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Vorsorgekassen : Das Vermögen der Pensionseinrichtungen schrumpft

Es wird wieder enger: Erstmals seit der Finanzkrise sind die Vermögen der Pensionsfonds wieder geschrumpft. Bild: dpa

Die Vermögen der Pensionsfonds sind erstmals seit der Finanzkrise wieder geschrumpft. Die deutschen Vorsorgekassen stehen wegen der niedrigen Zinsen vor großen Herausforderungen.

          Erstmals seit der Finanzkrise sind die Vermögen der Pensionsfonds wieder geschrumpft. Nach einer am Montag vorgelegten Studie der Berater von Willis Towers Watson in Zusammenarbeit mit der amerikanischen Fachzeitschrift „Pensions & Investments“ sind die Vermögen der 300 größten Pensionsfonds im Jahr 2015 um 3,4 Prozent auf 14,8 Billionen Dollar gesunken. Zuletzt waren im Krisenjahr 2008 die Vermögen der Vorsorgeeinrichtungen von Staaten, Branchen und Unternehmen um 12,6 Prozent auf 10,4 Billionen Dollar gesunken.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Angesichts ständig steigender Verbindlichkeiten warnt Nigel Cresswell, der bei Willis Towers Watson für deutsche Kunden zuständig ist, vor den Herausforderungen der Pensionseinrichtungen im Niedrigzinsumfeld. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin befürchtet für die Pensionsfonds und -kassen durch die niedrigen Zinsen noch größere Belastungen als für die Lebensversicherer. In den Niederlanden, wo mit ABP, der Einrichtung für den öffentlichen Dienst, der fünftgrößte Pensionsfonds der Welt sitzt, mussten schon Betriebsrenten gekürzt werden. In Deutschland drücken die niedrigen Zinsen die Renditen der Pensionsfonds deutlich. Konnten diese noch vor zwei Jahren ein Plus von sieben bis acht Prozent erwirtschaften, betragen die Renditen inzwischen weniger als ein Prozent.

          Deutsche Einrichtungen vor größeren Hürden als ausländische Wettbewerber

          Zudem sieht Cresswell die deutschen Einrichtungen wegen der strengeren aufsichtsrechtlichen und steuerlichen Vorschriften vor größeren Hürden als die Wettbewerber im Ausland. Dies schränke die Möglichkeiten der deutschen Pensionsfonds gegenüber anderen internationalen Investoren ein. Das zeigt sich auch an ihrer sehr geringen Größe. Die größte deutsche Pensionseinrichtung, die Bayerische Versorgungskammer, liegt mit einem verwalteten Vermögen von 71,3 Milliarden Dollar in der Welt nur auf Rang 37. Die niederländische ABP ist mehr als fünfmal so groß. Der staatliche Pensionsfonds aus Japan liegt auf dem ersten Platz mit 1,16 Billionen Dollar. Dahinter folgt der norwegische Pensionsfonds mit 866 Milliarden Dollar.

          „Es wäre wünschenswert, wenn auch deutsche Investoren ein größeres Spektrum an Anlagemöglichkeiten nutzen könnten“, sagt Cresswell. Er hält dies für nötig, damit die deutschen Einrichtungen im internationalen Vergleich Schritt halten können, aber auch um ihre langfristigen Ziele effizienter zu erreichen. Denn in Zukunft ist seiner Ansicht nach eine höherere Effektivität der Vorsorgeeinrichtungen erforderlich, um mit den historisch niedrigen Zinsen zurechtzukommen. Als Maßnahmen nennt er die Optimierung interner Prozesse sowie den effizienteren Einsatz von Ressourcen und Kompetenzen, also im Wesentlichen Kosteneinsparungen.

          Die Vermögen der Pensionseinrichtungen sind im vergangenen Jahr trotz guter Entwicklung an den Aktienmärkten gesunken. Das lag neben den niedrigen Zinsen auch an den Kursschwankungen an den Finanzmärkten, dem in der ganzen Welt niedrigen Wirtschaftswachstum sowie den politischen und ökonomischen Unsicherheiten. In den fünf Jahren bis Ende 2015 ist das Vermögen der Pensionsfonds und -kassen im Jahresschnitt um 3,5 Prozent gewachsen. Nach Ansicht von Roger Urwin, Chefstratege von Willis Towers Watson, benötigen die Einrichtungen aber eine jährliche Rendite von mindestens fünf Prozent, um für die künftigen Herausforderungen gewappnet zu sein.

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