100.000 Euro hinten und vorne nicht mehr ausreichen. 50 Prozent sind einfach passender.

Kundenfreundlicher, aber unübersichtlicher

Das Problem klebt an den Versicherungsbedingungen. Die heißen in den ortsüblichen Abkürzungen VHB und tragen eine Ziffer, zum Beispiel 92. VHB 92 steht dann für Allgemeine Hausratversicherungsbedingungen des Jahres 1992, Musterbindungen des Verbandes der Sachversicherer. Das waren seinerzeit unverbindliche Empfehlungen, an die sich die Gesellschaften aber weitgehend hielten und in denen geregelt war, was wann wo und wie hoch versichert ist. Vieles war genehmigungspflichtig, die Versicherten konnten sich auf eine Art Einheitsbrei der Versicherungsbedingungen verlassen. Die Versicherungsaufsicht bürgte dafür.

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