https://www.faz.net/-gv6-9gq0w

Ankündigung der Versorger : Zum Jahreswechsel steigen die Strompreise

  • Aktualisiert am

Ein Drehstromzähler misst den Stromverbrauch eines Haushaltes. Bild: dpa

Für die Haushalte herrschte beim Strompreis zuletzt Ruhe. Doch diese Phase ist vorbei. Zum Jahreswechsel haben viele Versorger Erhöhungen angekündigt. Verbraucherschützer kritisieren die Begründung.

          Für viele Haushalte in Deutschland wird der Strom im kommenden Jahr deutlich teurer. Um durchschnittlich 4 bis 5 Prozent steigen die Preise zahlreicher Anbieter in der Grundversorgung. Ein Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden zahlt dann nach Berechnungen des Vergleichsportals Verivox rund 55 Euro mehr im Jahr. Die Versorger begründen die Preiserhöhungen mit ihren gestiegenen Einkaufspreisen für den Strom. In diesem Jahr war der durchschnittliche Strompreis nach Zahlen der Bundesnetzagentur weitgehend stabil.

          Kurz vor Ende der Ankündigungsfrist für mögliche Preiserhöhungen an diesem Dienstag – sechs Wochen vor dem Jahreswechsel – verzeichnete Verivox 218 Versorger mit Preiserhöhungen im Dezember und zum 1. Januar. Ähnlich sieht das Portal Check 24 die Situation: 160 regionale Stromversorger hätten ihre Preise schon erhöht oder Erhöhungen angekündigt.

          „Erfahrungsgemäß kommen in den nächsten Wochen noch weitere Versorger dazu“, sagte der für Energie zuständige Check-24-Geschäftsführer Oliver Bohr. Besonders viele Preiserhöhungen sind laut Verivox bisher in Baden-Württemberg und Hessen angekündigt worden.

          Eon und Innogy lassen Preis stabil

          Die beiden größten deutschen Stromversorger, Eon und das RWE-Tochterunternehmen Innogy, lassen den Strompreis zum Jahreswechsel stabil, wie Sprecher beider Unternehmen sagten. Wie lange das gilt, ist aber noch nicht entschieden. „Wir beobachten die Entwicklung“, sagte ein Sprecher von Eon. Zusammen haben die Essener Konzerne rund zehn Millionen Strom- und Gaskunden in Deutschland. Eon plant im Zuge eines großangelegten Tauschs mit RWE, die Innogy-Kunden zu übernehmen.

          Die Versorger rechtfertigten die Preissteigerungen. Die Beschaffungskosten seien in den vergangenen zwei Jahren um mehr als die Hälfte gestiegen, teilte der Branchenverband BdEW mit. Auch der Anstieg der Preise für CO2-Emissionszertifikate wirke kostentreibend. Kleinere Entlastungen bei anderen Bestandteilen des Strompreises könnten den Anstieg nicht ausgleichen.

          Verbraucherschützer kritisierten diese Argumentation. „Als vor einigen Jahren die Börsenpreise gesunken sind, haben die Versorger auf ihre langfristigen Verträge verwiesen und die Einsparungen nicht an ihre Kunden weitergegeben“, sagte der Energieexperte der Verbraucherzentrale NRW, Udo Sieverding. „Jetzt sind sie bei steigenden Börsenpreisen schnell mit Preiserhöhungen dabei.“

          Die Bundesnetzagentur beziffert den Anteil der Beschaffungskosten am Strompreis auf etwa 22 Prozent. Mehr als die Hälfte entfallen auf Umlagen, Steuern und Abgaben, ein knappes Viertel auf die Netzentgelte. Für den Stichtag 1. April 2018 hat die Behörde einen durchschnittlichen Strompreis über alle Vertragsarten von 29,88 Cent je Kilowattstunde ermittelt. Auf diesem Niveau bewegt sich der Preis seit 2016.

          Grundversorgungstarife sind teurer

          Einen Vertrag in der klassischen Grundversorgung mit vergleichsweise hohen Preisen haben nach neuen Zahlen der Bundesnetzagentur aber noch knapp 28 Prozent der Haushalte. Eine Umstellung des Vertrages lohne sich für viele, betonen die Wettbewerbshüter. Ein durchschnittlicher Haushaltskunde habe zuletzt durch einen Lieferantenwechsel 68 Euro im Jahr sparen können.

          Für den Anbieterwechsel gibt der gemeinsame Monitoringbericht von Netzagentur und Kartellamt einige Tipps: Verbraucher sollten Tarife mit Vorkasse oder Kaution meiden, zudem solle die Vertragslaufzeit ein Jahr nicht überschreiten. Außerdem müssten die Verbraucher darauf achten, dass nach Ablauf der Preisbindung eine erhebliche Preissteigerung möglich sei.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kann man dem Pessimismus gegenüber der Welt irgendwie entkommen?

          Gute Nachrichten : Die Welt ist gar nicht so schlecht

          Steigende Ungleichheit, Umweltkatastrophen und Terrorismus: Oft hat man das Gefühl, dass die Welt schlechter wird – doch in Wahrheit wird sie besser. Wir wollen das nur nicht glauben.

          Brexit-Debakel : Jetzt wird der Brexit lästig

          Nach der Chaos-Woche in London steht die britische Regierung jetzt endgültig im Regen. Doch politisch sind viele Akteure Lichtjahre voneinander entfernt. Wie lange noch?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.