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Die Vermögensfrage : Beratung und Verkauf in der Finanzberatung trennen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Kai

Ärzte und Pharmazeuten als Vorbilder: Anleger würden vor vielen Verlusten geschützt, wenn Finanzinstitute nicht gleichzeitig als Berater und Finanzanbieter aufträten.

          Die Qualität der Finanzberatung von Banken, Bausparkassen und Versicherungen treibt Privatleute und Verbraucherschützer seit vielen Jahren zur Weißglut. Daran wird sich auch 2012 mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht viel ändern. Finanzinstitute können nicht beraten, sondern müssen Produkte verkaufen, und unter dem Strich zählt nur Ertrag. Daher ist die Gefahr groß, dass Anlegern immer wieder Produkte offeriert werden, die in erster Linie für die Anbieter von Nutzen sind. Und ist es nicht merkwürdig, dass sich die Anleger gegen dieses Verhalten nicht zur Wehr setzen? Vermutlich wird das Spiel 2012 weitergehen, und daran werden auch Finanzkrisen aller Art nicht viel ändern.

          Die nüchterne Betrachtung der Szenerie gibt wenig Anlass zur Hoffnung auf Besserung. Die Anleger neigen beim Geld zur Einfalt, die Finanzinstitute zur Gier. Und die Politiker sind, um es mathematisch auszudrücken, der Schnitt beider Teilmengen. Sie haben wenig Ahnung von der Sache, doch sie haben in den vergangenen Jahren mächtig Staub aufgewirbelt: Anlegerschutzgesetz, Beratungsprotokoll, Beipackzettel, Gebührentransparenz, Vermittlerregister. Die Liste der Anstrengungen ist lang, doch das Ergebnis der Bemühungen mager. Folglich wird der richtige Umgang mit Geld in diesem Jahr wiederum Privatsache sein. Im Klartext heißt das, dass viel Zeit nötig ist, um sich mit der Frage zu beschäftigen, wie Geld angelegt oder aufgenommen wird. Und dass es notwendig ist, die Qualität und den Preis ausgewählter Produkte sorgfältig zu prüfen. Und dafür gibt es nur eine Lösung: Bildung, Bildung, Bildung.

          Sorgfalt im Umgang mit Geld lässt sich nicht in Gesetze pressen

          Der Kunde wird sich auch 2012, so lautet die schlichte Botschaft, selbst um sein Geld kümmern müssen. Und wer das nicht einsieht, ist für die Risiken und Nebenwirkungen selbst verantwortlich. Es ist und bleibt ein frommer Wunsch, von den Finanzinstituten besonderes Wohlverhalten zu verlangen. Denn die Anbieter sind weder Altruisten noch Heilsbringer, sondern Unternehmen, die auf ihren Vorteil bedacht sind. Daher müssen Privatleute, die mit der Beratung der Banken, Bausparkassen und Versicherungen nicht zufrieden sind, selbst Hand anlegen oder Fachleute aufsuchen, die ihnen nur Rat, aber keine Produkte verkaufen. Auch das ist keine Garantie für den Erfolg: Solange die Anleger nicht einmal in Ansätzen bereit sind, für neutrale Informationen entsprechende Obolusse zu bezahlen, müssen sie eben mit den gegenwärtigen Verhältnissen zufrieden sein.

          Gegen diese nüchterne Erkenntnis verstoßen jeden Tag viele Anleger. Sie neigen wie die Finanzinstitute zur Gier, sie fällen ihre Entscheidungen über kleine und große Geldbeträge zwischen Tür und Angel. Und sie jagen, das ist in Deutschland ja Volkssport geworden, irgendwelchen Rabatten und Schnäppchen hinterher, weil sie sich für sehr schlau halten. Gegen diese Mentalität ist kein Kraut gewachsen, das ist jenseits von Geld und Kredit nicht anders. Wer raucht und trinkt, gefährdet seine Gesundheit, da helfen weder Plakate noch Verordnungen. Wer nichts lernen will, hat im Beruf wenig Aussicht auf Erfolg. Da hilft kein Gesetz. Wer den falschen Lebenspartner wählt, wird in seelische Nöte geraten. Dagegen gibt es keinen Schutz. Genauso ist es bei Geldanlagen und Krediten. Sorgfalt im Umgang mit Geld lässt sich weder in Gesetze noch in Verordnungen pressen.

          Verschreibungspflicht für Finanzprodukte

          Die Qualität der Finanzberatung ließe sich vielleicht durch Neutralität und Verschreibungspflicht steigern. Es ist in Deutschland seit Jahrzehnten bewährter Brauch, dass Pharmazeuten zwar Arzneimittel herstellen, dem Patienten diese Medikamente aber nicht selbst verschreiben dürfen. Das ist ausgebildeten Ärzten vorbehalten, und für dieses Privileg gibt es gute Gründe. Warum wird das Prinzip aus der Medizin nicht einfach auf die Finanzberatung übertragen?

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