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Neue Richtlinie : Krypto-Besteuerung wird verschärft

Münzen der Krypto-Währung Bitcoin Bild: dpa

Anleger sollten die Steuerpflicht auch für Krypto-Geschäfte ernst nehmen, warnt der Dienstleister Blockpit. Eine neue Richtlinie wird die Transparenz für den Fiskus deutlich erhöhen.

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          Um Krypto-Anlagen gibt es manche Legende. Eine davon ist, diese seien völlig anonym und daher nicht nachverfolgbar. Damit einher geht auch die Annahme, mit der Verfolgung der Steuerpflicht sei es nicht weit her. „In der Vergangenheit gab es technischen Nachholbedarf bei den Steuerbehörden. Deswegen wurde die Aufforderung zur Steuerzahlung im Krypto-Bereich nicht so stark verfolgt wie anderenorts“, sagt Florian Wimmer, Vorstandschef von Blockpit. Das österreichische Unternehmen ist auf Software zur Erstellung von Steuer- und Geldwäscheunterlagen für Blockchain-Anwendungen spezialisiert und hat private wie institutionelle Kunden in sechs Ländern.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wer aber glaubt, die Finanzbehörden hinkten noch lange Zeit hinterher, dürfte sich irren. Für das dritte Quartal hat die EU-Kommission im Rahmen des Aktionsplans für eine faire und gerechte Besteuerung eine Ausweitung des automatischen Informations­austauschs auf Krypto-Anlagen und E-Geld angekündigt. Unter dem Akronym DAC8 (also die achte Version der „Directive on Administrative Cooperation“) könnte dies bis Anfang 2023 umgesetzt sein.

          Es geht auch um die Vergangenheit

          Es geht um ein Milliardenvolumen an Steuern. Für Deutschland belief sich das Aufkommen nach einer Hochrechnung von Blockpit, dem Frankfurt School Blockchain Center und der Rechtsanwaltskanzlei Dr. Andres im Steuerjahr 2020 auf mindestens 1,28 Milliarden Euro. Mit DAC8 werde die Auskunftspflicht auf alle in der EU tätigen Finanzdienstleister ausgeweitet. Dabei solle der Austausch bis auf die Transaktionsebene herunter erfolgen. „Spätestens bei den Ein- und Auszahlungen werden Aktivitäten auffallen“, sagt Wimmer.

          International hat sich die Steuernachverfolgung verschärft. Die USA forderten schon 2018 erstmals von den Krypto-Börsen steuerrelevante Informationen an, Europa wird folgen. Die Ausweitung der Registrierungspflichten für Finanzdienstleister sei der erste Schritt gewesen, meint Wimmer. Gerade in Deutschland sollten Anleger vorsichtig sein. Das Bundesfinanzministerium arbeite derzeit eine detaillierte Richtlinie zur Versteuerung der Einnahmen aus Staking und Mining aus, also aus der Herstellung von Coins und der Bestätigung von Transaktionen.

          Nicht zu blauäugig sein

          Auch in anderer Beziehung sollten Krypto-Anleger nicht zu blauäugig sein, warnt Wimmer. Denn bei einer Verjährungsfrist von bis zu zehn Jahren seien auch frühere Transaktionen weiter steuerpflichtig. Grundsätzlich gelten Erträge aus dem Krypto-Handel in Deutschland und Österreich als Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften. Diese sind dann steuerpflichtig, wenn zwischen Kauf und Verkauf weniger als ein Jahr vergangen ist.

          Dabei gilt die Fifo(„First-in-first-out“)-Methode: Bei identischen Werten wird unterstellt, dass die zuerst erworbenen auch als Erste verkauft wurden. Es sei auch nicht auszuschließen, dass für Krypto-Anlagen, die für das Staking genutzt werden, die Spekulationsfrist auf zehn Jahre erhöht werde, weil diese Werte laufende Erträge erbringen. „Die EU-Richtlinie wird faktisch eine De-Anonymisierung der Wallets bringen“, sagt Wimmer. „Das nächste Level der Steuerverfolgung wird sein, dass der Krypto-Handel bei Einstieg über jede regulierte Börse aufgrund der verpflichtenden Identitätsfeststellungen durch die Finanzdienstleister vollständig nachverfolgbar sein wird.“

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