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Die Vermögensfrage : Betriebliche Altersversorgung lohnt – wenn der Chef sich beteiligt

  • -Aktualisiert am

Sorgloses Planschen im Alter: An das Geld einer Betriebsrente kommt man frühestens bei Renteneintritt heran. Bild: Picture-Alliance

Oft wird in Beratungsgesprächen verschwiegen: Viele Betriebsrenten müssen bei der Auszahlung versteuert werden. Für manche rechnet sich das trotzdem.

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          Unter Palmen liegen, in der Antarktis Pinguine beobachten oder den Rucksack schultern und über Blumenwiesen im Allgäu wandern: Wer im Alter seinen Lebensstandard halten oder sich noch den einen oder anderen Traum erfüllen möchte, muss bereits in jungen Jahren Geld zur Seite legen. Denn das Niveau der gesetzlichen Rente wird in den kommenden Jahren nach und nach sinken.

          Doch so verbreitet diese Erkenntnis inzwischen ist – manch einer resigniert angesichts der Fülle an Vorsorgemöglichkeiten und mickriger Zinsen auf sichere Anlagen und investiert das Geld lieber erst einmal in einen schönen Urlaub. Schließlich ist das Blättern in Reisekatalogen unterhaltsamer als die Suche nach einem passenden Finanzprodukt.

          Extras vom Staat

          Wer dann doch irgendwann bei einem Finanzberater landet, dem werden gerne staatlich geförderte Produkte angepriesen. Dazu zählen die Rürup-, die Riester- und die Betriebsrente. Bei diesen Produkten greift der Staat Vorsorgesparern in jungen Jahren unter die Arme: dadurch, dass er ihnen Steuer- und Sozialabgaben erlässt oder Zulagen zahlt. Das macht sich im Verkaufsgespräch gut. Mit den Extras vom Staat lässt sich schließlich leicht ein ansehnliches Sümmchen sparen.

          Doch das ist nur die eine Seite der staatlich geförderten Altersvorsorge, die andere ist die nachgelagerte Besteuerung. „Verschwiegen wird in den Beratungsgesprächen oft, dass sich der Staat im Alter einen Teil der Förderung wieder zurückholt“, sagt Heinrich Bockholt, Professor für Finanzierung und Investition und Leiter des Instituts für Finanzwirtschaft in Koblenz. Dieser Teil ist insbesondere bei der betrieblichen Altersversorgung nicht unerheblich. Die Auszahlung aus der Betriebsrente müssen Ruheständler versteuern. Eine Ausnahme gibt es lediglich für Direktversicherungen, die vor 2005 abgeschlossen wurden. Wer sich 2040 oder später zur Ruhe setzt, muss die Auszahlungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung und der Betriebsrente in voller Höhe steuerlich veranschlagen. Versorgungsfreibetrag, Zuschlag zum Versorgungsfreibetrag sowie Altersentlastungsbetrag werden bis dahin abgeschmolzen. Zudem wird bei gesetzlich Versicherten seit 2004 auf die Rente vom Chef der komplette Beitrag für Kranken- und Pflegeversicherung fällig. Aktuell sind das rund 17 Prozent. Verschont werden in diesem Punkt lediglich Ruheständler, deren Betriebsrente unter der Geringfügigkeitsgrenze von aktuell 141,75 Euro liegt.

          Hinzu kommt: Die sozialversicherungsfreien Einzahlungen in die betriebliche Altersversorgung schmälern die Höhe der gesetzlichen Rente. Denn wer weniger in das gesetzliche Rentensystem einzahlt, erhält im Alter auch weniger. Ulrich-Arthur Birk, Professor für Recht der Sozialen Sicherung und Migrationsrecht an der Universität Bamberg sowie Inhaber des Instituts für betriebliche Altersversorgung und Zeitwertkonten, rechnet vor: Nach einer monatlichen Entgeltumwandlung von 100 Euro beträgt die spätere Rentenkürzung nach 30 Jahren rund 35 Euro, nach 40 Jahren rund 47 Euro und nach 45 Jahren rund 53 Euro monatlich. Und das ohne Berücksichtigung der Inflation. Auch die Höhe der Erwerbsminderungsrente, der Hinterbliebenenrente und Lohnersatzleistungen im Krankheitsfall oder bei Arbeitslosigkeit fallen entsprechend geringer aus.

          Wenn nun alle Parameter berücksichtigt werden – rechnet sich die Betriebsrente unterm Strich überhaupt?

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