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Wie Anleger Altverluste nutzen (4) : Gewinneraktien vor laufenden Verlusten schützen

Bild: REUTERS

Wer ab 2009 mit Verkäufen von Wertpapieren Verluste erzielt hat, muss aufpassen. Die depotführende Bank zieht diesen Verlusttopf sogleich zur Verrechnung mit Veräußerungsgewinnen heran. Dies lässt sich nur durch eine Depotübertragung an eine andere Bank verhindern.

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          Wir kommen unserem Ziel näher, vor dem Wegfall von Verrechnungsmöglichkeiten zum Jahresende noch unsere alten Spekulationsverluste zu nutzen. Dafür haben wir die größten Gewinneraktien in unserem Wertpapierdepot mit den ab 2009 gekauften Aktien identifiziert und prüfen nun ihren steuerlich motivierten Verkauf. Doch eine Klippe müssen wir noch überwinden:

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Unsere Depot führende Sparkasse ist vom Gesetzgeber angewiesen, einen Veräußerungsgewinn mit seit 2009 erworbenen Aktien automatisch mit seit 2009 angefallenen Verlusten aus Wertpapiertransaktionen zu verrechnen. Weil dann die Verrechnung mit Altverlusten nicht mehr funktioniert, gilt es, die Verrechnung mit laufenden Verlusten in diesem Jahr zu unterbinden, und wir zeigen im Selbstversuch, mit welchem Kniff das möglich ist.

          Bewusstsein muss geschärft werden

          Doch zunächst muss das Bewusstsein für steuerlich relevante Verluste geschärft werden: Manche Anleger ahnen vielleicht gar nicht, dass sich in ihren Verlusttöpfen bei der Bank überhaupt etwas angesammelt hat. Als etwa griechische Staatsanleihen im März 2012 im Nennwert gekürzt und umgetauscht wurden, zählte dieser Schuldenschnitt als Verkauf. Der Veräußerungsverlust ist dann steuerlich relevant, wenn die griechischen Staatsanleihen nach 2008 gekauft wurden. Dieser Verlust steckt - sofern es zwischenzeitlich keine Gewinne zum Gegenrechnen gab - noch im Verrechnungstopf „Sonstige“ und kann unser Ziel erschweren.

          Dies liegt an der zum Jahresbeginn 2009 in Deutschland eingeführten Abgeltungsteuer. Zuvor waren Wertpapierverkäufe steuerlich irrelevant, sobald etwa bei Aktien und Anleihen ein Jahr nach dem Kauf verstrichen war. Seither aber wird auf den Veräußerungsgewinn aller Wertpapiere, die ab 2009 erworben wurden, von der Bank 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer abgeführt. Das ist aber noch nicht alles: Die Banken sind seit 2009 vom Gesetzgeber angewiesen, für jeden Kunden auch über Depotgrenzen hinweg mehrere Verlustverrechnungstöpfe zu führen. Das heißt: Die Depotteilung bei derselben Bank reicht nicht aus, um die Verrechnung der Verlusttöpfe mit Veräußerungsgewinnen zu verhindern.

          Wie Verrechnungstöpfe die Abgeltungssteuer reduzieren
          Wie Verrechnungstöpfe die Abgeltungssteuer reduzieren : Bild: F.A.Z.

          Vor allem zwei Verrechnungstöpfe sind wichtig (siehe Grafik). Im Verrechnungstopf Aktien stecken die Verluste aus Veräußerungsgeschäften mit seit 2009 gekauften Aktien. Die Veräußerungsverluste mit diesen Aktien können nur verbraucht werden durch Veräußerungsgewinne mit ab 2009 gekauften Aktien. Gewinne mit Aktien aber werden auch mit anderen Verlusten verrechnet, etwa mit Verlusten im Verrechnungstopf Sonstige. Dieser wird zusätzlich auch gefüllt durch Dividenden und Zinsen und wird verringert durch Veräußerungsverluste mit ab 2009 gekauften Wertpapieren (außer Aktien). Verluste am Jahresende verfallen nicht, sondern werden ins Folgejahr vorgetragen. Nur wenn der Anleger bis 15. Dezember einen Antrag stellt, erhält er eine sogenannte Verlustbescheinigung, die er dann beim Finanzamt einreichen kann und muss. Damit wird aber auf Bankebene der Verlustvortrag aufgebraucht. Dies ist nur sinnvoll, wenn der Steuerpflichtige Veräußerungsgewinne bei anderen Banken hat, die er über seine Steuererklärung verrechnen möchte.

          Depot teilen

          2013 aber wollen Anleger mit Altverlusten zunächst diese nutzen und werden daher in der Regel auf das Ausstellen einer Verlustbescheinigung verzichten wollen. Denn diese vom Fiskus - und nicht von der Bank - in den Jahren vor der Abgeltungsteuer in Steuerbescheiden festgestellten Altverluste mit Wertpapieren und Immobilien können Anleger nur noch in diesem Jahr mit Gewinnen aus Wertpapieren verrechnen. Dafür müssten Aktien, Fonds und sonstige Wertpapiere, die ab 2009 gekauft wurden, bis Jahresende 2013 mit Gewinn verkauft werden.

          Damit nicht Aktien verkauft werden, die vor 2009 gekauft wurden, sollten Anleger ihr Depot teilen. Im alten Depot bleiben die ab 2009 neu gekauften Aktien, denn nur deren Verkauf ist steuerlich relevant. Diese Depottrennung ist vor allem dann wichtig, wenn Aktien desselben Unternehmens in mehreren Schritten erworben wurden und nun nur teilweise verkauft werden. Wie man hier den Durchblick bewahrt (durchschnittliche Anschaffungskosten, Dividende bei Telekom und Post, Vorsicht vor Verkauf mit Osram) haben wir in früheren Beiträgen gezeigt. Grundsätzlich ermittelt die Bank den steuerlich relevanten Veräußerungsgewinn als Differenz aus Verkaufspreis und Originalanschaffungskosten.

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