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Tipps für Sparer : Wohin nur mit meinem Geld?

Das naheliegende Risiko, das Sparer für mehr Rendite in Kauf nehmen könnten, ist das von Kursschwankungen. Nur rund 6,4 Prozent aller Deutschen haben überhaupt Aktien – hinzu kommen 9,5 Prozent, die Aktienfonds besitzen. Beide Zahlen sind nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts (DAI) in der Niedrigzinsphase sogar noch gesunken.

„Die Angst vor Aktien ist für mich nicht nachvollziehbar“, sagt der Frankfurter Bankier Friedrich von Metzler. „Die Deutschen sind stolze Mitarbeiter von Unternehmen und kaufen begeistert deren Produkte – kaufen aber seltsamerweise nicht die Aktien der Unternehmen, von deren Produkten sie überzeugt sind.“

Dax 23 Prozent höher seit Jahresbeginn

Die Risikoscheu der Deutschen bei der Geldanlage habe etwas mit kollektiven Erzählungen über Gefahr zu tun, meint Risikoforscher Gigerenzer: „Das mag unter anderem mit der Hyperinflation von 1923, dem Zusammenbruch nach zwei Weltkriegen und nicht zuletzt schlechten Erfahrungen mit der Telekom-Aktie zusammenhängen.“ Risikoaversion zeige sich offenkundig in jedem Land unterschiedlich: „Die Amerikaner sind mutiger bei Aktien als die Deutschen – dafür sind sie nach meiner Erfahrung oft ängstlicher, was Kerzen am Weihnachtsbaum betrifft.“

Mit ihrem Pessimismus bezüglich der Wertpapiere mit schwankenden Kursen haben viele deutsche Sparer allein in diesem Jahr eine gewaltige Rally am Aktienmarkt verpasst. Und der Ärger, nicht dabei gewesen zu sein, vermischt sich bei vielen schon wieder mit der Angst, wie es am Aktienmarkt jetzt wohl weitergehen mag.

Mit 12.039 Punkten ist der deutsche Aktienindex Dax am Freitag ins Wochenende gegangen. Damit ist er vergangene Woche nicht nur zum ersten Mal in seiner Geschichte über die Marke von 12.000 Punkten gestiegen. Er hat auch seit Jahresanfang mit einem Plus von gut 23 Prozent einen außergewöhnlichen Aufstieg hinter sich und deutlich mehr gewonnen als der Dow Jones und der S&P500, die beiden großen Aktienindizes in Amerika.

Bild: F.A.Z.

Mit einem solchen Kursanstieg hatte im vorigen Jahr so gut wie niemand gerechnet. Die Prognose der Bankanalysten für den Dax zum Jahreswechsel reichten von 9500 Punkten (DZBank) bis 11.800 Punkten (Barclays). Mit 11500 Punkten galt die Deutsche Bank schon als eher optimistisch. Sie alle sind positiv überrascht worden.

Mit jedem Schritt des Dax nach oben aber wuchs auch die Zahl derer, die meinten, das sei nun aber wirklich ein Schritt zu viel gewesen. „Die Outperformance des Dax gegenüber dem S&P 500 dürfte an Dynamik verlieren“, heißt es dazu im aktuellen Aktienmarkt-Kommentar der Commerzbank. Soll heißen: So stark, wie der Dax zuletzt im Vergleich zum amerikanischen Aktienmarkt gestiegen ist, kann es auf keinen Fall weitergehen.

Ein Kriterium dafür, ob es mit dem Dax bald bergab geht, ist das sogenannte Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz „KGV“. Es ist ein Maßstab dafür, ob Aktien im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt eher teuer oder eher billig sind. Die Commerzbank kommt für den Dax im Augenblick auf 15,4 – gemessen an den erwarteten Gewinnen für 2015. Das ist nicht billig. Alles hängt dabei aber natürlich entscheidend davon ab, auf was für Gewinne die deutschen Großunternehmen am Ende des Jahres tatsächlich kommen. Sind noch positive Überraschungen drin? Das Öl ist billig, der Euro niedrig: Das könnte dem einen oder anderen exportorientierten Unternehmen einen zusätzlichen Gewinn bescheren. Aber einiges davon steckt bereits in den Kursen – ist „eingepreist“, wie die Börsianer sagen.

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