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Die Vermögensfrage : Die Kapitalversicherung ist eine Fehlkonstruktion

  • -Aktualisiert am

Gut versichert: Nicht nur ein Helm schützt gegen Unfälle Bild: Thomas Koe hler/photothek.net

Die klassischen Kapitalversicherungen haben in den vergangenen Jahren an Attraktivität verloren. Die Trennung von Risikovorsorge und Vermögensaufbau führt unter dem Strich zu besseren Ergebnissen.

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          Die gemischten Kapitallebensversicherungen sind in den letzten Wochen wieder in die Schlagzeilen geraten. Es geht um die Kürzung der Bewertungsreserven alter Policen und um die Senkung des Garantiezinses neuer Verträge. Die beiden Änderungen werden seit vielen Monaten im Kabinett beraten und sollen im Sommer endlich verabschiedet werden. Die erste Maßnahme betrifft Sparer, deren Verträge in naher Zukunft fällig werden.

          Sie sollen auf die freien Bewertungsreserven verzichten, welche durch die hohen Kurse festverzinslicher Wertpapiere entstanden sind. Die zweite Maßnahme ist die Senkung des Garantiezinses auf 1,25 Prozent im Jahr. Hinzu kommen Überlegungen, die Abschlussprovisionen der Agenten, Makler und Vermittler zu kürzen. Sie sind die Reaktionen auf die Niedrigzinsen, die den Versicherungen von Jahr zu Jahr mehr zu schaffen machen.

          Den Bedürfnissen der Kunden nur selten gerecht

          Es ist aber fraglich, ob sich das schleppende Neugeschäft durch die Reformen erholen wird. Die klassischen Kapitalversicherungen haben in den vergangenen Jahren viel an Attraktivität verloren. Das scheint auf den ersten Blick an den gesunkenen Renditen zu liegen, doch bei genauem Hinsehen offenbaren sich andere Ursachen. Die gemischte Kapitalversicherung ist eine Fehlkonstruktion und den tatsächlichen Bedürfnissen der Kunden nur selten gerecht geworden. Das wird an folgenden Beispielen deutlich.

          Ein lediger Mann ist 27 Jahre alt und hat vor zwei Jahren seine Berufsausbildung abgeschlossen. Nun liegt ihm ein Vermittler in den Ohren, frühzeitig an die Rente zu denken und doch eine Kapitallebensversicherung abzuschließen. Es geht um eine Police mit einer Todesfallleistung von 100.000 Euro. Der Vertrag soll 40 Jahre laufen und enthält die üblichen Bestandteile, die Vermittler in solche Angebote packen.

          Auf den ersten Blick nicht schlecht

          Da ist zuerst die Unfall-Zusatzversicherung, die den Hinterbliebenen die doppelte Leistung beschert, wenn der junge Mann durch einen Unfall ums Leben kommt. Außerdem sind in der Police die Beitragsbefreiung bei Berufsunfähigkeit und die Zahlung einer Monatsrente von 2.000 Euro bis zum 67. Lebensjahr enthalten, falls der junge Mann seinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kann. Der Vorschlag kostet 240 Euro im Monat und sieht auf den ersten Blick nicht schlecht aus: Absicherung gegen Berufsunfähigkeit, Versorgung der Hinterbliebenen und Vorsorge fürs Alter.

          Der gemeine Bremer pflegt, wenn er mit seinem Latein am Ende ist, die Frage zu stellen, was man dazu sagen soll. Im vorliegenden Fall ist dem jungen Mann ein guter Kamerad mit gesundem Menschenverstand zu wünschen. Der Vorschlag ist, um es mit den drastischen Worten junger Leute zu sagen, voll krass abgefahren. Wer benötigt 100.000 Euro, falls der Berufsanfänger stirbt? Wer braucht 200.000 Euro, wenn der begeisterte Motorradfahrer am nächsten Wochenende in einer Kurve gegen die Leitplanke donnert?

          Wieso soll der junge Mann an die Rente denken, solange der Kredit für die neue Maschine noch nicht abbezahlt ist? Selbst wenn der Biker schuldenfrei wäre, stellt sich der Sinn nach dem Sparvertrag, weil die Ablaufleistung von 135.000 Euro eine jährliche Rendite von 2,7 Prozent nach Steuern bedeutet. Der einzige Punkt, der an diesem Vorschlag sinnvoll ist, ist die Absicherung bei Berufsunfähigkeit. Die Monatsrente von 2.000 Euro ist zweckmäßig, doch der Rest ist überflüssig wie ein Kropf, weil er einfach nicht passt.

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