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Die Vermögensfrage : Umrechnen in der Altersvorsorge

  • -Aktualisiert am

Junge und Alte sollten bezüglich ihrer Altersvorsorge unterschiedliche Rechnungen anstellen. Bild: dpa

Die mickrigen Zinsen ramponieren das Gefüge jeder Altersversorgung. Jung und Alt müssen ihre Pläne überdenken. Denn ruckzuck droht die Altersarmut.

          Rentenlücken sind ein wunderbares Spielfeld für Versicherungsvertreter, Fondsverkäufer und andere Anbieter langfristiger Sparprodukte. Fast jeder weiß, dass im Alter irgendwo ein Problem auf ihn zukommt und ist spontan geneigt, dem tapfer zu begegnen. Dabei gingen die Verkaufsgespräche früher meist so: „Wieviel wollen Sie denn monatlich anlegen? 50, 100 oder 150 Euro?“ Die Antwort war dann regelmäßig der mittlere Wert und schon war die Versicherung verkauft. Die Rente war sicher.

          Heute erledigen die Computer der Vertreter oder Rechner im Internet das Geschäft mit der Zukunftsangst. Und wenn man die Maschinen gewähren lässt, brav ihre Fragen beantwortet und die Einstellungen übernimmt, bringen sie Interessenten schnell an den Rand des Herzinfarktes. Dann ist nämlich nicht mehr die Rede von 100 oder 150 Euro, sondern dann geht es ruckzuck um 500 oder 1000 Euro im Monat. Wenn nicht, drohe die Altersarmut. Die Rente sei unsicher.

          Und irgendwo dazwischen liegt das ökonomisch Sinnvolle, über das man im Moment gerne nachdenken darf, weil sich alle Faktoren des großen Rätsels Rentenlücke in den vergangenen Jahren massiv verändert haben und die üblichen Faustregeln nur noch eingeschränkt gelten. Es darf im Sinne des Wortes nachgerechnet werden. Dabei sind zwei Dinge wichtig: Für Jung und Alt gelten unterschiedliche Überlegungen, da sollte jeweils anders gerechnet werden. Das schaffen die Computer nicht ohne Hilfe. Außerdem haben alle noch so Euro-genauen Berechnungen vermutlich wenig mit der späteren Situation zu tun. Sie zeigen allenfalls, was unter bestimmten Annahmen so passieren könnte.

          Wie hoch sollte ich die Inflation ansetzen?

          Beispiel Inflation. Eigentlich war sie in den vergangenen Jahrzehnten immer da und keine Prognose zur Rentenlücke kam ohne eine Portion Inflation aus. Kein Wunder, dass damit die Rentenlücke schnell ins Unerträgliche wuchs. Heute sieht die Stiftung Warentest in ihrem Ratgeber Private Altersvorsorge das Thema entspannt. Da eh niemand wisse, wie hoch die Inflation in Zukunft ausfalle, könne man es sich auch einfacher machen: „Lassen Sie die Inflation und prognostizierte Rentensteigerungen außen vor und überlegen sie sich, wie sie heute mit einer Rente ohne die jährlichen Rentenerhöhungen klarkommen würden“.

          Der Rat ist pragmatisch, hätte aber bei Inflation unangenehme Folgen. Selbst wenn die Rente so schnell steigt wie die Preise, öffnet sich die Rentenlücke, wenn die private Altersversorgung dieser Entwicklung nicht folgt. Auch diese muss steigen, soll das Versorgungsniveau nicht verwässert werden. Also doch mit der Inflation rechnen? Und mit wie viel?

          Die EZB verfolgt ein Inflationsziel von „unter, aber nahe zwei Prozent“ und fuhr seitdem mit ihrer Politik Ergebnisse zwischen 2,6 und 0,3 Prozent Preissteigerung im Jahr in Deutschland ein. Ganz ohne Inflation ging es in der Vergangenheit nie. Also spricht vieles dafür, wenigsten die Zielgröße der EZB von zwei Prozent den Modellrechnungen zugrunde zu legen, wenn man denn über einen langen Sparzeitraum nachdenken muss. Aber nur dann. Die 35 Jahre alten Kandidaten, die ihre Altersvorsorge einfädeln oder nach den ersten Karriereschritten erweitern, sind also mit der Annahme der Inflation gut beraten. 55-Jährige, die den Ruhestand in Sicht haben, können hier zurückhaltender schätzen. Für sie gilt der Rat der Stiftung Warentest.

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