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Wie Anleger Altverluste nutzen (3) : Überraschender Steuereffekt beim Verkauf von Aktien

Bild: Corbis

Der steuerlich relevante Veräußerungsgewinn mit Telekom-, Post- und Siemens-Aktien ist höher als gedacht. Dagegen fällt bei Osram trotz der hohen Kursgewinne mit Verkauf ein steuerlicher Verlust an.

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          Anleger, die vom Fiskus festgestellte Verluste mit Wertpapieren und Immobilien aus der Zeit vor der Abgeltungsteuer haben, sollten sich sputen. Nur noch bis Jahresende 2013 können sie diese Altverluste mit Veräußerungsgewinnen von Aktien, Fonds und sonstigen Wertpapieren verrechnen, die sie nach 2008 gekauft haben.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Um einen Überblick zu gewinnen, welche Wertpapiere vor und welche ab 2009 angeschafft wurde, und um die Anschaffungshistorie zum Vorteil des Steuerpflichtigen zu gestalten, sollte das Depot in zwei Depots mit Alt- und Neubestand geteilt werden. Welche Klippen dabei umschifft werden müssen, wenn die Depotteilung jetzt noch veranlasst wird, haben wir im vorherigen Serienbeitrag beschrieben. Nun geht es im Selbstversuch daran, die Gewinneraktien im Neubestand zu identifizieren, die für einen steuerlich motivierten Verkauf bis Jahresende in Frage kommen.

          Vorsicht Fifo

          Dabei ruft die Depotbuchungspraxis der Banken bei der Telekom und der Post, bei Siemens nach der Abspaltung von Osram und auch bei Unternehmen mit Kapitalerhöhungen wie der Commerzbank Überraschungen hervor. Doch selbst Anleger, die derartige Aktien nicht im Depot haben, sollten noch den nächsten Serienbeitrag abwarten, bis sie mit steuerlich motivierten Verkäufen ihrer größten Gewinner im Neubestand beginnen.

          Denn die Gewinne bei Aktienveräußerung werden von der Bank zunächst mit den laufenden Verlusten verrechnet, was in diesem Jahr ein Nachteil für Anleger sein kann. Schließlich können dann diese Veräußerungsgewinne vom Steuerpflichtigen in der Steuererklärung nicht mehr mit den Altverlusten verrechnet werden. Aber auch dagegen gibt es einen Ausweg.

          Zunächst werfen wir in diesem Beitrag einen Blick auf die Gewinneraktien im alten Depot, in dem bei den meisten Banken der ab 2009 gekaufte Neubestand steckt. Die Depotwertübersichten der meisten Banken sind oft irreführend. Denn sie weisen bei Aktien, die in mehreren Schritten erworben wurden, in der Regel die Durchschnittskurse aus. Kommt es nun zum teilweisen Verkauf, wird der Veräußerungsgewinn nach dem im vorherigen Beitrag erläuterten Fifo-Verfahren ermittelt, das heißt, kurz zusammengefasst: Angenommen wird, dass die zuerst gekauften Aktien zu ihrem tatsächlichen Anschaffungswert als Erste verkauft werden (Fifo steht für: „first in first out“).

          Demnach berechnet die Bank den Veräußerungsgewinn aus dem aktuellen Kurs abzüglich des tatsächlichen Anschaffungswertes jeder Aktie und zieht davon im Auftrag des Fiskus 25 Prozent Abgeltungsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer ab. Diese Steuer kann sich der Anleger über seine Steuererklärung zurückholen, wenn er Altverluste hat, die er mit den Veräußerungsgewinnen verrechnet.

          Vorsicht bei steuerfreien Dividenden

          Bei einigen Aktien gibt es indes Abweichungen zwischen dem tatsächlichen Anschaffungskurs und dem heute relevanten steuerlichen Anschaffungskurs. So haben Deutsche Telekom, Deutsche Post sowie einige Immobilienunternehmen wie Deutsche Euroshop oder auch das Technologieunternehmen Kontron in den vergangenen Jahren Dividenden aus ihrem steuerlichen Einlagenkonto gezahlt (und nicht wie üblich aus dem steuerpflichtigen Jahresgewinn).

          Diese Dividenden aus dem Einlagenkonto erhält der Anleger ohne Abzug von Abgeltungsteuer. Was viele Anleger aber nicht wissen und die Bank in der Depotwertansicht auch selten zeigt: Diese Dividenden vermindern die steuerlich relevanten Anschaffungskosten. Das heißt: Beim Aktienverkauf fällt ein überraschend hoher steuerpflichtiger Veräußerungsgewinn an. Dies sei an einem Beispiel erläutert.

          Ein Anleger kauft im Januar 2011 Aktien der Telekom für 9 Euro. Derzeit zeigt ihm seine Bank für das Depot bei einem Kurs von 10 Euro einen Gewinn von 11 Prozent oder 1 Euro an, da sie vom Originalanschaffungspreis 9 Euro ausgeht. Damit wird der Anleger fehlgeleitet. Denn der steuerlich relevante Anschaffungspreis, den die Bank „im Verborgenen“ führt und beim Verkauf im Auftrag des Fiskus berücksichtigt, ist niedriger.

          Schließlich hat die Telekom seit Januar 2011 zwei Mal jeweils 70 Cent Dividende je Aktie aus dem Einlagenkonto gezahlt. Damit wäre der steuerlich relevante Veräußerungsgewinn jetzt höher als die Bank darstellt. Der Anleger liegt aus steuerlicher Sicht bei einem Verkaufskurs von 10 Euro nicht mit 1 Euro, sondern mit 2,40 Euro je Aktie im Gewinn. Die steuerlich relevanten Anschaffungskurse verändern sich auch, wenn es Kapitalerhöhungen mit Bezugsrecht oder Abspaltungen von Unternehmen gibt.

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