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Die Vermögensfrage : Das neue Gesetz zur Finanzberatung gehört in den Schredder

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Die Gründe für die Weigerung von Privatleuten, zuerst Geld für neutrale Informationen über Kapitalanlagen auszugeben, um anschließend die richtigen Produkte zu erwerben, hat Klaus Wehrt aus Buxtehude auf seiner Homepage in einem lesenswerten Aufsatz zusammengefasst. Der Hochschullehrer vertritt zu Recht die Meinung, dass die Menschen aus Erfahrungen lernen. Beim Umgang mit Geld bestehe aber, so der Sachverständige, gar keine Möglichkeit, diesen Umgang von der Pike auf zu lernen, weil die meisten Abschlüsse einmalige Geschäfte sind. Die meisten Privatleute eröffnen einmal im Leben ein Girokonto. Sie schließen einmal eine Haftpflichtversicherung ab. Sie kümmern sich, wenn überhaupt, einmalig um die Absicherung bei Invalidität oder Tod. Eigenheime werden in der Regel einmal gekauft. Sparverträge für die Altersversorgung sind einmalige Entscheidungen. Die meisten Privatleute haben vor dem Abschluss solcher Geschäfte, um es auf den Punkt zu bringen, in aller Regel nur einen Schuss, und der sollte sitzen. Wenn sie ins Schwarze treffen, ist die Welt in Ordnung, doch wenn der Schuss danebengeht, ist der Schaden beachtlich, und das Gejammer ist groß.

Kunden haben Probleme, ihr Verhalten zu verändern

Die fehlende Möglichkeit, im Leben viele Geldanlagen und Versicherungen abzuschließen und durch ständige Wiederholung zu lernen, verleitet Banken, Bausparkasse und Versicherungen dazu, fragwürdige Produkte auf den Markt zu werfen oder sich im Verkauf keine große Mühe zu geben. So wie die Eisverkäufer in Paris oder Venedig „minderwertige“ Produkte anbieten können, weil die meisten Touristen dieses Eis nur einmal kaufen, müssen viele Banken, Bausparkassen und Versicherer kaum Sanktionen fürchten. Erstens wissen die meisten Privatleute gar nicht, was sie kaufen, zweitens kommt jeder Misserfolg erst Jahre später ans Tageslicht, und die Wahrscheinlichkeit, dass die geschädigten Kunden lärmend auf den Marktplatz rennen, um potentielle Nachahmer vor dem Abschluss solcher Verträge zu warnen, ist denkbar gering, weil Geld in Deutschland das größte Tabu ist, das es gibt. Man(n) redet über Politik, Frau thematisiert Beziehungsprobleme, doch beim Geld herrscht großes Schweigen, weil es nicht nur in Bremen, sondern in ganz Deutschland „unanständig“ ist, über Geld zu reden.

Die meisten Privatleute wissen, dass sie sich mit diesem Verhalten bei Geldgeschäften auf dünnem Eis bewegen, weil sich natürlich herumgesprochen hat, dass Banken, Bausparkassen und Versicherungen keine Samariter sind, sondern von Gebühren, Margen und Provisionen leben. Doch die Kunden haben Probleme, ihr Verhalten und somit die Verhältnisse zu ändern. Das offene Honorar von 500 Euro für einen Versicherungsberater wird anders betrachtet als die verborgene Provision von 1000 Euro für eine Police. Die offene Vergütung von 2.000 Euro für einen Kreditexperten wird als Schmerz empfunden, doch die verdeckte Bearbeitungsgebühr von 4.000 Euro in einer Hypothek wird als lästiges Übel akzeptiert. Das offene Honorar von 5.000 Euro für einen Anlageberater wird anders empfunden als der versteckte Ausgabeaufschlag von 10.000 Euro für einen Investmentfonds. Was soll man dazu groß sagen?

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