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Wie Anleger Altverluste nutzen (5) : Eheleuten kann der Freistellungsauftrag schaden

Bild: © Fotosearch Illustration/Corbis

Die Depotbank muss Gewinne aus dem Verkauf von Aktien mit laufenden Verlusten des Ehegatten verrechnen. Es kann sich lohnen, den gemeinsamen Freistellungsauftrag zu widerrufen.

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          Nachdem wir unseren Altbestand in ein neues Depot ausgelagert haben, finden wir in unserem Depot hinreichend Aktien, die ab 2009 gekauft wurden und im Gewinn sind. Wenn wir sie ab 2014 verkaufen, sind die auf den Veräußerungsgewinn fälligen 25 Prozent Abgeltungsteuer verloren. Wenn wir dagegen noch in diesem Jahr verkaufen und unser Altverlustpolster nutzen, können wir uns die von der Bank abgeführte Steuer über die Steuererklärung zurückholen.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für Steuerpflichtige, die über Wertpapiergewinne in diesem Jahr nicht verfügen und Gesellschafter einer GmbH sind, haben sich Steuerberater etwas Besonderes ausgedacht. Sie könnten bis Jahresende Dividendenscheine gestalten und an ihren Ehepartner oder Freunde veräußern, um einen Gewinn und damit eine Verrechnungsmöglichkeit mit Altverlusten herzustellen. Auch für normale Anleger gibt es eine Strategie, bis Jahresende noch „sichere“ Gewinne zu schaffen (siehe Kasten).

          Auf Verkaufsreihenfolge achten

          Doch zunächst sollte man sicherstellen, dass die richtigen Aktien verkauft werden und die Bank den Veräußerungsgewinn nicht mit ab 2009 aufgelaufenen Verlusten verrechnen muss. Um die Anschaffungs- und damit auch die Verkaufsreihenfolge bei Aktien, die in mehreren Schritten erworben wurden, zu gestalten („Fifo-Verfahren“), haben wir das Depot in Alt- und Neubestand geteilt.

          Wer laufende Verluste ab 2009 gemacht hat, sollte zudem seine ab 2009 gekauften Gewinneraktien in ein neues Depot bei einer anderen Bank verschieben. Denn anders als beim Fifo-Verfahren, das für jedes Depot separat angewandt wird, muss die Bank für jeden Kunden über Depotgrenzen hinweg die Verluste verrechnen.

          Verkäufe prüfen

          Doch wir haben genügend Verluste mit Aktien vom Neuen Markt gemacht. Der Ärger darüber wird nie verrauchen, aber immerhin haben wir die Verluste innerhalb eines Jahres durch den Verkauf der Wertpapiere realisiert und es zudem nicht versäumt, diese „Spekulationsverluste“ in der Zeit vor der Abgeltungsteuer dem Fiskus zu melden. Das Finanzamt hat uns in einem Verlustfeststellungsbescheid Spekulationsverluste mit Wertpapieren und Immobilien bescheinigt.

          Diese Altverluste können wir nur noch in diesem Jahr mit ab 2009 gekauften Wertpapieren und deren Veräußerungsgewinnen verrechnen. Deshalb können Anleger auch Zertifikate, Optionsscheine oder Anleihen prüfen, ob dort ein Gewinn aufgelaufen ist, der einen steuerlich motivierten Verkauf auch nach Transaktionsgebühren rechtfertigt.

          Umwege für Eheleute

          Als weitere Hürde bis zum Ziel, möglichst viel vom Veräußerungsgewinn für die Verrechnung mit Altverlusten zur Verfügung zu haben, stehen die Verrechnungstöpfe für laufende Gewinne und Verluste mit Aktienveräußerungen und mit sonstigen Wertpapieren und der Freistellungsauftrag im Weg. Allerdings ist es nicht sinnvoll, den Freistellungsauftrag (801 Euro je Steuerpflichtigem) zu widerrufen, selbst wenn er in diesem Jahr nicht durch Zinsen und Dividenden ausgeschöpft wäre. Denn steuerfrei Gewinne kassieren ist mindestens so gut, wie Gewinne zunächst der Steuer zu unterwerfen, sie dann mit Altverlusten zu verrechnen und sich über diesen Umweg die Steuern zurückzuholen.

          Doch Ehegatten, die ihrer Bank einen gemeinsamen Freistellungsauftrag erteilt haben, sollten genauer hinsehen. Denn ein gemeinsamer Freistellungsauftrag zwingt die Bank, Verluste des einen Ehegatten mit den Gewinnen des anderen zu verrechnen. „Unter Umständen lohnt es sich für Ehegatten, auf den gemeinsamen Freistellungsauftrag bei der Bank zu verzichten“, sagt Martin Weger, Partner der Kanzlei Kaye Scholer in Frankfurt. Denn die laufenden Verluste des einen sind die laufenden Verluste des anderen. Die Bank muss zuerst auf die laufenden Verluste jedes Ehegatten zugreifen, wenn ein Veräußerungsgewinn entsteht.

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