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Steuerklassen : Gleichberechtigung vor dem Fiskus

Die meisten Ehen laufen nicht immer harmonisch. Eins der größten Streitthemen: die gemeinsamen Finanzen. Bild: dpa

Gemeinsame Finanzen gehören zu den Top-Beziehungskillern: Viele Ehepaare wählen die Steuerklassenkombination III und V, die gerade für die Frau zum Problem werden kann. Dabei geht es anders.

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          Streit kommt in den besten Beziehungen vor. Egal ob Haushalt, Erziehung der Kinder oder Schwiegereltern – Themen gibt es genug. Mit vorne dabei unter den Top-Beziehungskillern ist auch immer die Diskussion um die gemeinsamen Finanzen. „Ich schaff mühsam das Geld heran, du gibst es nur aus“, ist dabei ein Klassiker unter den Vorwürfen. Vor allem, wenn ein Partner für die Kindererziehung zu Hause bleibt und deswegen gar nichts oder durch Teilzeitarbeit weniger verdient. In den meisten Fällen sind das immer noch die Frauen.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Verschärft wird das Problem noch bei verheirateten Ehepaaren. Für sie hat das Steuerrecht noch einen weiteren Streitbeschleuniger eingebaut. Denn die meisten Ehepaare wählen die Steuerklassenkombination III und V, weil sie für das Paar insgesamt das höchste Nettoeinkommen im Monat garantiert. Der Hauptverdiener wählt in der Regel Klasse III und wird mit sehr geringer Steuerbelastung beglückt. Denn von seinem Bruttogehalt werden nicht nur die steuerlichen Freibeträge abgezogen, die für ihn gelten, sondern auch einige seines Partners, zum Beispiel das steuerfreie Existenzminimum von 9000 Euro. Auch den Steuervorteil, der Eheleuten eingeräumt wird (Ehegattensplitting), erhält der Hauptverdiener. Er bekommt dadurch besonders viel Netto vom Brutto. Die Kehrseite spürt der Partner, der weniger verdient und daher Klasse V wählt. Er muss von seinem geringeren Brutto auch noch besonders viele Steuern zahlen, weil die Freibeträge der Partner in Anspruch genommen hat. Da bleibt am Ende auf dem Gehaltszettel oft nur wenig Geld übrig.

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