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Tipps für Sparer : Wohin nur mit meinem Geld?

Aktienkurse könnten bald etwas sinken

Eine andere Möglichkeit, Aktienkurse daraufhin zu überprüfen, ob sie womöglich schon zu stark gestiegen sind, ist der Vergleich zwischen dem sogenannten Buchwert und dem Börsenwert. Der Buchwert errechnet sich als Summe aller Vermögensgegenstände minus der Schulden; er ist gleichsam der Substanzwert. Der Börsenwert ist das Produkt aus dem Aktienkurs und der Zahl der Aktien; er spiegelt die erwarteten künftigen Erträge.

Für den Dax kommt die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) nach dem Kursanstieg der vergangenen Wochen auf einen Börsenwert, der mittlerweile das Zweifache des Buchwertes aller 30 im Dax vertretenen Unternehmen ausmacht. Die Bank warnt, nur auf dem Höhepunkt der New-Economy-Blase um das Jahr 2000 sei noch mehr für den deutschen Aktienmarkt bezahlt worden.

Das alles könnte dafür sprechen, dass die Aktienkurse demnächst tatsächlich vorübergehend etwas sinken. Die Experten sprechen von einer „Korrektur“, die zumindest Commerzbank-Aktienexperte Andreas Hürkamp für das dritte Quartal 2015 erwartet, also für die Monate Juli, August und September.

Was folgt aber daraus für die Sparer? Hände weg von Aktien, weil das Risiko von Kursverlusten im Augenblick dann doch zu hoch ist? Finanzprofessor Martin Weber jedenfalls sieht das anders. Er meint, es sei müßig, für so effiziente Märkte wie den Aktienmarkt in Deutschland, bei dem alle neuen Informationen in Sekundenbruchteilen über die elektronischen Handelssysteme in die Kurse eingearbeitet werden, überhaupt Prognosen in die eine oder andere Richtung aufstellen zu wollen.

Zugleich ist es eine selbst in der Wissenschaft nicht bestrittene Beobachtung, dass Aktien über längere Zeiträume für Anleger bislang in den allermeisten Fällen ein gutes Geschäft waren. „Über zehn oder fünfzehn Jahre betrachtet, kam man meistens auf eine Rendite von sieben bis acht Prozent im Jahr“, sagt Weber. Dafür ist vor allem wichtig, dass man nicht gerade zum allerungünstigsten Zeitpunkt verkaufen muss. „Wer also Geld in drei Jahren für ein neues Auto braucht, sollte das nicht unbedingt in Aktien stecken. Wer hingegen für die Altersvorsorge spart, für den sind Aktien eine sinnvolle Anlageform.“

Bild: F.A.Z.

Um sich gegen Kursverluste zu versichern, hilft ein altes Rezept: Man muss seine Anlagen streuen. „Jetzt nur eine BASF-Aktie zu kaufen, weil Chemie und Pharma gerade gut laufen, ist sehr riskant“, sagt Weber. Sinnvoller sei ein weltweit investierender Aktienfonds – oder, wegen der niedrigeren Gebühren, ein börsengehandelter Indexfonds, kurz ETF, auf den weltweiten Aktienindex MSCI World. Selbst wenn der in einer Korrekturphase an Wert verlieren sollte – auf längere Sicht lohnten sich Aktien immer.

Auch Gigerenzers Konzept von der „Risikokompetenz“ passt zu diesem Anlageratschlag. „Im Umgang mit Risiken können Faustregeln helfen, die aus der Erfahrung gespeist sind“, sagt er. „Wissenschaftler sprechen von guten Heuristiken.“ Faustregel Nummer eins: diversifizieren. Ein Drittel des Vermögens in sichere Anlagen wie Staatsanleihen stecken, ein Drittel in Aktien und ein Drittel in Immobilien – bei kleineren Beträgen vielleicht ins Bad oder in einen Anbau. Eine zweite Regel könnte sein: Von den Aktien, die man kauft, 80 Prozent in relativ sichere Dax-Titel und 20 Prozent in riskantere Papiere. Eine dritte Regel: Auch in Dinge investieren, die man selbst gern hat, wie Oldtimer oder Kunst – aber immer nur ins hochwertige Segment, um die Risiken zu begrenzen. Gigerenzer meint: „Mit solchen Regeln kann man auf vernünftige Weise höhere Risiken eingehen.“ Genau das also, was im Anlagenotstand notwendig ist.

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