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Die Vermögensfrage : Die gesetzliche Rentenversicherung - besser als ihr Ruf

  • -Aktualisiert am

Mit der staatlichen Rente gut unterwegs: Rentner in Herzberg am Harz Bild: dpa

Freiberufler und Beamte können freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Eine Leibrente rechnet sich aber nur, wenn nicht mehr alle Kerzen auf der Geburtstagstorte Platz finden. Dafür kann man auch im hohen Alter noch beruhigt schlafen.

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          In Zeiten mickriger Zinsen gewinnt eine Form der Altersvorsorge an Attraktivität, über die viele in den vergangenen Jahren verächtlich die Nase gerümpft haben: die gesetzliche Rentenversicherung. Als langweilig, renditeschwach und unsicher verschrien, kann das Umlagesystem im Umfeld von Minizinsen durchaus mit Angeboten auf dem freien Markt mithalten. In die gesetzliche Rentenversicherung kann de facto jeder freiwillig einzahlen, der nicht pflichtversichert ist und noch keine Rente erhält. Aber wie so oft im Leben profitieren nicht alle gleichermaßen.

          Freiwillige Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung rechnen sich insbesondere für Beamte und Freiberufler jenseits der 60, die privat krankenversichert sind. Aber auch all diejenigen, die sich früher in den Ruhestand verabschieden, sollten sich über Ausgleichszahlungen informieren. So können sie lebenslange Abschläge bei der Rente vermeiden. Und ein Vergleich zeigt: Die Sofortrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung schlägt aktuell die aus klassischen privaten Rentenversicherungen oder der staatlich geförderten Rürup-Rente deutlich.

          Doch ganz gleich, für welche Form der Leibrente sich Anleger entscheiden: Vorher empfiehlt es sich, einen Arzt aufzusuchen, der beste Gesundheit und die Aussicht auf ein langes Leben attestiert. Mitunter reicht auch ein Blick auf die Ahnengalerie. Wenn die Vorfahren allesamt in den Sechzigern und Siebzigern verstarben, sind 40.000 Euro womöglich besser in Kreuzfahrten oder Safaris investiert. Eine Leibrente rechnet sich nur, wenn nicht mehr alle Kerzen auf der Geburtstagstorte Platz finden.

          Sofortrente: Beamte und Freiberufler profitieren derzeit von einer besonderen Regelung: Bis Ende dieses Jahres können sie sich eine Sofortrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung sichern - und zwar auch dann, wenn sie sich bereits in den Ruhestand verabschiedet haben. Diese Möglichkeit ist jedoch an eine Bedingung geknüpft: Nutzen können die Sofortrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung nur Beamte oder Freiberufler, die vor dem 2. September 1950 geboren sind. Wer in seinem Leben noch keinen Cent in die gesetzliche Rentenversicherung gezahlt hat, kann Beiträge für fünf Jahre auf einen Schlag überweisen.

          Bild: F.A.Z.

          Alle anderen zahlen für die Monate ein, die ihnen für die Mindestbeitragszeit von fünf Jahren fehlen. Diese Form der Sofortrente gibt es jedoch nur noch bis Ende dieses Jahres. Bis dahin muss der Antrag auf freiwillige Zahlungen bei der Rentenversicherung eingegangen sein. Wer sich im Ruhestand eine gesetzliche Sofortrente sichern möchte und bislang noch nichts eingezahlt hat, überweist die Beiträge für 60 Monate auf einen Schlag. Es müssen mindestens 5049 Euro in die Rentenversicherung fließen, maximal 67.881 Euro. Unterm Strich ergibt dies im ersten Jahr nach der Einzahlung eine monatliche Bruttorente von 22,05 beziehungsweise 296,75 Euro.

          Der Staat holt sich einen Teil der Förderung im Alter wieder

          Freiberufler und Beamte können das Finanzamt an den Einzahlungen in die gesetzliche Rente beteiligen. Im laufenden Jahr akzeptiert der Staat maximal 22.172 (Alleinstehende) beziehungsweise 44.344 Euro (Verheiratete) zu 80 Prozent. Der Anteil der Einzahlungen, die steuerlich geltend gemacht werden können, steigt in den kommenden Jahren nach und nach an. Ab 2025 nicken die Finanzämter 100 Prozent der Einzahlungen ab - bis zum dann geltenden Höchstbeitrag in der knappschaftlichen Rentenversicherung. Beamte, die noch arbeiten, müssen beachten, dass sie das Finanzamt nicht am kompletten Höchstbetrag beteiligen können und die Steuerersparnis entsprechend geringer ausfällt (siehe Tabelle). Gleiches gilt für Ärzte oder Rechtsanwälte, die in ein berufsständisches Versorgungswerk einzahlen.

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