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Steuerfreie Sachbezüge : Kreditkarten für Angestellte in Gefahr

  • -Aktualisiert am

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Viele Unternehmen nutzen Kreditkarten auf Guthabenbasis, um Mitarbeitern steuerfreie Zuschüsse zu gewähren. Einer beliebten Spielart dieses Instruments droht nun das Ende.

          2 Min.

          Sie stecken in den Portemonnaies zahlreicher Angestellter: Kreditkarten auf Guthabenbasis, die Unternehmen monatlich mit Geld aufladen, um ihren Mitarbeitern steuerfreie Sachbezüge zukommen zu lassen – etwa in Form von Zuschüssen für das Mittagessen.

          Mark Fehr
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bleiben solche Zuschüsse unter der Grenze von 44 Euro je Monat und gewährt das Unternehmen diese zusätzlich zum Lohn oder Gehalt, müssen keine Lohnsteuern und Sozialbeiträge davon abgezogen und an das Finanzamt überwiesen werden. Das seit Anfang des Jahres geltende Jahressteuergesetz 2019 schränkt jedoch die bisherige Praxis stark ein.

          Viele der für steuerfreie Sachbezüge eingesetzten Kreditkarten können nahezu unbegrenzt an allen Akzeptanzstellen in Supermärkten, Kaufhäusern oder Restaurants und sogar international eingesetzt werden. Das Gesetz dagegen gewährt das Steuerprivileg nur noch für Karten mit begrenzter Einsatzmöglichkeit. Danach dürfen die Karten nicht für eine unbestimmte Anzahl von Produkten und Dienstleistungen mit zusammengenommen beträchtlichen Zahlungsvolumina eingesetzt werden.

          Abschaffung durch die Hintertür?

          Der Finanzpolitiker Markus Herbrand (FDP) fürchtet daher eine Abschaffung durch die Hintertür mit starken Einschränkungen für Unternehmen und deren Mitarbeiter. Auch kommunale Arbeitgeber wären betroffen. „Nach jetzigem Stand hätte die Neuregelung deutliche Auswirkungen auf die 44-Euro-Gutscheinkarten, weil künftig zahlreiche Varianten nicht mehr unter die steuerrechtliche Freigrenze fallen würden“, sagte Herbrand der F.A.Z. Er setzt seine Hoffnung nun auf ein in Arbeit befindliches Schreiben des Bundesfinanzministeriums, das Detailfragen für die Finanzämter regeln soll. Wann dieses BMF-Schreiben vorliegt und wie es die Gesetze auslegt, ist noch offen.

          Auch der Gewerbeverband DIHK, die Vertretung der Industrie- und Handelskammern, beobachtet die Entwicklung. „Es wird noch viele Varianten von Gutscheinkarten geben, die Unternehmen und Arbeitnehmer einsetzen können, ohne das Steuerprivileg zu verlieren“, sagt Daniela Karbe-Geßler, Juristin beim DIHK. Das Jahressteuergesetz 2019 stelle allerdings bei der Regelung zu den 44-Euro-Karten auf das Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz ab, das den Umgang mit Bezahlkarten im Rahmen der Bankenaufsicht regelt. Danach muss die Möglichkeit des Karteneinsatzes auf wenige Akzeptanzstellen begrenzt werden. Gewährleistet sei das etwa bei Tankgutscheinen oder bei Gutscheinen, die für eine bestimmte Kette oder in einem lokalen Einkaufszentrum eingesetzt werden können.

          Eine weltweit einsetzbare Karte dagegen dürfte nach Ansicht von Karbe-Geßler nicht eng genug abgegrenzt sein und könnte das Steuerprivileg verlieren. „Genaues lässt sich aber erst sagen, wenn das BMF-Schreiben mit den Details vorliegt“, sagt die Expertin.

          Der Trost für viele Unternehmen, Angestellte und nicht zuletzt die Kartenindustrie besteht darin, dass eng abgegrenzte Gutscheinkarten das Steuerprivileg trotz der Gesetzesänderung behalten haben. Insgesamt nutzen 6 Millionen Arbeitnehmer Prepaidkarten. Bald werden es wohl weniger sein.

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