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Steuertipp : Ab wann sich ein Kredit innerhalb der Familie lohnt

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Paar mit Kindern: Fiskalisch unerwünschte Gestaltungen im Familienkreis sollen verhindert werden. Bild: dpa

Bei Darlehen unter Familienmitgliedern müssen verschiedene Fallhöhen überwunden werden, um von den Abgeltungsteuertarifen zu profitieren. Hier kommen die Voraussetzungen.

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          Private Kapitalerträge unterliegen in der Regel einem pauschalen Steuersatz von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag. Das gilt aber nicht, wenn sich nahestehende Personen untereinander ein Darlehen gewähren und wenn daraus Werbungskosten oder Betriebsausgaben entstehen.

          Mit dieser Einschränkung sollen fiskalisch unerwünschte Gestaltungen im Familienkreis verhindert werden. Ein Beispiel: Ein Familienmitglied, das beruflich oder unternehmerisch tätig ist, erhält einen Kredit von einem anderen Familienmitglied. Der Kreditnehmer setzt seine Zinsaufwendungen ab und reduziert damit sein Einkommen, das mit bis zu 45 Prozent Grenzsteuersatz belastet ist. Der Kreditgeber in der Familie versteuert hingegen die korrespondierenden privaten Zinseinnahmen nur mit 25 Prozent. Daraus resultiert eine Steuerersparnis für die Familie von bis zu 20 Prozent.

          Nicht allein aufgrund des Verwandschaftsvergältnisses ausschließen

          Bereits in mehreren Urteilen aus dem Jahr 2014 (VIII R 31/11, VIII R 9/13, VIII R 35/13, VIII R 44/13) hatte der Bundesfinanzhof (BFH) jedoch entschieden, dass die Anwendung des Abgeltungsteuersatzes nicht nur allein aufgrund eines Verwandtschaftsverhältnisses ausgeschlossen werden darf. Sogar zwischen Ehegatten will der BFH die Anerkennung von Darlehensbeziehungen nicht grundsätzlich ausschließen. Allerdings ist schädlich, wenn eine Situation vorliegt, in der auf eines der Familienmitglieder ein beherrschender oder außerhalb der Darlehensbeziehung begründeter Einfluss ausgeübt werden kann oder ein eigenes wirtschaftliches Interesse an der Erzielung der Einkünfte des anderen besteht. Nach jüngster Entscheidung des BFH sei dies beispielsweise der Fall, wenn ein Steuerpflichtiger seinem Ehepartner, der weder über regelmäßiges (Arbeits-)Einkommen noch größeres Vermögen verfügt, ein vollfinanzierendes Darlehen zur Anschaffung einer fremdvermieteten Immobilie gewährt (Urteil vom 28.Januar, Aktenzeichen: VIII R 8/14).

          Auf die hieraus erzielten Kapitalerträge hat der BFH die Anwendung des niedrigeren Abgeltungsteuertarifs ausgeschlossen und diese der normalen progressiven Einkommensteuer unterworfen. Der beherrschende Einfluss des Kreditgebers bestehe hier darin, dass dem Kreditnehmer mangels eigener finanzieller Mittel eine alternative Finanzierung, etwa über eine Bank, nicht möglich gewesen wäre.

          Sorgfältige Dokumentation und Abwicklung ist ratsam

          Die Finanzverwaltung hat mittlerweile ihre Auffassung an die BFH-Rechtsprechung angepasst und schließt auch bei Krediten unter Angehörigen die Anwendung des Abgeltungsteuersatzes nicht mehr grundsätzlich aus (BMF-Schreiben vom 9. Dezember 2014, Aktenzeichen IV C 1 – S 2252/08/10004 :015). Damit ergeben sich für die Anwendung des Abgeltungsteuersatzes bei Darlehen an nahestehende Personen folgende Voraussetzungen: erstens kein beherrschender Einfluss auf den Kreditnehmer oder eigenes wirtschaftliches Interesse und zweitens: Die Vereinbarung muss in jedem Einzelfall und während der gesamten Vertragsdauer nach Inhalt und Durchführung dem entsprechen, was fremde Dritte üblicherweise vereinbaren würden. Vergleichsmaßstab für Kredite wären grundsätzlich bankübliche Vertragsgestaltungen, insbesondere im Hinblick auf Laufzeit, Zinshöhe, Zinszahlungstermine, Beleihungswerte sowie Besicherung.

          Zwar hält der BFH dabei einzelne Abweichungen vom Bankenstandard für unschädlich. Zu raten ist jedoch eine sorgfältige Dokumentation und Abwicklung des Darlehensverhältnisses unter Einhaltung der von Finanzverwaltung und Gerichten gesteckten Grenzen. Nach der schriftlichen Fixierung der banküblichen Vertragskonditionen muss der Vertrag auch entsprechend umgesetzt werden. Denn unabhängig von den inhaltlichen Details eines Vertrages werden Verträge, die nicht wie vereinbart umgesetzt werden, schon ganz grundsätzlich nicht steuerlich anerkannt.

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