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Steuertipp : Alternative fürs Depot

  • -Aktualisiert am

Bild: Bengt Fosshag

Alternative Finanzanlagen und Fonds werden bei Anlegern immer beliebter. Die neuen, kürzlich in Kraft getretenen Vorschriften fallen nicht immer zugunsten der Anleger aus. Aber sie geben eine klare Leitlinie für die Besteuerung vor.

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          Voll beaufsichtigte offene Wertpapier- und Geldmarktfonds (sogenannte OGAW und vergleichbare Drittlandfonds), offene Immobilienfonds, Indexfonds und Exchange Traded Funds (ETF) gelten üblicherweise als „Investmentfonds“. Bei Investmentfonds muss der Anleger jährlich bestimmte Erträge des Fonds - auch wenn diese nicht ausgeschüttet werden - und bei Rückgabe oder Verkauf der Fondsanteile den darüber hinausgehenden Veräußerungsgewinn versteuern. Das hat den Nachteil, dass die Steuer zumindest zum Teil nicht bis zum Verkauf gestundet wird wie bei anderen Geldanlagen. Dem steht aber der Vorteil gegenüber, dass der Anleger Steuervorteile bei den zugrundeliegenden Erträgen des Fonds so geltend machen kann, als hätte er und nicht der Fonds die Erträge erzielt, zum Beispiel steuerfreie Immobilienerträge und eine Anrechnung ausländischer Quellensteuern.

          Private-Equity-Fonds, Venture-Capital-Fonds und geschlossene Immobilienfonds sind üblicherweise als „Investitionspersonengesellschaften“ einzustufen. Vor einer Investition sollte der Anleger hier um Bestätigung bitten, dass der Fonds dafür Sorge trägt, dass die erforderlichen einheitlichen und gesonderten Feststellungserklärungen durch den Fonds jedes Jahr zeitnah dem Anleger zur Verfügung gestellt und beim Feststellungsfinanzamt eingereicht werden. Nichts ist ärgerlicher, als vom Finanzamt selbst zur Abgabe einer solchen Feststellungerklärung aufgefordert zu werden oder jahrelang auf ausstehende Daten zu warten.

          Für Gold- und sonstige Edelmetallfonds, Commodity-Fonds und bestimmte nicht beaufsichtigte geschlossene Fonds, deren steuerliche Behandlung bisher umstritten war, gibt es eine erfreuliche Klarstellung. Handelt es sich bei diesen Fonds um ein Sondervermögen (üblich sind dabei die Rechtsformen des luxemburgischen FCP oder des schweizerischen Anlagefonds), so soll der Privatanleger ähnlich besteuert werden wie bei einer Investition in Aktien.

          Dies erreicht der Gesetzgeber durch eine Einstufung dieser bislang steuerlich umstrittenen Fonds als „Kapital-Investitionsgesellschaft.“ Damit findet eine Besteuerung beim Anleger grundsätzlich erst bei tatsächlicher (und nicht nur angenommener) Ausschüttung oder Veräußerung statt. Vorteil: Während der Haltedauer des Anlegers fallen in der Regel keine Steuern an, sofern der Fonds nicht bestimmte, eng definierte Kapitaleinkünfte erzielt.

          Die Einstufung als Kapital-Investitionsgesellschaft gilt neuerdings auch für bestimmte vom 24. Dezember 2013 an aufgelegte Fonds, die bislang als Investmentfonds eingestuft wurden. Beispiele hierfür sind Fonds, die aufgrund von hoher Fremdfinanzierung im Fonds besondere Risiken aufweisen und untechnisch auch als Hedgefonds bezeichnet werden, und bestimmte offene Fonds ohne Aufsicht des Heimatstaats. Wurden diese Fonds dagegen bereits vor dem 22. Juli 2013 aufgelegt, so gelten sie bis zum Ende des Fondsgeschäftsjahres, welches nach dem 22. Juli 2016 endet, weiterhin als Investmentfonds.

          Für Fonds, die vom 22. Juli 2013 an, aber vor dem 24. Dezember 2013 aufgelegt wurden, steht noch eine abschließende Klärung durch die Finanzverwaltung aus. Der Zeitpunkt der Fondsauflage kann damit bedeutsam sein.

          Bei Zertifikaten sollte sich nichts ändern, auch wenn dies umstritten ist. Das heißt, hier sollte eine Besteuerung weiterhin erst dann eintreten, wenn der Anleger das Zertifikat verkauft.

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