https://www.faz.net/-hbv-7wm8n

Die Vermögensfrage : Angst vor kleinen Zinsen kann zu großem Verlust führen

  • -Aktualisiert am

Dem Vogelzuchtverein etwas vererben oder selbst Geld verprassen? Die Qualität der Geldanlage bemisst sich immer an den Zielen, die der Anleger verfolgt. Bild: Picture-Alliance

Angst vor Aktien und Blasen auf Immobilienmärkten – Geldanlagen drohen zur Qual zu werden. Jetzt begünstigen auch noch Strafzinsen auf Sparguthaben den Einstieg in risikoreiche und überteuerte Geldanlagen.

          7 Min.

          Geldanlagen drohen zur Qual zu werden: Strafzinsen auf Sparguthaben, Blasen auf Immobilienmärkten und Angst vor der Börse! Das ist ein bisschen viel auf einmal, doch es gibt keine Entwarnung an der Zinsfront. Die Lage ist, wie sie ist, und was sich nicht ändern lässt, sollte nicht mit Gewalt verbogen werden. Sonst droht nur noch mehr Unheil. Angst birgt die Gefahr, in fragwürdige, überteuerte und unverkäufliche Geldanlagen einzusteigen. Trotz des „Anlagenotstandes“ ist die Überlegung, welches Ziel mit der Geldanlage verfolgt wird, wichtiger als die Jagd nach hohen Zinsen. Sonst droht der totale Missgriff, wie in folgendem Beispiel deutlich wird.

          Eine 55 Jahre alte Frau hat 300000 Euro auf dem Konto. Davon stammen etwa 100000 Euro aus der eigenen Tasche, und rund 200000 Euro sind der Betrag, den die Anlegerin vor zwei Jahren von ihrem Vater geerbt hat. Die Frau ist nicht verheiratet, und sie hat auch keine Kinder. Sie lebt in einer kleinen Eigentumswohnung, die schuldenfrei ist. Das jährliche Einkommen beträgt rund 50000 Euro, und die Rente wird, wenn der Ruhestand in zehn Jahren beginnen wird, ungefähr 1500 Euro betragen. Damit werden keine großen Sprünge möglich sein. Folglich ist es kein Wunder, dass mit den 300000 Euro das Ziel verfolgt wird, die Altersrente aufzubessern.

          Fraglich ist nur der Plan, mit dem sich die Frau seit Wochen herumschlägt. Die Hausbank hat der Dame das Angebot gemacht, für 385000 Euro eine Immobilie zu kaufen. Sie soll mit Hilfe des großen Vermögens und einer kleinen Hypothek bezahlt werden, die bis zum Beginn des Ruhestandes durch die Mieteinahmen getilgt werden wird. Danach wird die Frau nach Angaben der Bank eine lebenslange „Sach-Wert-Rente“ von monatlich 850 Euro bis zum Lebensende erhalten.

          Beim genaueren Hinsehen ergeben sich Fragen über Fragen

          Der Plan sieht auf den ersten Blick nicht ganz schlecht aus, wie es in Schwaben heißt, doch bei genauem Hinsehen stellen sich Fragen über Fragen. Muss das ganze Geld in eine Anlage gesteckt werden? Was soll der Kredit in dieser Lebenslage? Sind die zusätzlichen 850 Euro nicht ein bisschen karg? Oder soll der Hühnerzuchtverein zu gegebener Zeit mit einer dicken Erbschaft beglückt werden? Ist der Zahlungsstrom, der aus der Immobilie und dem Kredit entsteht, wirklich der Wunsch der Anlegerin? Wie sehen die Alternativen für die „rentenhungrige“ Frau aus?

          Der Gesamtpreis der Immobilie setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen. Das Grundstück kostet 100000 Euro, der Preis des Gebäudes wird auf 250000 Euro veranschlagt, und die Nebenkosten schlagen mit 35000 Euro zu Buche. Für die 385000 Euro winkt eine monatliche Miete von 850 Euro. Das sind 10200 Euro im Jahr. Wer nun noch ein kleines Stückchen weiterrechnet, wird auch ohne Mathematikdiplom zu dem Ergebnis kommen, dass die Wohnung rund 38 Jahresmieten kostet, und dieser Wert ist eigentlich Anlass genug, um der Bank wegen grober Unsportlichkeit die Gelb-Rote Karte zu zeigen und das Unternehmen vom Platz zu stellen. Zweckmäßig wäre aber auch, die Anlegerin gleich mit in die Kabine zu schicken, um sich dort in Ruhe einmal Gedanken über den pfleglichen Umgang mit Geld zu machen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Start des neuen „Neuen Marktes“ im März 2017 mit dem damaligen Börsenchef Carsten Kengeter, der Chefin des Aktieninstituts Christine Bortenlänger und Hauke Stars, damals zuständig für das Börsenparkett

          Mehr als nur Facebook : Schaut auf Scale!

          Es gibt einen neuen „Neuen Markt“ an der Börse. Wussten Sie nicht? Schade. Denn da gibt es interessante Aktien.
          Dass der Mond gar nicht so trocken ist wie er aussieht, ist zwar erfreulich, aber nur mittelmäßig überraschend.

          Nasa-Bekanntgabe : „Eine aufregende neue Mond-Entdeckung“

          Die Nasa hatte die Vorfreude auf eine angeblich große Neuigkeit vom Mond geschürt. Die heutige Auflösung der Ankündigung lenkt die Aufmerksamkeit aber vor allem auf ein geplantes Raumfahrt-Programm.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.