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Steuertipp : Sprachreisen absetzen

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          1 Min.

          Private Annehmlichkeiten und beruflich Sinnvolles miteinander verknüpfen - wer möchte das nicht? Doch manchmal hat das Finanzamt etwas dagegen. Zum Beispiel beim Sprachkurs im Ausland. Da wittert es gerne eine verkappte Urlaubsreise zu Lasten des Fiskus und verweigert den steuerlichen Abzug der Kosten. Was auch nicht so ganz von der Hand zu weisen ist, denkt man an touristisch so attraktive und weit entfernte Kursorte wie New York oder Kapstadt.

          Seitdem der Bundesfinanzhof das Alles-oder-nichts-Prinzip aufgegeben hat, kann das Finanzamt nicht einfach den steuerlichen Abzug im Ganzen zurückweisen, wie der Bundesfinanzhof aktuell bestätigt (BFH-Urteil vom 24.2.2011, VI R 12/10). Danach muss das Finanzamt nun den beruflichen Vorteil anerkennen. Voraussetzung ist, dass ein solcher Vorteil besteht.

          Fiskus muss Kursgebühren in voller Höhe als Werbungskosten anerkennen

          Der BFH lässt hier Milde walten. Ihm genügt dafür bereits die Vermittlung von Grundkenntnissen oder allgemeinen Kenntnissen in einer Fremdsprache, wenn diese für die konkrete berufliche Tätigkeit des Kursteilnehmers ausreichen. Ist das der Fall, muss der Fiskus zumindest die Kursgebühren in voller Höhe als Werbungskosten anerkennen.

          Bei den Reisekosten, etwa Flug- und Hotelkosten, wird es etwas komplizierter. Hier muss sich der fortbildungshungrige Steuerzahler ein maßgebliches privates Interesse anrechnen lassen, das den Ausschlag für die Wahl des Kursorts gegeben hat. Denn diese Kosten sind nur zum Teil beruflich begründet und daher auch nur zum Teil steuerlich abzusetzen. Doch hier gibt es eine Veränderung: Wurden bisher die Kosten grundsätzlich nach dem Verhältnis der beruflichen und privaten Zeitanteile der Reise aufgeteilt, lässt der BFH nun auch andere Aufteilungsmaßstäbe zu. Im konkreten Fall sahen es die Bundesrichter als vertretbar an, die Reisekosten eines Sprachkurses in Südafrika einfach hälftig aufzuteilen, sofern weder das Finanzamt noch der Steuerpflichtige eine andere Aufteilung plausibel machen können.

          Für den Steuerbürger heißt das: Ehe er seine Steuererklärung erstellt, sollte er sich die Belege seines Auslandssprachkurses noch einmal vornehmen und über eine plausible Aufteilung nachdenken, um keine Steuererstattung zu verschenken. Und für künftige Planungen gilt: Es muss nicht die Sprachschule um die Ecke sein. Man darf auch touristisch attraktive und weiter entfernte Kursorte wählen - das Steuerrecht will dem "Pauken unter Palmen" nicht im Wege stehen.

          Die Autorin ist Partner und Steuerberaterin bei Ernst & Young.

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