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Steuertipp : Wann man Berufskleidung von der Steuer absetzen kann

  • -Aktualisiert am

Verkaufsraum eines Herstellers von Berufsbekleidung. Einen Anzug findet man hier nicht Bild: Eilmes, Wolfgang

Wie schön wäre es, wenn sich der Fiskus an den Kosten der im Job getragenen Kleidung beteiligt. Die Hürden sind hoch, wenn man nicht gerade Bäcker, Arzt oder Schornsteiger ist – aber eine Chance gibt es.

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          Viele Unternehmen schreiben ihren Arbeitnehmern vor, wie sie sich am Arbeitsplatz zu kleiden haben. Einen schlechten Eindruck macht, wer gegen diesen Dresscode verstößt. Wie schön wäre es, wenn sich der Fiskus an den Kosten der im Beruf getragenen Kleidung beteiligt. Doch die Hürden dafür sind hoch.

          Einfach haben es etwa Bäcker, Ärzte oder Schornsteinfeger. Bei ihnen ist schon aufgrund der Kleidung der Beruf erkennbar, weshalb sie ihre Kleidung problemlos als sogenannte typische Berufskleidung von der Steuer absetzen können. Es läge also nahe, dass auch der Büroangestellte seine Kosten für beruflich getragene Kostüme und Anzüge bei der Steuer als Werbungskosten berücksichtigen könnte. Ganz nach dem Motto: Was dem Arzt sein weißer Kittel, ist dem Manager sein Anzug. Doch wie heißt es so schön: Wenn zwei das Gleiche tun, ist es nicht dasselbe!

          Denn bei Kleidung, die der Steuerpflichtige auch privat tragen könnte, verweigert der Fiskus den Werbungskostenabzug mit dem Hinweis, dass es sich hierbei um bürgerliche Kleidung und nicht um berufstypische Kleidung handelt. Auch das Aufnähen von Dienstzeichen oder dienstliche Anweisungen zum Tragen bestimmter bürgerlicher Kleidung genügen noch nicht, um sie als berufstypisch gelten zu lassen.

          Die Hürden sind hoch

          Ist die Kleidung im großen Umfang auch außerhalb der Berufsausübung tragbar, sind die Aufwendungen für ihre Anschaffung nicht abzugsfähig. Um Berufsbekleidung handelt es sich auch dann nicht automatisch, wenn normale bürgerliche Kleidung eigens für die berufliche Tätigkeit gekauft wurde und nahezu ausschließlich während der Arbeit getragen wird. So hat das Finanzgericht Hamburg aktuell in seinem Urteil vom 26. März 2014 (6 K 231/12) entschieden, dass die Aufwendungen eines angestellten Rechtsanwalts für seine Business-Kleidung nicht als Werbungskosten abziehbar sind. Es sei unerheblich, so die Richter, dass die Aufwendungen für angemessene Bekleidung in dieser Berufssparte aufgrund der dortigen Gepflogenheiten besonders hoch sind.

          Eine Chance, bürgerliche Kleidung als typische Berufskleidung durchzubekommen, besteht nur in einem Fall: Wenn die private Nutzung aufgrund berufsspezifischer Eigenschaften so gut wie ausgeschlossen ist. Dieser Nachweis dürfte in aller Regel sehr schwer fallen. Vor Gericht hatten bislang unter anderem die schwarzen Anzüge eines katholischen Geistlichen, eines Leichenbestatters und eines Oberkellners sowie die Sportkleidung eines Sportlehrers Bestand. Der Abendbekleidung einer Instrumentalsolistin oder dem Lodenmantel eines Försters wurde dagegen die Eigenschaft der typischen Berufskleidung verweigert. Auch die Anschaffungskosten landestypischer Kleidung – wie Tropenhelme für eine Dienstreise – können nicht abgesetzt werden.

          Einen kleinen Trost gibt es aber: Wird die normale Kleidung bei einem konkreten beruflichen Ereignis beschädigt oder beispielsweise bei einem Büroangestellten durch Druckertoner verschmutzt, können die Schadenskosten als Werbungskosten in der Steuererklärung angesetzt werden.

          Tipp: Bei typischer Berufskleidung lassen sich neben den Anschaffungskosten prinzipiell auch die Reinigungskosten als Werbungskosten berücksichtigen. Auf der Quittung der Textilreinigung sollte das gereinigte Kleidungsstück ausdrücklich genannt werden. Findet die Reinigung in der häuslichen Waschmaschine statt, darf der Steuerzahler die Reinigungskosten auch schätzen. Grundsätzlich kann er dabei die unmittelbaren Kosten des Waschvorgangs, wie Wasser- und Energiekosten, Wasch- und Spülmittel, aber auch die anteiligen Abnutzungs- und Wartungskosten ansetzen. Für die steuerliche Anerkennung spielt es keine Rolle, ob die Kleidungsstücke die Waschmaschine mit privater Wäsche teilen.

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