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Vergleichsportale für Verbraucher : Grenze des Wachstums: die Toilettentür

Versicherungen sind für manches Vergleichsportal ein einträgliches Geschäft - denn die Verbraucher recherchieren mittlerweile gerne im Netz. Bild: picture alliance / ZB

Wo gibt es die billigsten Fahrzeugversicherungen, Stromtarife, Lastminutereisen? Auf Internet-Vergleichsportalen können Verbraucher das erfahren. Eines ist besonders erfolgreich: Check24 misst sich sogar schon mit Netzgiganten wie Amazon.

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          Wenn ein Unternehmen wächst, kann es schon mal eng werden. Beim Vergleichsportal Check24 knubbelte es sich zu Jahresanfang in München ganz besonders, so dass manche der Mitarbeiter ihre Schreibtische nur ein paar Schritte von den Toiletteneingängen entfernt beziehen mussten. Dort berieten sie am Telefon zum Beispiel Kunden zu Pauschalreiseangeboten, die diese auf dem Vergleichsportal gefunden hatten. Inzwischen hat sich die Lage gebessert, weil die an der Donnersbergerbrücke sitzende Check24 Vergleichsportal GmbH im Bürokomplex gegenüber zusätzliche Räume anmieten konnte.

          Auch die Worte des Geschäftführers Henrich Blase spiegeln das Wachstum wider: „Unser Ziel ist es, in diesem Jahr insgesamt um 30 Prozent zu wachsen“, sagt Blase. Fahrzeugversicherungen, Stromtarife, Girokonten, Handyverträge, Lastminutereisen und seit dem Ende des vergangenen Jahres auch Elektro- und Haushaltsgeräte – all diese Dienstleistungen oder Produkte können Verbraucher inzwischen auf Check24 im Preis und auch in der Leistung vergleichen. Das Portal listet Angebote und Preise der teilnehmenden Anbieter in den einzelnen Produktklassen auf. Wenn ein Besucher der Seite dann tatsächlich über das Portal mit einem Anbieter handelseinig wird, erhält Check24 für den Abschluss eine Vermittlungsgebühr.

          Für das Münchner Unternehmen ist das ein Geschäft mit großen Summen. „2013 haben wir mit den unterschiedlichen Angeboten auf unserer Plattform ein Transaktionsvolumen von circa 5 Milliarden Euro erreicht“, sagt Blase. Zum Vergleich: Der Onlinehändler Amazon hat in Deutschland im Jahr 2012 umgerechnet 6,8 Milliarden Euro umgesetzt. Das ist zwar immer noch deutlich mehr als Check24, aber anders als der amerikanische Handelsriese vermittelt das Münchner Unternehmen mit inzwischen mehr als 700 Mitarbeitern auch keine Produkte des täglichen Bedarfs. Einen Kunden dazu zu bringen, eine Reise zu buchen oder den Stromtarif zu wechseln, ist weitaus schwieriger, als ihm zum Beispiel den neusten Krimischmöker aus Schweden zu verkaufen.

          Zahllose Portale

          Blases Unternehmen schreibt mit dieser Überzeugungsarbeit seit nun einem Jahrzehnt nach eigenen Angaben schwarze Zahlen. 160 Millionen Euro habe Check24 im vergangenen Jahr umgesetzt, sagt Blase, und: „Wir verdienen seit 2004 Geld.“ Mehr will er nicht verraten. Die im Bundesanzeiger veröffentlichten Jahresabschlüsse der Muttergesellschaft weisen für die Geschäftsjahre 2010 bis 2012 (jeweils zum 31.März) Bilanzgewinne von rund 14,7 Millionen, 21,1 Millionen beziehungsweise 17,4 Millionen Euro aus.

          Wohl auch angesichts solcher Zahlen macht Blase die Konkurrenz der großen amerikanischen Internetkonzerne nicht bange, wenngleich er deren Dominanz anerkennt. „Wir wollen die Nummer vier im deutschen Internet sein“, sagt er – also gemessen an der Wahrnehmung und vor allem der Besucherfrequenz gleich hinter Google, Amazon und Ebay stehen. „Und wir wollen das größte Vergleichsportal hierzulande sein.“

          Doch genau das wollen auch andere. Portale wie Check24 gibt es zahllose, die größten Wettbewerber heißen Verivox, Preisvergleich.de, das zum Leipziger Internetunternehmensgruppe Unister gehört, oder das Berliner Unternehmen Toptarif Internet GmbH. Dazu kommen jede Menge spezialisierte Angebotsaggregatoren, die sich zum Beispiel auf Produktpreisvergleiche oder einzelne Dienstleistungssegmente wie Reise-, Flug- oder Hotelbuchung konzentrieren.

          Wie umkämpft der Markt für Versicherungstarifvergleiche ist, zeigt die jüngste Vergangenheit. Das mit viel Hoffnungen von den drei Versicherungsunternehmen HDI, HUK-Coburg und WGV Versicherungen aufgesetzte Portal Transparo.de gab vor gut zwei Wochen bekannt, dass es Ende Juni seinen Dienst einstellen werde. Es war 2011 angetreten, um die Dominanz von Check24 beim Versicherungspreisvergleich zu brechen und mit einem eigenen Angebot aus der Branche heraus von dem Münchner Unternehmen unabhängiger zu werden. Das Kalkül lautete: Was Check24 kann, können wir auch selbst – und uns vielleicht so die Provisionsgebühren sparen. Allein, dieser Wunsch ist offensichtlich nicht aufgegangen. In der vergangenen Woche teilte nun die in Heidelberg sitzende Verivox GmbH mit, dass es die Marken Transparo sowie den Vorläufer Aspect-Online übernehmen werde.

          Markt konsolidiert sich

          Der Markt für Autoversicherungsvergleiche konsolidiert sich gerade also – und das alles unter dem Damoklesschwert, dass auch ein noch größerer Spieler plötzlich die Bühne betreten könnte: der Suchmaschinenkonzern Google. Meistens beginnen Verbraucher ihre Suche nach günstigen Versicherungen oder anderen Produkten mit der in Deutschland in rund neun von zehn Fällen genutzten Suchmaschine – und landen dann über die dort geschalteten Anzeigen der Vergleichsportale auf deren Internetseiten Was läge also näher, als dass Google gleich selbst zum Versicherungsvertrieb wird – und dafür wie Check24 und die anderen eine Provision kassiert? Im vergangenen Jahr machten die ersten Gerüchte die Runde, dass Google den Markteintritt für das Angebot namens „Compare“ für den September plane. Passiert ist bisher nichts – anders als in Großbritannien, wo das Angebot schon auf dem Markt ist.

          „Wir waren bisher nie besonders nervös, was Google betrifft“, sagt Check24-Geschäftsführer Blase. Nun scheine sich die Gefahr eines Markteintritts der Amerikaner zwar kurzfristig verringert zu haben. Doch langfristig habe sie sich erhöht, sagt Blase. Wenn Google mit einer den Markt aufrüttelnden Idee komme, könne sich alles ändern. Aber so lange will er sich darauf konzentrieren, sein Geschäft weiter zu vergrößern. Auch wenn das vielleicht bedeutet, dass es irgendwann in den Büros wieder eng werden könnte.

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