https://www.faz.net/-gv6-73b7p

Verbraucherschutz : Banken versprechen mehr Transparenz bei Dispozinsen

  • Aktualisiert am

Laut einer Studie im Auftrag des Verbraucherschutzministeriums haben mehr als 80 Prozent der deutschen Haushalte einen Dispokredit. Bild: dpa

Happige Überziehungszinsen ärgern viele Bankkunden. Wer mit dem Konto oft im Minus ist, soll verstärkt Alternativen angeboten bekommen, sagt die Branche zu. Rufe nach festen Obergrenzen verstummen nicht.

          Angesichts massiver Kritik an hohen Zinsen fürs Konto-Überziehen wollen Banken und Sparkassen Kunden, die übermäßig lange im Minus sind, stärker auf günstigere Alternativen hinweisen. Geprüft werden sollen auch Maßnahmen für mehr Transparenz, wie die Deutsche Kreditwirtschaft als Dachorganisation der Finanzbranche nach einem Spitzentreffen bei Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) im vergangenen Oktober ankündigte. 

          Aigner sprach von einem „ersten Schritt in die richtige Richtung“. Eine feste Obergrenze für Dispozinsen lehnt Aigner weiter ab. Die SPD forderte eine gesetzliche Regelung. Die Banken stehen in der Kritik, historisch günstige Konditionen bei der eigenen Geldbeschaffung nicht an die Kunden weiterzugeben. Nach Angaben der Stiftung Warentest wurden zuletzt durchschnittlich rund 11 Prozent Zinsen für das Überziehen des Girokontos berechnet, teils lagen die Sätze bei mehr als 14 Prozent. Dagegen hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins, zu dem sich Banken Geld beschaffen können, inzwischen auf das historische Tief von 0,5 Prozent gesenkt.

          Verbraucherzentralen fordern Obergrenze

          Die Kreditwirtschaft betonte, dass diese Differenz nicht mit der Gewinnmarge der Institute gleichzusetzen sei. Der Aufwand, flexible Dispositionskredite bereitzustellen und zu überwachen, sei höher als bei günstigeren Ratenkrediten. Aigner sagte, die Banken hätten endlich erkannt, dass sie vor allem für Kunden Erleichterungen schaffen müssten, die längerfristig im Minus sind. Die Institute hätten zugesagt, mit Betroffenen das Gespräch zu suchen und ihnen eine Umschuldung in einen Ratenkredit oder individuelle Tilgungsvereinbarungen anzubieten.

          Die Ministerin forderte die Branche zudem auf, auch im Internet alle Kosten auf einen Blick transparent zu machen. Die Banken könnten das Vertrauen der Verbraucher nur zurückgewinnen, wenn sie fair und transparent sind. „Hier gibt es für die Branche noch viel zu tun.“ Die SPD im Bundestag forderte, per Gesetz klarzustellen, dass die Höhe der Dispozinsen in einem angemessenen Verhältnis zu den Kosten der Banken stehen müsse. Die Differenz zwischen dem von der Bundesbank festgeschriebenen Basiszinssatz und dem Dispositionszins solle auf maximal 8 Prozentpunkte begrenzt werden. Auch die Verbraucherzentralen fordern eine gesetzliche Obergrenze.

          Weitere Themen

          Träumen ist gut, aber Rechnen ist besser!

          FAZ Plus Artikel: Kreditzinsen : Träumen ist gut, aber Rechnen ist besser!

          „Trautes Heim, Glück allein“ ist nicht ohne Grund der Name einer Filmkomödie. Im echten Leben sieht es leider nicht so „traut“ und „glücklich“ aus. Warum wir anfangen sollten, realistisch zu rechnen, wenn es um geplante Eigenheime geht.

          Amazon-Aktionäre gegen Gesichtserkennung

          Bürgerrechte : Amazon-Aktionäre gegen Gesichtserkennung

          Auf der Hauptversammlung des Online-Händlers wollen Anteilseigner gegen eine umstrittene Software mobil machen. Sie sind nicht die einzigen, die darin ein Überwachungswerkzeug sehen.

          Die größten Börsengänge Video-Seite öffnen

          Das sind die Top 10 : Die größten Börsengänge

          Uber wird bei seinem Börsengang etwas mehr als acht Milliarden Dollar erlösen – und kommt damit nicht unter die Top 10 der größten Börsengänge. Die ersten vier Plätze belegen Konzerne aus China; aus Deutschland ist ein Unternehmen dabei.

          Topmeldungen

          Formel-1-Legende : Niki Lauda ist tot

          Niki Lauda ist gestorben: Der Österreicher wurde 70 Jahre alt. Nicht nur als Rennfahrer in der Formel 1 feierte er Erfolge.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.