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Altersvorsorge : Die gesetzliche Rentenversicherung ist für Ältere unschlagbar

  • -Aktualisiert am

Wer als Rentner die Welt von einem Kreuzfahrtschiff aus entdecken will, sollte die richtigen Anlageentscheidungen treffen. Bild: dpa

Die staatliche Altersvorsorge hat keinen guten Ruf. Zu Unrecht. Für Ältere mit privater Krankenversicherung ist sie eine Alternative.

          7 Min.

          Viele Jahre war die gesetzliche Rentenversicherung als renditeschwach und unattraktiv verschrien. Das hat sich in Zeiten mickriger Zinsen jedoch gewandelt. Während bei privaten Rentenversicherungen, Rürup und Riester Garantiezins und Überschussbeteiligung ähnlich den Gletschern dahinschmelzen, punktet das Umlagesystem aufgrund der guten Wirtschafts- und Beschäftigungslage. Die gut 20 Millionen Rentner in Deutschland dürfen sich im kommenden Juli über die höchste Rentensteigerung seit zwei Jahrzehnten freuen. Schätzungen gehen von einem Plus von 4 bis 5 Prozent aus.

          In dem Umfeld gewinnt insbesondere für Ältere eine Form der Altersvorsorge an Bedeutung, an die viele gar nicht denken: freiwillige Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung. Wer 55 Kerzen oder mehr auf seiner Geburtstagstorte zählt, sollte darüber nachdenken, das Geld aus der Lebensversicherung oder aus dem Erbe von Tante Erna in die gesetzliche Rente zu investieren - vor allem dann, wenn der Anleger noch privat krankenversichert ist. Denn dann gibt es auf die Rente auch noch einen Beitragszuschuss in Höhe von 7,3 Prozent. Damit können Angebote auf dem freien Markt kaum mithalten. „Für Ältere ist es derzeit deutlich lukrativer, Geld in das staatliche Umlagesystem zu investieren, als in eine kapitalgedeckte Altersvorsorge“, bringt es Finanzmathematiker und Fachbuchautor Werner Siepe auf den Punkt.

          Die Sache hat jedoch einen Haken: Nicht jeder kann freiwillig in das gesetzliche System einzahlen. Offen steht diese Möglichkeit lediglich denjenigen, die noch keine Altersrente erhalten und die in der gesetzlichen Rentenversicherung nicht pflichtversichert sind. In diese Kategorie fallen Beamte, Hausfrauen und -männer sowie Mitglieder berufsständischer Versorgungseinrichtungen - also Freiberufler wie Ärzte, Apotheker oder Rechtsanwälte. Sie können seit dem 11. August 2010 freiwillig Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Auch dann, wenn sie bislang keinen Cent in das Umlagesystem investiert haben. Ermöglicht wurde dies durch die Änderung des Paragraphen 7 Absatz 1 SGB VI.

          Beamte und Freiberufler profitieren von einer Sonderregelung

          Freiwillig in das Umlagesystem einzahlen können auch alle pflichtversicherten Arbeitnehmer, die sich früher als vom Gesetzgeber vorgesehen zur Ruhe setzen. So lassen sich lebenslange Abschläge bei der gesetzlichen Rente vermeiden. Doch dazu später mehr.

          Beamte und Freiberufler, die am 10.08.2010 nicht das Recht zur freiwilligen Versicherung hatten, profitieren bis zum Endes dieses Jahres von einer besonderen Regelung. Sie können sich laut Rentenberater Walter Vogts bis zum 31. Dezember 2015 eine Sofortrente in der gesetzlichen Rentenversicherung sichern (Paragraph 282 Absatz 2 SGB VI). Einzige Bedingung: Der Freiberufler oder Beamte muss vor dem 2. September 1950 geboren sein. Sofern er bislang keinen Cent in die gesetzliche Rente eingezahlt hat, kann er die Beiträge für die Wartezeit von fünf Jahren auf einen Schlag einzahlen. Alle anderen können noch fehlende Beitragsmonate nachzahlen und sich so eine Auszahlung aus der gesetzlichen Rentenversicherung sichern. Wer die Beiträge für 60 Monate auf einmal zahlt, muss mindestens 5049 Euro, maximal 67 881 Euro an die gesetzliche Rentenversicherung überweisen. Das ergibt im ersten Jahr nach der Einzahlung eine gesetzliche Rente von 22,54 beziehungsweise 302,96 Euro monatlich.

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