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Falle Steuersparmodell : Steuern sparen kann teuer werden

  • -Aktualisiert am

Mit Schiffsfonds wollten viele Anleger Steuern sparen. Das ging schief. Bild: Imago

Jeder Steuerzahler sucht Mittel und Wege, um seine Abgaben zu reduzieren. Steuersparmodelle sind allerdings selten eine gute Idee: Damit verlieren Anleger am Ende viel Geld.

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          Eines würden sich viele wünschen: Ihr Geld dadurch zu verdienen, dass sie die Hälfte von dem abbekommen, was andere erwirtschaften. So wie der deutsche Staat. Der greift von jedem Euro Einkommen eines Durchschnittsverdieners rund 50 Prozent ab, in Form von Steuern und Sozialabgaben. 49,4 Prozent, um genau zu sein, so hat es die OECD-Studie Taxing Wages ermittelt. Damit belegt die Bundesrepublik einen Spitzenplatz unter den Industrieländern. Nur Belgien greift mit 54 Prozent noch beherzter zu. Und wenn deutsche Sparer von der verbliebenen Hälfte einen Teil anlegen und damit Gewinne erzielen, sind noch einmal gut 25 Prozent der Erträge weg. Nachvollziehbar also, wenn Bürger versuchen, die hohen Abgaben irgendwie zu drücken.

          Man kann es einen Volkssport nennen oder eine fixe Idee. Manche nennen es auch einen menschlichen Urtrieb – den Steuerspartrieb nämlich. Gelegentlich staunen selbst Ökonomen darüber: „Steuervergünstigungen scheinen eine stärkere Wirkung zu haben als Subventionen mit gleichem Förderumfang“, so hat Finanzwissenschaftler Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung ermittelt. Er hat jahrelang zum Thema Steuern und Verteilungsgerechtigkeit geforscht und festgestellt: Wenn Anleger die gleiche Summe in Form von Subventionen angeboten bekommen, begeistern sie sich eher fürs Steuersparmodell. Den Staat auszubremsen, scheint das entscheidende Motiv zu sein.

          Dumm ist nur, dass die meisten Anleger dabei nicht nur den Fiskus um ein paar Steuereinnahmen bringen, sondern sich selbst oft um ihre gesamten Ersparnisse. Denn die meisten angepriesenen Steuersparmodelle für Kapitalanleger sind äußerst riskante Geschäfte, die mehr Geld vernichten, als sie den Käufern einbringen. Stattdessen könnte man das Kapital für einen guten Zweck spenden. Bringt auch keine Rendite – außer der moralischen – und lässt sich ebenfalls steuerlich absetzen.

          Große Versprechen, nichts dahinter

          Mahnende Beispiele für angeblich steuersparende Geldvernichtungsanlagen gibt es zuhauf, und die Mechanismen ähneln sich immer wieder. In den 1990er Jahren produzierte das Geschäft mit den Ostimmobilien einen Skandal. Im Bauboom nach der Wiedervereinigung verkauften Strukturvertriebe haufenweise Neubau- oder vermietete Eigentumswohnungen in ostdeutschen Städten. Das Versprechen war: Der Ostimmobilienmarkt befinde sich im großen Aufschwung, daher ließen sich bald hohe Mietsteigerungen erzielen. Noch lukrativer werde es, wenn der Käufer für den Wohnungskauf einen Kredit aufnehme. Dann könne er Kaufnebenkosten und Kreditzinsen als Anfangsverluste bei der Steuer geltend machen und damit die späteren Mieteinnahmen verrechnen. Das gilt bei Immobilienkäufen noch heute.

          Die Verkäufer versprachen, allein die Steuerrückzahlungen und Mieteinnahmen würden ausreichen, um die aufgenommenen Kredite zu tilgen. Rund 300.000 Anleger nahmen ihnen das ab. Tatsächlich aber warfen die Wohnungen sehr viel weniger Miete ab als gedacht, etliche standen nach kürzester Zeit sogar leer – weil viel zu viel gebaut worden war oder die Menschen vielerorts massenhaft wegzogen. Indes liefen die hohen Kreditraten weiter, und viele Anleger konnten sie nicht bedienen. Die Einzigen, die hohe Gewinne einstrichen, waren die Verkäufer, weil sie bei den Geschäften überzogene Provisionen einbehielten.

          Ganz ähnlich funktionierte die Geschichte mit den Schiffsfonds. Sie schlug besonders hohe Wellen, denn sie wurden jahrelang als „schwimmendes Sparbuch“ verkauft. Von „acht Prozent Zinsen“ war oft die Rede, zu „99 Prozent steuerfrei“. Auch hier lockten die Anbieter mit hohen Steuerabschreibungen in den Anfangsjahren, die sich mit den späteren Chartereinnahmen verrechnen lassen sollten. Nur blieben die Einnahmen weitgehend aus. Viele der 275.000 Sparer, die sich hatten ködern lassen, mussten sogar Geld nachschießen, um ihre Schiffe vor der drohenden Pleite zu retten. Unglaubliche 30 Milliarden Euro steckten sie in solche Anlagen – beziehungsweise versenkten sie. Denn 500 Schiffsfonds soffen ab. Der Grund: Das viele Anlegergeld hatte einen Schiffsbauboom entfacht, bei dem die Fondsanbieter immer neue Frachter kreditfinanziert zu Wasser ließen. Das ließ die Charterraten sinken, die Weltwirtschaftskrise 2008 tat ihr Übriges. Selbst wenn Containerschiffe heute nonstop unterwegs sind, verdienen sie kaum Geld.

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