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Überschussbeteiligungen : Versicherer senken die Verzinsung

Lebensversicherer senken in diesem Jahr reihenweise die Überschussbeteiligungen ihrer Kunden - teils um vier Prozent Bild: dapd

Reihenweise kürzen die deutschen Lebensversicherer ihre Überschussbeteiligungen. Einige haben schon die Grenze von vier Prozent unterschritten.

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          Die deutschen Lebensversicherer senken in diesem Jahr reihenweise die Überschussbeteiligungen ihrer Kunden. Nachdem schon einige Wettbewerber diesen Schritt in den vergangenen Tagen gegangen sind, zog am Mittwoch der Marktführer Allianz Leben nach. Die laufende Überschussbeteiligung werde gegenüber dem Vorjahr um 0,1 Prozentpunkte auf 4 Prozent gesenkt, teilte das Unternehmen mit, das rund 17 Millionen Lebensversicherungskunden zählt. Es die dritte Senkung in Folge. Beobachter rechnen nun damit, dass der Branchendurchschnitt von zuletzt 4,1 Prozent nun die Marke von 4 Prozent unterschreiten wird. Millionen Sparer, die ihr Geld in Versicherungen anlegen, dazu zählen auch viele staatlich geförderte Riester- und Rüruprenten, ergeben sich nun geringere erwartete Endwerte.

          Philipp Krohn
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Rechnet man bei der Allianz zur nun gesenkten Überschussbeteiligung andere Formen der Gewinnbeteiligung hinzu, ergibt sich eine Gesamtverzinsung von 4,5 Prozent auf den Sparanteil. Das sind 0,2 Prozentpunkte weniger als im vergangenen Jahr. Noch vor zehn Jahren lag der Branchendurchschnitt bei rund 7 Prozent. „Die Anpassung der laufenden Verzinsung ist vor dem Hintergrund der veränderten Kapitalanlagewelt unvermeidlich“, sagte Allianz-Leben-Chef Maximilian Zimmerer. Er verwies auf die deutlich gesunkene Rendite zehnjähriger Bundesanleihen, die zwischen Jahresbeginn und November von 2,9 auf 1,8 Prozent gesunken ist.

          Der Allianz sind in diesem Jahr bereits mehrere Anbieter mit einer Senkung zuvorgekommen. Andere könnten dem Branchenführer folgen. Als erstes Unternehmen meldete am 21. November die Alte Leipziger, dass sie ihre Überschussbeteiligung von 4,1 auf 3,85 Prozent senkt. Die früher als wenig dynamisch geltende Gesellschaft hatte in den vergangenen Jahren deutlich bessere Kapitalanlageergebnisse erzielt als der Branchendurchschnitt und konnte die Verzinsung für die Kunden jahrelang konstant halten.

          Schlechte Entwicklung auf dem Kapitalmarkt

          Der Versicherer aus Oberursel begründete seinen Schritt mit der schlechten Entwicklung auf dem Kapitalmarkt, aber auch mit den Vorbereitungen auf die künftigen Eigenkapitalregeln Solvency II, die langfristige Garantien der Versicherer deutlich verteuern. In dieser Woche zog dann mit der Axa einer der größten Wettbewerber der Allianz nach und senkte seine Überschussbeteiligung von 4 auf 3,8 Prozent. In der Versicherungsbranche gibt es seit langem eine Diskussion darüber, ob die Überschussbeteiligung angesichts der Lage auf dem Kapitalmarkt nicht noch stärker gesenkt werden müsste.

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          Anbieter wie die Württembergische beispielsweise, die vor allem über eigene Vertreter Policen verkaufen und deshalb weniger im Wettbewerb um Makler steht, halten die Verzinsung mit zuletzt 3,5 Prozent bewusst niedrig, um nicht Neukunden auf Kosten von Bestandskunden zu subventionieren.

          Durch ihre langfristigen Garantien müssen die Versicherer ihren Kunden im Durchschnitt mindestens 3,3 Prozent auf ihre Sparanteile gutschreiben - also den Teil des Beitrags, der nicht für Kosten oder die Todesfallabsicherung verwendet wird. Weil die risikoarmen Anlagemöglichkeiten derzeit wenig attraktiv sind, richtete der Präsident des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft Rolf-Peter Hoenen kürzlich einen dramatischen Appell an Notenbanker und Politiker. „Wir brauchen ein Signal, dass es nicht dauerhaft Geld zum Nulltarif geben darf“, forderte er. Auf einem anderen Weg hat das Bundesfinanzministerium indes schon Entlastung gebracht: Für das kommende Jahr senkte es den Garantiezins, der den Kunden mindestens gut geschrieben werden muss, um 0,5 Punkte auf 1,75 Prozent. Außerdem arbeitet eine Arbeitsgruppe daran, die Regeln zur Beteiligung der Kunden an den Bewertungsreserven zu entschärfen.

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