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Lotterie-Studie : Reichtum macht doch glücklich

  • Aktualisiert am

Im Privatjet reisen? Angenehm. Bild: dpa

Geld macht nicht glücklich, heißt es oft. Eine Studie über schwedische Lottogewinner beweist das Gegenteil. Gleichzeitig zeigt sich etwas anderes über die Reichen.

          Reichtum macht nicht glücklich – so hieß es lange. Wer mehr als 60.000 Dollar im Jahr verdiene, der könne durch zusätzliches Geld nicht noch glücklicher werden, nach einer simplen Umrechnung für Deutschland also rund 50.000 Euro. Doch diese These findet seit Jahren immer mehr Widerspruch.

          Erst untersuchte ein amerikanisches Ökonomen-Paar den Zusammenhang zwischen Einkommen und Glück weltweit und bemerkte, dass reichere Menschen doch glücklicher waren. Jetzt macht eine neue Studie aus Schweden unter Wissenschaftlern Furore: Darin wurden Gewinner von mehreren schwedischen Lotterien über mehr als 20 Jahre beobachtet – und sie waren selbst nach Jahrzehnten immer noch glücklicher als vor ihrem Gewinn.

          Was ist Glück überhaupt?

          Dabei ist eine Frage wichtig: Was ist Glück überhaupt? Worauf sich Menschen freuen, das sind oft ganz andere Dinge als die, an die sie sich hinterher glücklich erinnern – und im Moment selbst ist noch mal alles anders. Das macht die Frage recht kompliziert. Eine Unterscheidung hält sich aber deutlich: die zwischen „happiness“ und „Lebenszufriedenheit“.

          Wenn die Menschen danach gefragt werden, ob sie „happy“ sind, dann antworten sie mit Bezug auf ihre aktuelle Laune, die Antworten ändern sich ständig: Bei Sonnenschein sind sie dann glücklicher als bei Regen, am Freitagabend besser drauf als am Montagmorgen. So tanzt die Laune um ein Grundniveau, das sich von Person zu Person heftig unterscheidet – und kaum ändert. Nur dauerhafte Schmerzen und Arbeitslosigkeit drücken die Laune auf Dauer. Abgesehen davon führen selbst schlimme Schicksalsschläge nicht unbedingt dauerhaft zu schlechter Laune, nach einigen Wochen haben sich die Menschen auch an Behinderungen gewöhnt.

          Werden die Menschen dagegen gefragt, ob sie mit ihrem Leben zufrieden sind, dann treten sie eher einen Schritt zurück und beurteilen das ganze Leben – diese Antworten verändern sich nicht mit der aktuellen Laune, dafür aber eher einmal, wenn sich die Lebensumstände ändern.

          Eltern zum Beispiel berichten oft über eine ziemlich schlechte Laune, aber auch eine hohe Lebenszufriedenheit. Und es ist die Lebenszufriedenheit, die bei Lottogewinnern wächst – die Laune dagegen bleibt weitgehend unverändert, sie verbessert sich so wenig, dass es statistisch kaum messbar war.

          Wie geht es den Lottogewinnern?

          Nun ist es schwierig, klare Zusammenhänge zwischen Reichtum und Glück zu finden. Intelligente Menschen sind gleichzeitig glücklicher und verdienen oft mehr – trotzdem ist es nicht der Reichtum, der sie glücklich macht. Deshalb untersuchten die schwedischen Ökonomen Lotteriegewinner. Dieser Gewinn ist ganz zufällig. Meist ging es in der Studie um Gewinne von umgerechnet rund 90.000 bis 700.000 Euro. Dabei stellte sich heraus: Höhere Gewinne machten sogar noch mehr für das Glück aus.

          Auf einer Skala von 1 (am schlechtesten) bis 10 (am besten) gaben sich die Schweden durchschnittlich eine Lebenszufriedenheit von 7,2. Wer mehr als 500.000 Euro gewonnen hatte, kam im Durchschnitt auf eine Lebenszufriedenheit von 7,6. Höhere Preise brachten noch höhere Zufriedenheit. Dabei wurden besonders die Leute glücklicher, die das Geld um die Jahrtausendwende gewonnen hatten – und die, die es auf einmal ausbezahlt bekamen. Wer eine monatliche Zusatzrente bekam, für den brachte der Gewinn kaum Glück. Dabei ist bekannt, dass auch die Gewinner großer Summen ihr Geld nicht auf einmal ausgeben, sondern es eher stückeln und etwas weniger arbeiten.

          Lottogewinner bleiben nicht gesünder

          Von den schwedischen Lottogewinnern weiß man zudem, dass sie nach ihrem Gewinn kaum gesünder sind als andere Menschen. Dabei gilt auch in Schweden: Wer viel Geld hat, lebt länger als Leute mit weniger Geld. Nach den eigentlichen Gründen für diesen Zusammenhang wird schon lange gesucht – hängt die Lebenserwartung an der Intelligenz oder an anderem Verhalten, das sich auf beruflichen Erfolg und auf Gesundheit auswirkt?

          So viel lässt sich lernen: Dass Arme früher sterben, liegt statistisch gesehen nicht daran, dass sie sich den Arzt nicht leisten könnten, oder dass ihnen der Geldmangel so viele Sorgen bereitet. Zumindest nicht in Schweden.

          Ein paar Leute kommen aber bei Lottogewinnen wirklich in Gefahr: die Nachbarn. Speziell im Fall von kleineren Gewinnen wollen sie häufig mit den Ausgaben ihrer plötzlich reicheren Nachbarn mithalten – und schlittern so eher in die Insolvenz.

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