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Steuertipp : Steuern sparen mit der Sonne

  • -Aktualisiert am

Mit Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach können Privatleute selbst Strom erzeugen. Bild: obs/CosmosDirekt

Wer mit einer Photovoltaikanlage selbst Strom erzeugt und ins Netz einspeist, muss bei der Steuer auf einiges achten. Unser Steuertipp.

          Der private Betreiber einer Photovoltaikanlage, der regelmäßig selbsterzeugten Strom ins Netz einspeist, gilt umsatzsteuerlich als Unternehmer. Auf die Einspeisevergütungen sowie auf den Eigenverbrauch (bei Vornahme des vollen Vorsteuerabzugs oder Erhöhung der nichtwirtschaftlichen Nutzung) fällt Umsatzsteuer in Höhe von derzeit 19 Prozent an. Dabei wird der im eigenen Haushalt genutzte Strom mit dem ortsüblichen Einkaufspreis bewertet. Der Besteuerung nach den grundsätzlich höheren Selbstkosten hatte der Bundesfinanzhof bereits mit Urteil vom 12. Dezember 2012 (Aktenzeichen XI R 3/10) eine Absage erteilt. Die Finanzverwaltung ist dieser Auffassung nunmehr gefolgt.

          Beträgt der Jahresumsatz im Gründungsjahr nicht mehr als 17.500 Euro und wird er im Folgejahr voraussichtlich 50.000 Euro nicht übersteigen, gilt der Betreiber einer Photovoltaikanlage als sogenannter Kleinunternehmer. Auf die Umsätze wird dann keine Umsatzsteuer erhoben, im Gegenzug kann der Unternehmer jedoch auch keine Vorsteuer aus den Kosten für die Erstellung der Anlage geltend machen. In seinen Rechnungen beziehungsweise den erhaltenen Gutschriften darf zudem keine Umsatzsteuer ausgewiesen werden, da sie ansonsten trotz Kleinunternehmerstatus geschuldet würde. Gerade in der investitionsintensiven Anfangsphase einer solchen Tätigkeit lohnt sich der Verzicht auf die Kleinunternehmer-Regelung und stattdessen die Wahrnehmung der Option zur Regelbesteuerung.

          Voraussetzung für einen vollen Vorsteuerabzug ist, dass die Anlage zu mindestens zehn Prozent unternehmerisch genutzt wird. Der Antrag auf Wechsel der Besteuerungsart kann formlos oder im Rahmen des Fragebogens zur steuerlichen Erfassung gestellt werden. Als Verzichtserklärung reicht auch die Abgabe einer Voranmeldung oder Jahreserklärung aus, in der die Umsatzsteuer nach den allgemeinen Regeln berechnet wird.

          Sofern sich keine Liquiditätsvorteile mehr ergeben, kann es sinnvoll sein, zu einem späteren Zeitpunkt wieder zur Kleinunternehmer-Regelung überzugehen und so den steuerlichen Verwaltungsaufwand zu vermeiden. Dabei ist jedoch zu beachten, dass der Unternehmer für fünf Jahre an den Verzicht auf die Kleinunternehmer-Regelung gebunden ist.

          Die Frist berechnet sich in vollen Kalenderjahren und beginnt am Anfang des Jahres, für das der Unternehmer die Erklärung abgegeben hat. Ein Beispiel: Wurde die Anlage im März 2014 mit Option zur Regelbesteuerung in Betrieb genommen, sind ein Widerruf und die Rückkehr zur Kleinunternehmerregelung frühestens zum 1. Januar 2019 möglich.

          Dies ist jedoch nicht der einzige Zeitraum, der zu beachten ist. Ändern sich die steuerlichen Verhältnisse bei einem Wirtschaftsgut durch Wechsel von der Regelbesteuerung zur Kleinunternehmer-Regelung, ist der ursprüngliche Vorsteuerabzug gegebenenfalls zu korrigieren. Der Berichtigungszeitraum beträgt fünf Jahre bei einer auf das Dach aufgesetzten Photovoltaikanlage und sogar zehn Jahre bei einer dachintegrierten Anlage. Erschwerend kommt hinzu, dass der Berichtigungszeitraum erst ab der erstmaligen Nutzung der Anlage zu laufen beginnt und nicht schon zu Beginn des Kalenderjahres.

          Beispiel: Bei Inbetriebnahme der Anlage im März 2014 mit Option zur Regelbesteuerung ist die Rückkehr zur Kleinunternehmerregelung ohne Vorsteuerkorrektur frühestens zum 1. April 2019 möglich. Würde der Wechsel bereits zum 1. Januar 2019 vollzogen, hätte der Betreiber für drei von 60 Monaten zeitanteilig Vorsteuer an den Fiskus zurückzuzahlen. Da der Widerruf der Regelbesteuerung nur mit Wirkung vom Beginn eines Kalenderjahres an möglich ist, sollte damit in diesem Fall bis zum 1. Januar 2020 gewartet werden.

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