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Die Vermögensfrage : So klappt es mit dem Bankberater

  • -Aktualisiert am

Ein Handschlag reicht nicht aus: Am Ende jeder Beratung muss der Berater unterschreiben. Bild: dpa

Bevor ein Sparer eine Anlageberatung sucht, sollte er wissen, was ihn dort erwartet. Dazu gehören Kenntnisse über Sinn und Inhalt des Beratungsprotokolls.

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          Der Niedrigzins veranlasst viele Sparer, auch über Alternativanlagen nachzudenken. Wir betrachten einen Anleger,der auf seinem Festgeldkonto 160.000 Euro stehen hat, über deren künftige Verwendung er nachdenkt. Soll er das Geld ganz oder zumindest zum Teil in andere Anlageformen umschichten? Das Angebot ist groß, vielfältig und teilweise undurchsichtig. Soll er in Einzelaktien, in Anleihen – zum Beispiel in Unternehmensanleihen – in Zertifikate, börsennotierte Indexfonds (ETF), Investmentfonds, geschlossene Beteiligungen,in Einzelimmobilien oder in einen offenen Immobilienfonds investieren? Alleine diese Aufzählung zeigt schon, dass ein Anleger sich entweder selbst sehr gute Kenntnisse zulegen muss oder aber Beratung, sei es bei einer Bank, einer Sparkasse oder bei einem unabhängigen Berater suchen sollte.

          Durch Empfehlung eines Bekannten wendet sich der Anleger an einen freien Finanzberater. Nach der Begrüßung legt der Berater dem Anleger zunächst ein Informationsblatt vor, überschrieben mit dem Begriff Statusinformation. Der Berater erklärt, dass er dazu verpflichtet sei, über seine Zulassungen mit Register-Nummer, die zuständige Aufsichtsbehörde, und über die Produkte, die er vermittelt, vor Aufnahme der Beratungstätigkeit aufzuklären und auch darüber in welcher Art und Weise seine Tätigkeit vergütet wird.

          Das heißt: Die Beratung des Kunden wird schriftlich festgehalten. Denn für Banken, Sparkassen und Vermögensverwalter besteht seit Anfang des Jahres 2010 die gesetzliche Verpflichtung über jede Anlageberatung ein Beratungsprotokoll zu erstellen. Geregelt ist dies im Wertpapierhandelsgesetz. Diese Protokollpflicht wurde drei Jahre später auch auf die freien Finanzberater sowie Anlageberatungsgesellschaften, die sogenannten Finanzvertriebe, die nach der Gewerbeordnung zur Anlageberatung zugelassen sind. Wer dort registriert ist, kann über die Internetseite des DIHK eingesehen werden. Die Bankberater sind bei der Aufsichtsbehörde Bafin registriert.

          Beratungsprotokolle sind unbeliebt

          Die Regulierung entstand unter dem Eindruck der Lehman-Krise und hat das Ziel für bessere Aufklärung der Verbraucher zu sorgen und Transparenz über den Anlageberatungsprozesses herzustellen. Welchen Nutzen für den Anleger verspricht sich der Gesetzgeber von dieser Protokollierung?

          Erstens soll der Anleger an Hand des Protokolls das Gespräch und die Argumente für und wider einzelner Anlageprodukte nachvollziehen können. Er soll in die Lage versetzt werden, auf Grundlage des Protokolls eine fundierte Anlageentscheidung treffen zu können. Zweitens soll das Protokoll dem Anleger im Fall der Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen wegen Falschberatung die erforderlichen Beweismittel zur Verfügung stellen. Und drittens soll die Protokollierung die Aufsichtsbehörde in die Lage versetzen, den Hergang des Kundengesprächs nachzuvollziehen.

          Diese Beratungsprotokolle sind in der Branche ein ungeliebtes Kind, weil sie verpflichtend sind und an den Anlageberater im Umgang mit dem Kunden erhöhte Anforderungen stellen. Nicht so klar ist, wie die Kunden die Pflicht zur Protokollierung wahrnehmen. Befragungen kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Der Schluss, Anleger hielten die Protokolle für überflüssig, kann daher nicht gezogen werden.

          Gute Berater können Risiko einschätzen

          Die gesetzlichen Vorgaben sind eine Sache. Aber wie stellt sich die tägliche Beratungspraxis für den Kunden und den Berater dar? Der von unserem Kunden mit seiner Festgeldanlage gewählte freie Berater erhält Provisionen von den Produktanbietern, mit denen er zusammenarbeitet. Der Kunde ist damit einverstanden und muss daher nur im Falle einer Vereinbarung über den Kauf von Finanzprodukten eine Vergütung zahlen. Danach erläutert der Berater, dass er über das gesamte Beratungsgespräch ein Protokoll anfertigen und an den Kunden aushändigen werde und dass er dafür einige Daten erfragen müsse.

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