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Steigende Mieten : So teuer ist das Studentenleben

Unter Studenten schwer gefragt: Ein Platz im Wohnheim Bild: dpa

900 Euro im Monat braucht ein Student im Durchschnitt. Dann darf er aber nicht in Heidelberg oder München wohnen. In diesem Wintersemester müssen die Eltern wieder mehr Geld für ihren Nachwuchs ausgeben.

          Hoffentlich ergeht es Studienanfängern nicht mehr so wie jenem jungen Burschen, der zum Medizinstudium in eine süddeutsche Universitätsstadt gezogen war. Gerade erst in der Stadt angekommen, bittet er immer wieder um Finanzhilfe aus der Heimat. Alle Augenblicke musste er der Mama um Geld schreiben, wofür er die abenteuerlichsten Erklärungen ausheckte, lässt Thomas Mann seine Figur Doktor Selten in der Erzählung „Gefallen“ berichten. Die erhöhten Ausgaben liegen allerdings weniger am Studieren als viel mehr an Theaterbesuchen der Liebe willen. Am Ende war der Student vor allem an Erfahrung reicher.

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Um Geld dreht es sich für Studierende bis heute. Neben dem Stundenplan braucht es für die 2,8 Millionen Studenten in Deutschland den ebenso wichtigen Finanzierungsplan: Wie hoch werden wohl meine Ausgaben sein? Was brauche ich überhaupt alles? Und wie kann ich das bezahlen? So beginnt vor dem Studium das große Feilschen mit Vater und Mutter: Wie viel können und wollen sie ihren Kindern in den nächsten Ausbildungsjahren geben?

          Kostenlos ist ein Studium nicht, auch wenn kein Bundesland mehr Studiengebühren verlangt. Was eine Studentenbude heutzutage in den begehrten Großstädten kostet, rückt erst zum Semesterstart auf den Schirm. Nicht wenige werden wohl sagen, dass das zu ihren Studienzeiten gänzlich anders war. In diesem Wintersemester müssen die Eltern wieder mehr Geld für ihren Nachwuchs ausgeben: Durch höhere Wohnkosten steigen die Ausgaben für das Hochschulleben seit Jahren. Nur das Fünftel der Studenten, das weiter im elterlichen Heim lebt, spart sich diese Kosten.

          Wie lässt sich günstig studieren?

          918 Euro im Monat erhalten die Studenten im Durchschnitt, die nicht mehr zu Hause wohnen. Das geht aus der jüngsten Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks aus dem Jahr 2016 hervor. Von diesem Geld geben die Studenten ein Drittel für die Wohnung aus, dahinter folgt die Ernährung als nächster Ausgabeposten. So ein Student braucht einiges: Kleidung, Bücher oder das Semesterticket. Auch wird keiner mehr auf den Internetanschluss und das Smartphone verzichten. Das braucht man, um sich in digitalen Lerngruppen auszutauschen oder ein Mathe-Tutorial auf Youtube zu sehen (wenn die Eltern fragen), aber natürlich auch um nachts Netflix-Serien oder allerlei lustige Filme zu sehen (wovon die Eltern nichts erfahren). Falls noch nicht vorhanden, zählt zur Erstausstattung somit neben Bett, Schreibtisch und Kochtöpfen auch ein Laptop.

          Wie lässt sich günstig studieren? Wohnheim oder Wohngemeinschaft statt eigene Wohnung, Randlage statt Innenstadt, gebrauchte Möbel statt Möbelhaus. Noch mehr aber kommt es auf den Studienort an, weil zwischen München und Magdeburg preislich Welten liegen. Doch die Wahlmöglichkeiten sind eingeschränkt, sie hängen vom gewünschten Fach und Unterschieden zwischen den Hochschulen ab. Wer beispielsweise den Mathematiker und Fields-Preisträger Peter Scholze in Bonn, den Physiker und früheren Astronauten Ulrich Walter in München oder die Künstlerin Judith Hopf in Frankfurt hören will, kann nicht woanders hinziehen.

          Wichtigste Einnahmequelle für Studenten in Deutschland sind die eigenen Eltern. Nach der Sozialerhebung des Studentenwerks finanzieren Vater und Mutter bei 86 Prozent der Studenten das Studium mit und zahlen durchschnittlich 541 Euro. 61 Prozent arbeiten nebenbei und verdienen dabei im Schnitt 385 Euro im Monat, 25 Prozent bekommen staatliche Zahlungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (Bafög). Zu kleineren Teilen helfen andere Verwandte, eigene Ersparnisse oder Stipendien.

          Längst ist das Studium zum Großprojekt für die ganze Familie geworden

          Die Schwankungsbreite ist groß, im Westen liegen die Einnahmen höher als im Osten, und ältere Studenten haben mehr als jüngere zur Verfügung. Das Monatsbudget reicht von weniger als 670 Euro (jeder fünfte Student) bis zu mehr als 1300 Euro (jeder zehnte Student). 28 Prozent haben bis zu 700 Euro, fast jeder dritte Student erhält mehr als 1000 Euro, und rund 40 Prozent liegen dazwischen. Das ist für diesen Lebensabschnitt durchaus auskömmlich. „Wir wären die Letzten, die das Klagelied der Studentenarmut anstimmen wollen“, sagt Stefan Grob, Stellvertreter des Generalsekretärs des Deutschen Studentenwerks in Berlin. Studenten haben auch kulturell alle Möglichkeiten: Theater bieten günstige Karten an, Hochschulsport kostet wenig, und sie fahren günstig im Nahverkehr oder mit der Regionalbahn durch ihr Bundesland.

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