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Die Vermögensfrage : Früh spart, wer einmal reich werden will

Jeden Monat 100 Euro zu entbehren fällt dem Berufsanfänger zwar nicht leicht, er bleibt in diesem Beispiel jedoch diszipliniert und hält dies 40 Jahre bis zu seinem 65. Geburtstag durch. Seine Belohnung: Knapp 115.000 Euro stehen dann zu Buche. Eingezahlt hat er 480 Mal 100 Euro, also insgesamt 48.000 Euro. Die Bank hat 840 Euro kassiert. Gut 67.000 Euro sind der Ertrag der Geldanlage.

Steuern sind in diesem Beispiel nicht berücksichtigt, da davon auszugehen ist, dass sich die Steuergesetze innerhalb von 40 Jahren mehrfach ändern werden. Zudem hängt die Höhe der Steuer unter anderem von seinen sonstigen Einkünften und seinem Familienstand ab. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die regelmäßigen Ausschüttungen des Fonds, die umgehend wieder angelegt werden (Thesaurierung), unterhalb des Sparerfreibetrages bleiben und damit steuerfrei sind. Damit müssten am Ende „nur“ die Kursgewinne versteuert werden. Dem braven Sparer dürften damit nach Steuern mindestens 100.000 Euro verbleiben, die freilich je nach Entwicklung der Inflation in 40 Jahren weniger wert sein werden als heute.

Der Effekt des Zinseszinses wird deutlich, wenn wir dem Berufsanfänger unterstellen, dass er nicht die Disziplin hat, monatlich 100 Euro in einem ETF-Sparplan zur Seite zu legen. Ihn beschleicht erst im Alter von 45 Jahren das Gefühl, nun doch endlich etwas für seine Altersvorsorge tun zu müssen. Er entscheidet sich abermals für die Anleihe-ETFs. Spart er wieder 100 Euro im Monat, erreicht er mit 65 Jahren nur einen Betrag von knapp 36.000 Euro vor Steuern. Er zahlt zwar in der Summe halb so viel ein wie vorher, bekommt aber nicht einmal ein Drittel heraus.

Aufgrund der kürzeren Laufzeit macht er sich den Effekt des Zinseszinses weit weniger stark zunutze. Der kommt dadurch zustande, dass nach einem Jahr nicht nur auf das eingezahlte Geld Rendite erzielt wird, sondern zusätzlich auf die im ersten Jahr erzielte Rendite. Dies baut sich von Jahr zu Jahr immer stärker auf (siehe Grafik). Will der 45 Jahre alte Sparer bis zum Alter von 65 Jahren das nachgeholt haben, was ihn seine Disziplinlosigkeit in den vergangenen Jahren gekostet hat, sind nun knapp 320 Euro monatliche Sparleistung nötig, um abermals auf knapp 115.000 Euro im Alter von 65 Jahren zu kommen. Er muss in den 20 Jahren nun fast 77.000 Euro aufwenden und nicht mehr nur 48.000 Euro, um auf dasselbe Ergebnis zu kommen. Seine späte Einsicht kostet ihn also fast 29.000 Euro. Die Bank verlangt 1340 Euro statt nur 840 Euro, und der Ertrag der Geldanlage ist trotz der höheren Einzahlungen nur rund 39.000 Euro.

Noch deutlicher wird der entgangene Zinseszins, wenn der Sparer erst im Alter von 55 Jahren reichlich spät auf die Idee kommt, für seinen absehbaren Ruhestand noch schnell ein finanzielles Polster aufbauen zu wollen. Er muss zum Erreichen der knapp 115.000 Euro zehn Jahre lang knapp 800 Euro im Monat aufwenden, in der Summe also fast 95.000 Euro. Die Bank bekommt 1662 Euro, und der Ertrag der Geldanlage schrumpft auf kümmerliche 21.000 Euro.

Junge Eltern können diese Effekte des Zinseszinses gerne auch frischgebackenen Großeltern zu Gemüte führen. Mit dem Geschenk eines Sparplans zur Geburt beglücken sie den neuen Erdenbürger nämlich zugleich mit der maximal möglichen Ausnutzung der Vorteile des Zinseszinses. Die meisten Sparpläne bieten Banken schon ab monatlichen Einzahlungen von 50 Euro an. Wenn Eltern und Großeltern dies bis zur Volljährigkeit mit einem Anleihe-ETF-Sparplan stemmen, verfügt der Nachwuchs im Alter von 18 Jahren über gut 15.000 Euro. Wenn alle Beteiligten dann noch der Verlockung widerstehen, dies für Führerschein und Auto zu verausgaben, können aus monatlich 50 Euro bis zum Rentenalter gut und gerne 200.000 Euro werden.

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