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Steuertipp : Mallorca-Fans aufgepasst

  • -Aktualisiert am

Mallorca ist der Deutschen liebste Ferieninsel Bild: dpa

Wer ein Ferienhaus in Spanien hat, muss bald weniger Steuern zahlen, wenn er es vererbt oder verschenkt - einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs sei dank.

          2 Min.

          Deutsche, die eine Ferienimmobilie in Spanien haben, können sich freuen. Sie haben es künftig leichter, wenn sie ihr Häuschen verschenken oder vererben. Und müssen voraussichtlich weniger Steuern zahlen.

          Das ist Folge eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom 3. September (Az. C-127/12). Es hat das auch für Deutsche relevante spanische Erbschaft- und Schenkungsteuerrecht teilweise für EU-rechtswidrig erklärt, weil es in Spanien Ansässige (Residente) und nicht in Spanien Ansässige (Nichtresidente) ungleich behandelt.

          In Spanien sind die autonomen Regionen (vergleichbar mit unseren Bundesländern) für die Erhebung der Erbschaft- und Schenkungsteuer zuständig. Sie gewähren teilweise sehr umfangreiche Freibeträge und Steuervergünstigungen, die regelmäßig jedoch nur zur Verfügung stehen, wenn sowohl Erblasser und Erbe oder Schenker und Beschenkter in Spanien ansässig sind.

          So wird beispielsweise in einem Erbfall, bei dem eine Immobilie auf den Balearen im Wert von zwei Millionen Euro vom Vater (lebte in Palma de Mallorca) auf seine ebenfalls in Spanien lebende Tochter übergeht, eine Steuer von rund 140.000 Euro fällig. Würden jedoch, unter sonst gleichen Voraussetzungen, die Beteiligten außerhalb Spaniens in einem anderen EU-Staat leben, würde die Steuerbelastung auf jeweils mehr als 729.000 Euro hochschnellen.

          Bisher haben viele Deutsche im Wissen um die exorbitante Steuerbelastung in Spanien, die auf eine im Regelfall deutlich geringere Erbschaftsteuer in Deutschland nur teilweise anrechenbar ist, eine spanische Kapitalgesellschaft gegründet, die die Immobilie hält. Während die Übertragung durch Erbschaft oder Schenkung von Immobilien in Spanien der Erb- und Schenkungsteuer unterliegt, ist die Vererbung von Gesellschaftsanteilen nicht Gegenstand der spanischen Erbschaftsteuer, wenn Erblasser oder Erbe nicht in Spanien ansässig sind.

          Erstattungsansprüche prüfen

          Diese Struktur war in Deutschland allerdings kürzlich auf dem Prüfstand vor dem Bundesfinanzhof. Das höchste deutsche Finanzgericht hat festgestellt, dass - sollte die Nutzung der Immobilie nicht durch die Kapitalgesellschaft angemessen in Rechnung gestellt werden - eine sogenannte verdeckte Gewinnausschüttung (vGA) vorliegt. Im Ergebnis müssen die deutschen Ferienhausbesitzer dann diese Eigennutzung in Deutschland mit der Abgeltungsteuer inklusive Soli-Zuschlag von 26,38 Prozent versteuern. Sollten diese Einkünfte nicht erklärt werden, wird man sich unter Umständen sogar dem Vorwurf der Steuerhinterziehung aussetzen.

          Ein zweites Risiko in diesem Zusammenhang ergibt sich durch eine Änderung des Doppelbesteuerungsabkommens (DBA) mit Spanien. Das neue DBA weist das Besteuerungsrecht für Veräußerungsgewinne an grundbesitzhaltenden Immobiliengesellschaften dem Staat zu, in dem sich die Immobilie befindet, in unserem Beispiel also Spanien. Bislang lag das Besteuerungsrecht beim Wohnsitzstaat des Eigentümers, also Deutschland. Durch die Änderung des DBA sehen viele Experten die Gefahr, dass es zu einer fiktiven Gewinnbesteuerung in Deutschland kommen könnte. Die darauf entfallende Steuer wäre zwar stundungsfähig, jedoch müsste dies beantragt werden.

          Durch die Entscheidung des EuGH zeichnet sich ab, dass zumindest in Hinblick auf die Verschonung von Erbschaft- und Schenkungsteuer das Halten von Immobilien über Kapitalgesellschaften überflüssig werden könnte. Darüber hinaus ist allen Erben und Beschenkten, die in den vergangenen Jahren aufgrund ihrer Nichtansässigkeit in Spanien eine hohe Erbschaft- oder Schenkungsteuer zu tragen hatten, dringend zu empfehlen, etwaige Erstattungsansprüche prüfen zu lassen.

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