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Die Vermögensfrage : Wegfall der Zinsen bringt viele Anleger um den Schlaf

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Hinter dieser Kalkulation stecken vier Annahmen. Der Anleger lebt noch 40 Jahre, wird also 90 Jahre alt. Das Kapital wird im Laufe der vier Jahrzehnte verbraucht. Die breite Streuung wirft allen Unkenrufen zum Trotz jährlich 3 Prozent ab. Die Abgeltungsteuer beträgt 26,375 Prozent. Und was geschieht mit dem Geld, wenn die Kaufkraft jedes Jahr um 2 Prozent sinkt? Und was passiert, wenn der Anleger, obwohl nicht vorgesehen, doch 95 Jahre alt wird? Dann ist das eben so! Die Menschen im allgemeinen und die Deutschen im besonderen haben den Hang, sich ständig Sorgen um ihr Geld zu machen, doch Angst und Vorsicht sind, wie jeder Hausarzt weiß, die beste Vorsorge, nicht besonders alt zu werden. Wer sich jeden Tag über Geld und Zinsen aufregt, hat allerbeste Aussichten, mit 75 Jahren aus dem Leben zu scheiden und den Erben ein ordentliches Restvermögen zu hinterlassen.

Deutschland gilt als Land der Erben. Jährlich werden Milliarden vererbt, und es wäre interessant zu wissen, was die Leute mit diesem Geld anstellen. Was macht zum Beispiel ein 60 Jahre alter Mann, der im eigenen, aber noch nicht schuldenfreien Haus lebt und in fünf Jahren eine Monatsrente von 1.500 Euro beziehen wird, mit 250.000 Euro? Oder was sollte der Erbe mit diesem Geld unternehmen? Die erste Amtshandlung als Erbe sollte die Klärung der Frage sein, wie es mit der Erbschaftsteuer aussieht. Das ist zwar ärgerlich, doch von gewissem Nutzen, weil sich Ärger mit dem Fiskus auf lange Sicht nicht auszahlt. Dann sollte der Anleger die Schulden tilgen. Auch das ist nicht besonders sexy, wie der Berliner sagt, doch für 80.000 Euro, die jährlich 3,5 Prozent kosten, wird der Erbe zur Zeit keine Anlage finden, die nach Kosten, aber vor Steuern mindestens 4,75 Prozent abwirft. Dann sollte der Erbe prüfen, ob in naher Zukunft größere Ausgaben nötig sind, zum Beispiel für ein Auto oder das neue Hausdach. Da können schnell 20.000 Euro zusammenkommen, so dass das „echte“ Erbe auf 150.000 Euro schmilzt.

Mut zum Gang an die Börse ist wichtig

Die Anlage dieses Betrages wird zu ähnlichen Schmerzen wie bei Witwen und Waisen führen, doch bei Licht betrachtet sehen die Nöte anders aus. Der Mann lebt in einem schuldenfreien Haus, und wird in wenigen Jahren eine Rente von 1.500 Euro beziehen. Das müsste für gewisse Entspannung sorgen, weil ein schuldenfreies Dach über dem Kopf vorhanden ist und Schwarzbrot und Mineralwasser bezahlbar sind. Immobilien sollten in dieser Lebenslage kein Thema mehr sein, weil genug Beton vorhanden ist. Sonst gelten ähnliche Regeln wie im ersten Fall. Die Zinsen sind im Keller oder haben sich in Luft aufgelöst, Jammern und Schimpfen verkürzen das Leben, sinnvoller sind Anleihen und Aktien, das Geld sollte wegen der Risiken breit gestreut werden, und Gebühren sind der größten Feind des Erben.

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