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Deutliche Preisanstiege : Strom, Heizöl, Benzin – alles wird teurer

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Verbraucher müssen in diesen Tagen tiefer in die Tasche greifen. Bild: dpa

Verbraucher müssen für die Versorgung mit Strom, Heizöl und Benzin deutlich tiefer in die Tasche greifen. Die Gründe dafür sind vielfältig.

          Für Verbraucher hat es in den vergangenen Tagen wenig erfreuliches zu hören gegeben. Die Iran-Politik des amerikanischen Präsidenten Donald Trump belastet den Ölpreis, Benzin und Heizöl werden unweigerlich teurer.

          Nun berichtet der „Tagesspiegel“ (Sonntag) unter Berufung auf eine Untersuchung des Internetportals Verivox auch noch einen deutlichen Anstieg der Strompreise. Allein  – es handelt sich dabei nicht um eine plötzliche Entwicklung, sondern um einen Anstieg über die vergangenen 13 Jahre. Die Stromkosten eines Viererhaushalts hätten sich von Januar 2005 bis Mai 2018 um 50 Prozent erhöht. Dies ergebe sich aus dem Verbraucherpreisindex, in dem Verivox die Preise der Grundversorger und der 30 wichtigsten überregionalen Anbieter zusammenfasst.

          Die gute Nachricht: Deutlich günstiger sieht es dem Bericht zufolge beim Gas aus. Hier seien die Preise bei einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden von Januar 2005 bis Mai 2018 im bundesweiten Vergleich nur um sieben Prozent gestiegen.

          Für die Autofahrer sind die guten Jahre vorbei

          In einigen Regionen, etwa in Berlin, könnten sich Verbraucher sogar über Entlastungen freuen: Hier seien die Gaspreise laut Verbraucherpreisindex zuletzt sogar gesunken. Verglichen mit Januar 2012 sanken die Kosten für einen Dreierhaushalt in der Hauptstadt demnach um 27 Prozent.

          Ganz anders das Heizöl. Der Heizölpreis hat nach Angaben des Energie-Informationsdienst EID in den größeren Städten die Marke von 70 Euro für 100 Liter (bei Abnahme von 3000 Litern, inkl. MwSt) geknackt. Bei den Internet-Preisportalen steht er im bundesweiten Durchschnitt noch knapp darunter. Damit müssen die Heizöl-Käufer wieder so viel bezahlen wie vor dreieinhalb Jahren, im November 2014. Vor einem Jahr lag der Heizöl-Preis bei 55 Euro für 100 Liter; der Anstieg beträgt somit mehr als 15 Euro oder fast ein Drittel. Bei einer Tankfüllung sind das immerhin 450 Euro.

          Auch für Autofahrer sind die guten Jahre erst einmal vorbei – und kommen wohl nicht so schnell zurück. Seit einem Jahr steigen die Preise für Rohöl wieder, und mit ihnen jene für Heizöl und Benzin. Erstmals seit fast drei Jahren müssen deutsche Autofahrer an der Zapfsäule mehr als 1,40 Euro für einen Liter Superbenzin E10 bezahlen. Für einen Liter Diesel wird im bundesweiten Durchschnitt mindestens 1,26 Euro fällig; das ist ebenfalls der höchste Stand seit rund drei Jahren.

          Das Öl wird knapp

          Angesichts der enormen Tagesschwankungen an den Tankstellen von zehn Cent je Liter und mehr können die Spitzenpreise regional und zu ungünstigen Zeiten noch weitaus drastischer ausfallen. Der EID ermittelte in der vergangenen Woche die höchsten Preise in Berlin mit 1,54 Cent für einen Liter E10 und 1,38 Euro für Diesel. Das sind Ausreißer-Werte, zu denen kaum ein Autofahrer tankt. Aber sie zeigen, wohin die Reise gehen könnte.

          Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl ist ferner innerhalb eines Jahres gar um mehr als die Hälfte gestiegen, bei der Nordsee-Sorte Brent von gut 50 auf mehr als 77 Dollar. Die Gründe dafür sind vielfältig.

          Auf der Angebotsseite hat das Opec-Kartell seine Förderung zurückgefahren, unterstützt von Russland und anderen Förderländern. Rund zwei Millionen Barrel pro Tag (bpd) hat die Opec aus dem Markt genommen. Opec-Mitglied Venezuela, das Land mit den größten
          Ölreserven, würde gern mehr Rohöl liefern. Doch eine tiefgreifende politische und wirtschaftliche Krise hat das Land ins Chaos gestürzt; aus Venezuela kommt tatsächlich immer weniger Öl.

          Nachdem Präsident Trump das Atomabkommen mit Iran aufgekündigt und neue Sanktionen gegen das Land angekündigt hat, stehen weitere 2,5 Millionen bpd auf der Kippe. Iran ist der fünftgrößte Ölexporteur weltweit. Das meiste Iran-Öl geht nach China und Indien sowie in weitere asiatische Länder, geringere Mengen nach Europa.

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