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Vermögensfrage : Das blaue Wunder

Börse in Frankfurt Bild: Reuters

Die Aktienkurse sind nun das fünfte Jahr in Folge gestiegen. Das ist keine Ausnahme, sondern die Regel. Höchste Zeit, dass sich die Deutschen am Erfolg ihrer Unternehmen beteiligen.

          6 Min.

          Aktien haben keine Lobby. Sie sind in der Politik verpönt, weil sie in der Bevölkerung verpönt sind. Sie werden in Banken nicht gerne gesehen, weil sich mit ihnen kein Geld verdienen lässt. Also werden sie dem Anleger auch nicht aktiv angeboten. Bezeichnend für das Dasein der Aktien in Deutschland ist die „Aktion pro Aktie“ - so hilfsbedürftig ist diese Anlageform offenbar.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Alles Fremde wird meist mit Vorurteilen bedacht, die sich im Laufe der Jahre festigen. So ergeht es auch der Aktie. Sieben Prozent der Deutschen halten Aktien, aber 100 Prozent der Deutschen urteilen über sie. Dabei werden die Risiken von Aktien überschätzt, die Rendite aber unterschätzt. Aktien werden für ein Zockerpapier gehalten, das vor allem Banken nutzt und ohnehin nur etwas für Reiche ist. Der Begriff Dividende sagt nur den Wenigsten etwas.

          Langfristig bringt (fast) alles Rendite

          In Leserzuschriften wird dazu aufgefordert, mal wenigstens eine Aktie zu nennen, die nicht nur kurzfristig, sondern dem Anleger wirklich langfristig Kursgewinne beschert hat. So etwas gebe es nämlich nicht. Am Kapitalmarkt sei der Kleine schließlich immer der Dumme, der früher oder später von den Bankern übervorteilt und um sein Geld gebracht wird.

          Der optisch beste Gegenbeweis ist das Renditedreieck des Deutschen Aktieninstituts. Grün hinterlegte Zahlen stehen für einen steigenden Dax, rote für einen fallenden. Seit Ende 1948 sind diese Zahlen für die 30 größten börsennotierten deutschen Unternehmen abgetragen.

          Das Bild ist eindeutig. Manch Aktienskeptiker erlebt hier sein blaues Wunder, auch wenn es grün ist. Aktionäre sind weniger überrascht. Umfragen zeigen, dass sie mit der Geldanlage zufriedener sind als Nichtaktionäre, deren Geldanlage auf Girokonto, Tagesgeldkonto und Sparbuch erfolgt.

          Kurzfristig geht es heftig hin und her

          Am oberen Rand des Dreiecks ist jeweils das aktuellste Jahr abgebildet. Ganz oben rechts in der Ecke das Jahr 2016, mit einem aktuellen Plus von 7 Prozent. Es wäre das fünfte Jahr in Folge mit einem positiven Jahresergebnis für den Dax. Das Dreieck weist aber auch 20 rote Jahre auf. Und wer das Aktienjahr 2016 Revue passieren lässt, weiß, dass die aktuelle Rendite nicht Ergebnis eines kontinuierlichen Anstiegs ist, sondern bis Mitte Februar auch ein heftiger Rücksetzer des Dax zu verkraften war. Aktienkurse haben keine lineare Entwicklung. Sie schwanken teilweise heftig.

          Deswegen sind sie tatsächlich bei Zockern beliebt. Wer den täglichen Kick liebt, der kann im Sekundentakt auf steigende oder fallende Kurse setzen. Das ist aber nicht der typische Anleger. Die meisten Aktionäre bleiben ihren Unternehmen treu. Die ING Diba gewährte der F.A.Z. kürzlich einen Einblick in die knapp eine Million Depots ihrer Kunden. 8,6 Handelstransaktionen wurden da im Durchschnitt getätigt - im Jahr, nicht am Tag oder in der Stunde.

          Fakten sprechen lassen

          Wer sich im Renditedreieck von der oberen Kante (Hypotenuse) nach rechts unten bewegt, der stößt nach fünf Jahren auf die erste Linie, sie folgen im Abstand von fünf Jahren. Wer fünf Jahre Geduld hatte, der kann aktuell auf eine durchschnittliche jährliche Rendite von 13 Prozent zurückblicken.

          Historisch betrug die Wahrscheinlichkeit für einen Gewinn in einem Zeitraum von fünf Jahren 86 Prozent. Für ein Jahr sind es 70 Prozent. Wer aber zehn Jahre Geduld mitbrachte, erzielte in 97 Prozent der Fälle ein positives Ergebnis. Und ab 15 Jahren Anlagezeitraum gab es seit 1948 keinen Zeitraum, in dem es unter dem Strich einen Verlust für die Geldanlage in den 30 größten Aktiengesellschaften gab. Im Gegenteil: Üblich sind langfristige Aktienrenditen von 8 Prozent im Jahr.

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