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Steuertipp : Arbeit im Home-Office

  • -Aktualisiert am

Immer mehr Menschen arbeiten von zuhause aus. Bild: dpa

Unter bestimmten Voraussetzungen können Arbeitnehmer ihre Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer als Werbungskosten steuerlich geltend machen. Entweder bis zu einem Betrag von maximal 1250 Euro im Jahr oder sogar in unbegrenzter Höhe.

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          Ein häusliches Arbeitszimmer liegt grundsätzlich dann vor, wenn in einem Arbeitsraum vorwiegend gedankliche, schriftliche, verwaltungstechnische oder organisatorische Tätigkeiten erledigt werden, sprich: wenn dort beruflich gearbeitet wird und das Zimmer in Funktion, Lage und Ausstattung in die häusliche Sphäre eingebunden ist. Die Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer sind nur dann in unbegrenzter Höhe abziehbar, wenn das häusliche Arbeitszimmer Mittelpunkt der gesamten betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit ist. Ist dies nicht der Fall, kommt es darauf an, ob dem Arbeitnehmer ein „anderer Arbeitsplatz zur Verfügung“ steht.

          Was aber ist ein „anderer Arbeitsplatz“? Das ist grundsätzlich jeder Arbeitsplatz, an dem eine Bürotätigkeit erledigt werden kann, also die Dienststelle oder ein Arbeitsplatz in den Räumen des Arbeitgebers. Ist ein solcher „anderer Arbeitsplatz“ vorhanden, so ist grundsätzlich kein Werbungskostenabzug möglich. Hat der Arbeitnehmer keinen anderen Arbeitsplatz zur Verfügung, aber das häusliche Arbeitszimmer stellt nicht den Mittelpunkt der gesamten Tätigkeit dar, ist eine Berücksichtigung auf 1250 Euro begrenzt.

          Doch wie sieht dies bei einem sogenannten „Telearbeitsplatz“ aus? Beispielsweise, wenn der Arbeitnehmer mit dem Arbeitgeber vertraglich vereinbart hat, an zwei Tagen in der Woche vom häuslichen Telearbeitsplatz aus und die restlichen drei Tage im Betrieb zu arbeiten? In diesem Fall kommt es darauf an, ob es dem Arbeitnehmer untersagt ist, während der vertraglich vereinbarten Telearbeitszeit seinen Arbeitsplatz im Betrieb zu nutzen. Besteht ein Verbot oder bestätigt der Arbeitgeber, dass der betriebliche Arbeitsplatz während dieser Zeit nicht zur Verfügung steht, kann der Steuerzahler Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer bis zu 1250 Euro als Werbungskosten geltend machen.

          Finanzamt mit aussagekräftiger Dokumentation überzeugen

          Könnte der Arbeitnehmer seinen dienstlichen Arbeitsplatz auch an den Telearbeitstagen nutzen, so läge ein „anderer Arbeitsplatz“ vor. Daraus folgt nach der aktuellen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs, dass kein Werbungskostenabzug möglich ist (BFH-Urteil vom 26. Februar 2014, VI R 40/12).

          Zugunsten des Steuerpflichtigen hat der BFH in einem weiteren Urteil über den Werbungskostenabzug bei einem „Poolarbeitsplatz“ entschieden (BFH-Urteil vom 26. Februar 2014, VI R 37/13). Bei einem Poolarbeitsplatz teilen sich grundsätzlich mehrere Arbeitnehmer eine begrenzte Zahl von Arbeitsplätzen. Sind also die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer abziehbar, wenn dem Arbeitnehmer lediglich ein „Poolarbeitsplatz“ zur Verfügung steht?

          Dem Urteil zufolge stellt sich die Frage, ob der Arbeitnehmer seine Arbeit in dem konkret erforderlichen Umfang am Poolarbeitsplatz erledigen könnte und ob eine ausreichende Anzahl an Poolarbeitsplätzen zur Verfügung gestellt wird. Ist das der Fall, werden laut Bundesfinanzhof prinzipiell keine Werbungskosten für ein häusliches Arbeitszimmer anerkannt. Ist aber der Arbeitnehmer mangels ausreichender Poolarbeitsplätze gezwungen, einen Teil seiner Arbeit daheim zu erledigen, so sind Werbungskosten bis zum Höchstbetrag von 1250 Euro grundsätzlich anzuerkennen.

          Der Erfolg oder Misserfolg für den Werbungskostenabzug hängt damit an den jeweiligen Details des Dienstverhältnisses. Den Arbeitnehmern ist zu raten, für eine aussagekräftige Dokumentation zu sorgen, um das Finanzamt zu überzeugen. Und bei Ablehnung Einspruch einzulegen.

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