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Abgeschafftes Privileg : Steuererhöhung für Fondssparer

Der ehemalige Finanzminister Wolfgang Schäuble hat ein Versprechen gebrochen: Fondssparern drohen höhere Steuern. Bild: dpa

Fonds werden bald stärker besteuert. Hunderttausende Anleger sind betroffen. Für Sparer kann das ganz schön teuer werden.

          Keine Steuererhöhung - das hatte die bisherige Bundesregierung versprochen und weitgehend eingehalten. Mit einer Ausnahme: Fondssparern drohen höhere Steuern und damit der Bruch eines Versprechens aus dem Jahr 2008, dem letzten Jahr vor Einführung der Abgeltungsteuer. Kursgewinne von vor 2009 gekauften Fonds sollten ewig steuerfrei bleiben. Dieses Privileg wird nun abgeschafft. Hunderttausende Anleger sind betroffen. Und wissen vermutlich vom drohenden Unheil noch nicht einmal etwas.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Hintergrund ist ein Gesetz des früheren Finanzministers Wolfgang Schäuble, das im Januar in Kraft tritt. Es stellt die bisherige Fondsbesteuerung auf den Kopf und gilt teilweise auch für fondsgebundene Lebensversicherungen, nicht aber für Riester- und Rürup-Fonds. Die Reform war nötig geworden, weil die EU festgestellt hat, dass ausländische Fonds in Deutschland gegenüber heimischen Fonds benachteiligt werden. Sie mussten in Deutschland Steuern zahlen, die deutschen Konkurrenten nicht. Die neuen Regeln beseitigen diese Ungleichbehandlung - und die Steuerfreiheit für „Altfonds“ gleich mit, was die EU aber gar nicht verlangt hatte. Glücklicherweise gibt es ein paar Tricks, wie man die nahende Steuerlast mindern kann.

          Dazu muss man zunächst wissen, was sich 2018 ändert: Künftig müssen auch die deutschen Fonds auf laufende Erträge Steuern bezahlen. Sie werden dadurch weniger ausschütten. Als Ausgleich müssen die Anleger nur noch einen Teil ihrer Erträge versteuern. Wie viel, das hängt vom Fonds ab. Bei Aktienfonds (wenn sie mindestens 51 Prozent Aktien halten) sind 30 Prozent steuerfrei, bei Mischfonds (mindestens 25 Prozent Aktien) 15 Prozent. Bei Immobilienfonds (Immobilienanteil mindestens 51 Prozent) sind 60 Prozent steuerfrei oder 80 Prozent, wenn sie im Ausland investieren. Was nach einem Förderprogramm für Immobilienfonds aussieht, gleicht aber nur die deutlich höhere Besteuerung dieser Fonds auf Ebene der Gesellschaften aus. Für Zinsen und Kursgewinne von Wertpapieren müssen die Fonds weiter keine Steuern zahlen und daher die Anleger alle Erträge voll versteuern. Für Anleihefonds erhalten Anleger daher keine teilweise Steuerfreiheit.

          Banken führen die Steuer automatisch ab

          Der Anleger muss sich das alles nicht selbst ausrechnen. Die Banken führen die Steuer automatisch ab. Die Reform vereinfacht das Leben der Fondssparer sogar ein bisschen, zumindest für die, die einen ausländischen Fonds gekauft haben, zum Beispiel aus Luxemburg, Irland oder Frankreich. Das erkennt man an der Isin-Nummer der Fonds, die dann mit LU, IE oder FR beginnt im Gegensatz zu deutschen Fonds mit DE. Wenn solche ausländischen Fonds ihre Erträge wieder anlegen (thesaurieren), also nicht ausschütten, mussten die Anleger diese Erträge bislang selbst in der Einkommensteuererklärung eintragen. Das ist mühsam, und viele wussten das auch gar nicht. Damit machten sie sich der Steuerhinterziehung schuldig. Künftig übernimmt die Bank die Arbeit.

          Die Reform könnte auch zur Folge haben, dass einige Fonds versuchen, mindestens 51 Prozent Aktien zu halten, um eine teilweise Steuerfreiheit zu erreichen. Die Reform schafft aber auch Ungerechtigkeiten. "Erträge aus Mischfonds, die flexibel zwischen 0 und 100 Prozent Aktien halten dürfen, sind voll zu versteuern", sagt Andreas Patzner, Partner und Steuerrechtler bei KPMG. "Das gilt auch für swap-basierte ETF." Er meint damit Indexfonds, die einen Aktienindex nicht durch den Kauf von Aktien, sondern künstlich mit Derivaten abbilden. Die gelten nach dem neuen Gesetz nicht als Aktienfonds, obwohl sie das natürlich faktisch sind. Anleger sollten daher überlegen, ob sie nicht stattdessen einen ETF kaufen, der auch wirklich Aktien kauft und so die Steuerfreiheit von 30 Prozent erhält (physisch replizierende Fonds). Details dazu stehen im Fondsprospekt. „Steuerlich benachteiligt sind künftig auch Fonds, die auf Aktien mit hohen Dividenden setzen“, sagt Patzner.

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