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Steuertipp : Beim Umzug ins Ausland die Steuer nicht vergessen

  • -Aktualisiert am

Wer ins Ausland umzieht, sollte seine Steuererklärung kritisch prüfen. Bild: ddp

Nicht nur mit verschwiegenen Auslandskonten lassen sich Steuern hinterziehen. Aber auch wer ins Ausland zieht, kann mit einer Steuerpflicht belegt werden, an die er gar nicht denkt.

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          Das Thema Steuerhinterziehung und Selbstanzeige erlebt derzeit eine erhebliche Präsenz in den Medien. Im Regelfall geht es hierbei um bewusst verschwiegene Auslandskonten oder -stiftungen. Eine Steuerhinterziehung kann aber auch vorliegen, wenn zunächst unbemerkt ein Steuertatbestand verwirklicht und nach Entdeckung durch den Steuerpflichtigen von einer Nachholung der Erklärung abgesehen wird.

          Dies ist insbesondere denkbar im Zusammenhang mit den Regelungen zur Wegzugsbesteuerung, die allzu häufig übersehen werden. Hält der Steuerpflichtige Anteile von mindestens 1 Prozent an einer Kapitalgesellschaft und zieht diese Person nach langjähriger Ansässigkeit in Deutschland ins Ausland, so gelten die Anteile als zum Verkehrswert verkauft und es wird eine Einkommensteuer auf den fiktiv erzielten Gewinn festgesetzt.

          In Fällen der Wohnsitzverlagerung innerhalb der EU wird diese Steuer zwar grundsätzlich zinslos bis zum Zeitpunkt einer tatsächlichen Anteilsveräußerung gestundet. Bei Wegzügen in Drittstaaten (wie Schweiz oder Vereinigte Staaten) ist die Wegzugssteuer hingegen im Grundsatz zur Zahlung fällig und kann nur im Härtefall verzinslich gestundet werden. Gerade vor dem Hintergrund der gestiegenen Mobilität und zunehmenden internationalen familiären Beziehungen in Unternehmerfamilien gilt es diese Regelungen zu beachten. Man stelle sich den Fall vor, dass sich der Inhaber des Familienunternehmens (GmbH) im Ausland zur Ruhe setzt oder das Unternehmen an der langen Leine im „Sunbelt“ dieser Erde führt.

          Ein weiteres Beispiel: Der Unternehmer hatte seinen Kindern im Wege der vorweggenommenen Erbfolge frühzeitig Aktien/Anteile des von ihm aufgebauten Familienunternehmens (AG/GmbH) geschenkt. Der Sohn ist später zum Studium nach Amerika gegangen und ist von diesem befristet geplanten Aufenthalt nicht zurückgekehrt, weil er in Amerika eine Arbeit annimmt und damit dort steuerpflichtig wird. Die Tochter, die sich künftig in der Geschäftsführung engagieren möchte, ist im Rahmen ihrer Ausbildung für einige Zeit in die Schweiz gegangen, um bei einem vergleichbaren Unternehmen als Assistentin der Geschäftsführung das nötige Rüstzeug zu erwerben. Ihre Wohnung in Deutschland hat sie untervermietet. In beiden Fällen stellt sich die Frage, ob und gegebenenfalls wann von einem (unbemerkten) Wegzug aus Deutschland auszugehen ist, der eine Wegzugsbesteuerung in Bezug auf die gehaltenen Aktien auszulösen vermag.

          Ausnahmen für Rückkehrer

          Da der neue Wohnsitz jeweils in einem Drittland liegt, wäre die auf den fiktiven Beteiligungsverkauf festzusetzende Steuer im Grundsatz sofort fällig. Abhilfe schaffen kann unter diesen Umständen häufig nur eine Rückkehr nach Deutschland innerhalb bestimmter Fristen und die Glaubhaftmachung, dass die Abwesenheit von vornherein nur vorübergehend geplant war. Insoweit enthält das Gesetz Ausnahmen für Rückkehrer. Idealerweise sollte jedoch versucht werden, das Auslösen der Wegzugsbesteuerung bereits im Vorfeld durch Planung und Umstrukturierung möglichst zu vermeiden.

          Unbeabsichtigte Steuerfolgen können sich in Wegzugsfällen auch bei Erbschaften und Schenkungen ergeben. So wird häufig übersehen, dass deutsche Staatsbürger nach einem Wegzug für fünf weitere Jahre unbeschränkt der deutschen Erbschaft- und Schenkungsteuer unterliegen; im Fall eines Wegzugs in die Vereinigten Staaten verlängert sich die Frist sogar auf zehn Jahre. In Bezug auf Amerika übersehen zudem viele, dass allein die amerikanische Staatsbürgerschaft oder Greencard mit einer unbeschränkten Einkommensteuerpflicht in Amerika einhergeht, die dort zu entsprechenden Steuererklärungspflichten führt, so dass nicht nur in Deutschland unbeabsichtigt steuerliche Pflichten verletzt werden können.

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