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Tipps für Sparer : Wohin nur mit meinem Geld?

Ritt in den Abgrund: Die gute alte Spardose und Tagesgeldkonten unterscheiden sich in den aktuellen Zeiten der niedrigen Zinsen kaum in ihrer Effizienz. Bild: Jan Bazing

Auf dem Tagesgeldkonto gibt es nichts mehr zu holen. Bundesanleihen bringen sogar Verluste. Derweil erklimmt der Dax unheimliche Höhen. Da hilft Sparern nur noch eines: mehr Mut.

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          Es ist nur noch ein Frage der Zeit, bis die richtungsweisenden Anleihen der Bundesrepublik Deutschland mit zehn Jahren Laufzeit, unter Sparern traditionell der Inbegriff einer sicherheitsorientierten Geldanlage, die böse Null-Linie erreichen. Vergangene Woche sank ihre Rendite (also die Möglichkeit, mit ihnen Geld zu verdienen) auf 0,168 Prozent. Das ist der tiefste Stand in der Geschichte des Sparens. Noch zum Jahreswechsel bekam man dort 0,5 Prozent. Fast alle Bundesanleihen mit kürzerer Laufzeit haben mittlerweile sogar eine negative Verzinsung – so wie rund ein Drittel aller europäischen Staatsanleihen.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nicht viel netter sieht es beim Tagesgeldkonto aus, das sich in den letzten Jahren zur liebsten Sparform der Deutschen entwickelt hatte. Am vergangenen Freitag senkte die ING-Diba, nach eigenen Angaben Marktführer beim Tagesgeld in Deutschland, ihre Zinsen: Neukunden bekommen jetzt nur noch ein Prozent im Jahr, Bestandkunden sogar nur noch 0,6 Prozent. Andere Banken werden dem Vorbild des Marktführers vermutlich bald folgen. Viel mehr als eine kleine Anerkennung ist da also auch nicht mehrdrin.

          Wohin also jetzt mit dem Geld? Sparer, die bislang als Strategie gegen die Niedrigzins-Plage ihr kleines Erspartes immer vom Girokonto aufs Tagesgeldkonto und zurück verfrachtet haben, können sich die Arbeit anscheinend bald sparen. Die Tagesgeldbranche schwimmt offenbar genauso in Spareinlagen wie der Rest der Finanzwirtschaft – und stellt die Zinszahlungen ebenfalls praktisch ein.

          Zwei Möglichkeiten für Sparer

          Wer als Sparer glaubt, es handele sich um ein vorübergehendes Problem, das man am besten durch Abwarten und Aussitzen löst, muss enttäuscht werden: Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank, hat angekündigt, bis zum September 2016 europäische Staatsanleihen für mehr als eine Billion Euro kaufen zu wollen. Zumindest so lange wird sich die Situation an der Zins-Front für Sparer eher verschärfen als verbessern.

          Für Sparer bleiben ganz grundsätzlich nur zwei Möglichkeiten: Duldsamkeit oder Emanzipation. Natürlich kann man seine Erwartungen hinsichtlich Zins und Rendite beliebig nach unten korrigieren und sich freuen, wenn das Geld wenigstens nicht weg ist. Eine solche Haltung haben sich viele Deutsche in der Finanzkrise antrainiert, wie Umfragen etwa des Vermögensverwalters Blackrock zeigen. Wem dagegen so langsam der Kragen platzt, für den ist der Anlagenotstand auch die Chance, sich aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit als Anleger zu befreien.

          „Wenn der risikofreie Zins praktisch null ist, haben Sparer nur eine Möglichkeit, wenn sie mit ihrem Ersparten noch Geld verdienen wollen“, sagt der Mannheimer Finanzprofessor Martin Weber. „Sie müssen mehr ins Risiko gehen.“

          Es ist ein alter Grundsatz der Finanzwissenschaft, dass es „keine Mehrrendite ohne Mehrrisiko“ gibt: Das sei selten so offensichtlich gewesen wie jetzt in der Niedrigzinsphase, sagt Weber. „In dieser Situation hilft den Sparern am Ende nur eines: mehr Mut!“ Raus aus der Spur also.

          Nur 6,4 Prozent der Duetschen haben Aktien

          Wer aber mehr Risiken eingehen will, muss sie möglichst genau kennen. Gerd Gigerenzer, Bestsellerautor („Risiko“) und Direktor am Max-Planck-Institut in Berlin, sagt: Die Sparer müssten dafür „mehr Risikokompetenz“ entwickeln. Dazu gehört für ihn mehr Wissen über die Finanzmärkte – aber auch eine andere Grundhaltung. Gerade die Deutschen müssten sich von der „Illusion der Gewissheit“ verabschieden, die sie ins Tagesgeld und in die Staatsanleihen getrieben haben. Und ein Gefühl dafür entwickeln, welche Risiken man vernünftigerweise getrost eingehen könne.

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