https://www.faz.net/-hbv-7unws

Die Vermögensfrage : Aktiensparpläne eignen sich gut für die Altersvorsorge

  • -Aktualisiert am

Keine Berührungsängste: Eine Besuchergruppe beobachtet das Geschehen auf dem Frankfurter Börsenparkett Bild: Eilmes, Wolfgang

Bei der Auswahl der richtigen Art, Aktien zu erwerben, kommt es neben der Rendite auch auf die Rückzahlungen, Steuern und Gebühren an.

          7 Min.

          Die Strukturierung des Vermögens ist, obwohl nicht schwierig, für Privatleute aller Altersgruppen eine knifflige Angelegenheit. In jungen Jahren spielt die breite Streuung des Kapitals auf Bargeld, Anleihen, Immobilien, Aktien und Rohstoffe keine Rolle. Denn Karriere, Familie und Eigenheim stehen im Vordergrund, und in späten Jahren ist aus dem Vermögen, weil lange Zeit wild gewachsen, in vielen Fällen ein hartes Konglomerat geworden, das kaum aufgeweicht werden kann. Der Preis dieses „Wildwuchses“ ist in der Regel ziemlich hoch. Die Gebühren und die Risiken sind nicht von Pappe und die Erträge wie die Streuung kaum der Rede wert. Wann und wie diese Gefahren vermieden werden können, wird in folgendem Beispiel deutlich.

          Ein Anleger ist 50 Jahre alt und arbeitet als Manager in der Industrie. Er ist verheiratet und hat mit seiner Frau – einer Juristin im Staatsdienst – zwei Kinder im Alter von 20 und 18 Jahren. Das Ehepaar verdient im Jahr etwa 150.000 Euro, und von den Gehältern bleiben nach Abzug der Sozialabgaben und Steuern etwa 90.000 Euro übrig. Die hohen Einkommen sind die Grundlage für ein Eigenheim, das etwa 350.000 Euro wert ist und dank schneller Tilgung bereits schuldenfrei ist. Außerdem hat das Ehepaar rund 50.000 Euro auf der hohen Kante. Nun stellt sich die Frage, wie das künftige Vermögen gestaltet werden soll.

          Das Ehepaar hat, salopp formuliert, keinen Plan. Mal ist eine Kapitalversicherung im Gespräch, mal werden Immobilien diskutiert, mal sind Aktien ein Thema. Man ärgert sich über die hohen Steuern, die Frau fürchtet die Inflation, und beide schaffen es trotz – oder wegen – Abiturs und Studiums nicht, ein einfaches und solides Konzept zu entwickeln, wie das Privatvermögen in den nächsten Jahren wachsen soll. Das Problem ist in Deutschland kein Einzelfall, sondern dürfte in 90 Prozent aller Haushalte an der Tagesordnung sein, und die Gründe liegen in der Tatsache, vor lauter Bäumen den Wald nicht zu sehen.

          Die Rente ist teilweise sicher

          Das Privatvermögen des Ehepaars besteht, um es mit wenigen Worten auf den Punkt zu bringen, aus vier Posten: Bargeld, Eigenheim, Pension und Rente. Der Notgroschen ist 50.000 Euro groß. Das Eigenheim ist 350.000 Euro wert. Die Pension der Richterin liegt bei 2.500 Euro, was einem Barwert von 251.000 Euro entspricht. Die Rente des Managers beträgt 2.000 Euro, so dass der Anspruch abgezinst 203.000 Euro wert ist. Das sind insgesamt 854.000 Euro, und wenn das Ehepaar bis zur Pensionierung keine silbernen Löffel mitgehen lässt, wird es sich kaum verhindern lassen, dass das Vermögen in naher Zukunft die Millionengrenze überspringen wird. Die kurze und schlichte Frage lautet nur: Wie?

          Die Antwort liegt für den, der drei Schritte zurückgeht und das Bild aus größerer Entfernung betrachtet, auf der Hand. Das Vermögen ruht auf zwei Schultern, und bei einer Scheidungsrate von 40 bis 50 Prozent ist dem Ehepaar zu wünschen, den weiteren Lebensweg in Liebe zu gehen. Das Bargeld ist, wenn man von der Entwertung durch die Inflation absieht, mehr oder weniger sicher. Die Pension der Frau ist, da durch Steuern bezahlt, zwar nicht ganz, aber doch weitgehend sicher. Die Rente des Managers ist, weil im Umlageverfahren finanziert, nur teilweise sicher. Die einzelnen „Bewertungen“ erlauben die Aussage, dass die 854.000 Euro auf Kante genäht sind.

          Nur die Töpfe mit den Aktien und Rohstoffen sind leer

          Die Konzentration auf vier Verträge bedeutet, dass die Streuung des weiteren Vermögens oberstes Gebot sein muss. Das Ehepaar möchte in den nächsten 17 Jahren monatlich 2.000 Euro sparen. Das sind in Summe abgerundet 400.000 Euro oder die Hälfte des heutigen Vermögens. Daraus wird sich in groben Skizzen ein Bild ergeben, das aus drei Teilen besteht. Die Pension und die Rente sind 454.000 Euro wert und können wegen ihrer „hohen“ Sicherheit wie festverzinsliche Anleihen betrachtet werden. Der einzige Schönheitsfehler ist die Tatsache, dass in dem Topf nicht 20 oder 30 Papiere, sondern nur zwei Titel liegen. Das lässt sich aber nicht ändern. Das zweite Drittel ist das Eigenheim. Der Wert wird in den nächsten Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit sinken, weil die Immobilie handelsüblichem Verschleiß unterliegen wird. Das lässt sich trotz aller Instandhaltungen nicht vermeiden. Das letzte Drittel sind die 400.000 Euro, für die im Moment noch kein Plan vorhanden ist.

          Das Problem dürfte sich mit wenigen Handgriffen beheben lassen, wenn sich das Ehepaar bewusstmacht, dass es – wie viele Geldanlagen auch angeboten werden – letzten Endes doch nur fünf Töpfe gibt, in die das Geld gesteckt werden kann: Bargeld, Anleihen, Immobilien, Aktien und Rohstoffe. Der einfache Ansatz wird den Nebel lichten. Im Bargeldtopf sind genügend Mittel vorhanden. Der Topf mit den Anleihen ist gut gefüllt. Das gilt auch für den Topf mit den Immobilien. Nur die Töpfe mit den Aktien und Rohstoffen sind leer, so dass die Richtung klar ist. Das Ehepaar sollte die 400.000 Euro in Aktien und Edelmetalle investieren, um das Fundament des Vermögens zu verbreitern.

          So einfach die Lösung ist, so groß werden aber die Bedenken sein. Aktien? Das darf doch nicht wahr sein! Aktien bei diesem Börsenstand? Das ist wohl ein Scherz! Aktien für die Altersvorsorge? Noch risikoreicher geht es wohl nicht! Die üblichen Kommentare sind alte Kamellen, wie der Kölner zu sagen pflegt, doch was soll man dazu sagen? Es liegt in der Natur des Menschen, bei der Anlage von Geld sowohl Ertrag als auch Sicherheit zu fordern, doch das ist – auf gut Deutsch gesagt – ein bisschen viel auf einmal.

          Die vier großen Aktientüten

          Der vorliegende Fall ist für viele Angestellte und Freiberufler bitterer Alltag: Bargeld, Versorgungsansprüche, Eigenheim – und Angst vor der Börse! So verständlich die Sorgen sind, so fragwürdig sind die Alternativen, in welche die Anleger flüchten: Noch mehr Bargeld ist keine Lösung, noch mehr Anleihen sind fragwürdige Investitionen, noch mehr Immobilien, in der Regel auf Pump, weil für die Barzahlung nicht genügend Geld vorhanden ist, sind heikle Lösungen.

          Sicherheit im Leben ist ein frommer Wunsch, und Sicherheit bei Geldanlagen ist ein Trugschluss. Im Grunde weiß jeder Mensch, dass es keine Sicherheit gibt. Die einzige Sicherheit bei Geldanlagen heißt Streuung, Streuung und noch einmal Streuung, und der Ratschlag ist mit Hilfe von Aktien leicht umsetzbar. Folglich bieten Aktien nicht nur Risiken, sondern auch Chancen, und zwar in erster Linie unter dem Aspekt, das Fundament bestehender Vermögen erheblich zu vergrößern. Aktien sind für Anleger, die mit Anleihen und Immobilien gut bestückt sind, der erste Schritt, weitere Klumpen zu bilden, und der zweite Schritt ist die Frage, in welcher Verpackung die Aktien erworben werden sollten.

          Es gibt in Deutschland vier „große“ Aktientüten, in die Monatsraten von 2.000 Euro gesteckt werden können: Basisrente, Leibrente, Investmentfonds und Indexfonds. Die einzelnen Produkte sind in der Öffentlichkeit bekannt, doch viele Anleger sind der Meinung, es handle sich bei diesen Produkten um unterschiedliche Sparverträge. Das ist aber nur bedingt richtig, weil in jedem Sparvertrag letztlich Aktien stecken. Nur ist die Verpackung anders. Die rechtlichen Bedingungen sind unterschiedlich. Die steuerliche Behandlung ist verschieden. Die Gebühren wechseln von Tüte zu Tüte. Das wird im folgenden Vergleich deutlich.

          Wie die Basisrente mit Aktien funktioniert

          Wenn einmalig oder laufend Geld in Aktien investiert wird, ist es zunächst einmal gleichgültig, in welcher Form das passiert. Die Rendite – bestehend aus Dividenden und Kursen – ist in allen Fällen gleich. Wenn die Verzinsung in Zukunft zum Beispiel bei 5 Prozent liegt, gilt das sowohl für die Basisrente als auch für die Leibrente, den Investmentfonds oder den Indexfonds, weil es der Börse egal ist, wie die Papiere eingekauft und gelagert werden: Plus 5 Prozent sind in allen Fällen plus 5 Prozent, und minus 10 Prozent sind in allen Tüten minus 10 Prozent. Unterschiedlich sind nur die Besteuerung und die Gebühren der Verträge. Teils gilt die Einkommensteuer, teils kommt die Abgeltungsteuer ins Spiel, hier gibt es Provisionen, dort fallen Ausgabeaufschläge an, und die Verwaltungskosten sorgen dafür, dass aus identischen Aktien „unterschiedliche“ Papiere werden.

          Die Basisrente auf Aktienbasis gehört zu den Sparplänen der ersten Vorsorgeschicht. Alleinstehende dürfen jedes Jahr bis zu 20.000 Euro, bei Verheirateten gilt der doppelte Satz, in Basisrenten anlegen und die Einzahlungen als Sonderausgaben vom steuerpflichtigen Einkommen abziehen. Das Kapital fließt zu gegebener Zeit in Form einer lebenslangen Rente zurück, und der Anleger muss die Einnahmen in voller Höhe versteuern. Folglich ist die Rüruprente ein Spar- und Rentenplan. Die Provision beträgt bei diesem Vertrag etwa 5 Prozent, und die jährliche Verwaltungsgebühr liegt bei ungefähr 1,5 Prozent. Das führt aus Sicht des Anlegers, der bis zur Pensionierung jährlich 40 Prozent und im Ruhestand jährlich 25 Prozent versteuern muss, nach Steuern zu 204 Einzahlungen von jeweils 1.300 Euro und bei einer Lebenserwartung von 85 Jahren zu 216 Monatsrenten von jeweils 2.500 Euro.

          Lohnt sich der Gang zur Hausbank?

          Alternativ besteht die Möglichkeit, die Sparraten in eine Leibrente auf Aktienbasis zu stecken. Das Prinzip ist ähnlich wie bei der Basisrente. Der Anleger bezahlt 204 Raten und erhält 216 Renten. Identisch sind auch die Gebühren. Die Provisionen betragen 5 Prozent je Einzahlung, und die jährliche Verwaltung schlägt mit 1,5 Prozent zu Buche. Die steuerliche Behandlung ist jedoch anders. Die Einzahlungen sind aus versteuertem Geld zu erbringen, und die Renten werden nur mit dem Ertragsanteil besteuert. Das führt nach Steuern zu monatlichen Einzahlungen von jeweils 2.000 Euro und zu monatlichen Auszahlungen von jeweils 3.100 Euro.

          Die dritte Möglichkeit ist der Gang zur Hausbank beziehungsweise deren Investmentgesellschaft. Wer zur Sparkasse geht, wird an die Deka weitergereicht, und wen es zur Volksbank zieht, landet bei der Union. In beiden Fällen überweist der Anleger monatlich 2.000 Euro, und in beiden Fällen fallen Ausgabeaufschläge von jeweils 5 Prozent und Verwaltungsgebühren von jährlich 1,5 Prozent an. Das führt in der Verrentungsphase zu versteuerten Einkünften von 2.800 Euro im Monat. Falls der vierte Weg beschritten wird, das Vermögen mit Hilfe von Indexfonds verwaltet wird, kommen nach Steuern monatliche Renten von 3.400 Euro heraus.

          Lebt der Manager noch lange, rechnet sich die Sache

          Die Renditen nach Steuern liegen zwischen 4,3 und 2,3 Prozent im Jahr. Spitzenreiter ist trotz der Provisionen und Gebühren die Basisrente, weil die hohen Steuervorteile während der Einzahlungsphase nicht zu schlagen sind. Silber geht an den Indexfonds mit einer Verzinsung von 3,5 Prozent nach Steuern. Auf dem dritten Platz landet die Leibrente mit einem Ergebnis von 2,9 Prozent. Der klassische Investmentfonds verpasst mit einem Resultat von 2,3 Prozent im Jahr den Sprung aufs Treppchen.

          Die Differenz zwischen der Basisrente und dem Indexfonds beträgt 30.000 Euro. Das ist so viel Geld, dass sich der Blick ins Kleingedruckte lohnt. In beiden Tüten liegen Aktien. Das werden in guten Basisrenten einige Dutzend sein, im Indexfonds können es einige hundert sein. Das macht den Kohl aber nicht fett, weil der Abbau der Risiken nicht proportional zur Anzahl der Aktien verläuft. Der entscheidende Unterschied ist die Besteuerung. Die Einzahlungen in die Basisrente sind fast in voller Höhe als Sonderausgaben abzugsfähig.

          Der Preis für die hohen Steuervorteile ist der Rückfluss des Kapitals in Form laufender Renten. Falls der Manager noch lange lebt, rechnet sich die Sache, doch wenn er nach der dreizehnten Rente stirbt, weil er sich beim Golfspiel oder Joggen übernommen hat, bleibt das Restkapital bei der Versicherung, und die Rendite sinkt unter den Nullpunkt. Das kann dem Verstorbenen egal sein. Für ihn besteht nur die Gefahr, dass sich die Hinterbliebenen an dem alten Herrn mit einem Begräbnis dritter Klasse rächen. Das ist nicht pietätvoll, aus Sicht der Erben aber verständlich. Wer sich für die teurere Variante entscheidet, um beim frühzeitigen Hinschied, wie das in der Schweiz heißt, den Hinterbliebenen das Restkapital zukommen zu lassen, sollte diese Großzügigkeit erstens zu Lebzeiten in geeigneter Weise kommunizieren, und er sollte zweitens – am besten per Dekret – auf ein Begräbnis erster Klasse bestehen. Sonst bereitet der Verzicht nur Verdruss!

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.