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Wie Anleger Altverluste nutzen (2) : Mit zwei Aktiendepots Steuern sparen

Stapel teilen heißt Geld sparen Bild: Getty Images

Wer BASF-Aktien vor und nach 2009 gekauft hat, sollte sie in zwei Depots trennen, bevor er sie veräußert. Nur dann werden die richtigen BASF mit Gewinn verkauft.

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          Alte, vom Fiskus festgestellte „Spekulationsverluste“ mit Wertpapieren und Immobilien in Steuerbescheiden aus den Jahren 2009 und früher lassen sich ab 2014 nicht mehr mit Veräußerungsgewinnen von Aktien verrechnen. Deshalb sollten jetzt alle Aktien, Aktienfonds und sonstige Wertpapier, die nach 2008 gekauft wurden und mit denen man im Gewinn liegt, auf einen Verkauf in diesem Jahr geprüft werden. Schon um einen besseren Überblick zu erhalten, welche Aktien für einen solchen steuerlich motivierten Verkauf in Frage kommen, sollten Anleger zwei Depots haben: eines mit Wertpapieren, die vor 2009 angeschafft wurden und ein zweites Depot mit Wertpapieren, die ab 2009 gekauft wurden. Damit die aus steuerlicher Sicht „richtigen“ Wertpapiere verkauft werden, sind zwei Depots fast zwingend für die Anleger, die in mehreren Schritten dieselben Aktien oder Fonds vor und ab 2009 erworben haben.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie ein Selbstversuch mit einem Aktiendepot bei einer Sparkasse zeigt, lässt sich die Depotteilung jetzt noch umsetzen. Banken unterlaufen dabei allerdings scheinbar Fehler. Anleger müssen zumindest höllisch aufpassen, welche Aktien ihnen mit welchen Anschaffungspreisen wohin gebucht werden, damit sie nicht die falschen Aktien verkaufen. Besser dran sind Bankkunden, die schon seit dem Jahreswechsel 2008/2009 zwei Depots haben. Zwar werden auch sie einige Besonderheiten und vielleicht Überraschungen erleben, aber in den meisten Fällen dürfte in den Depots alles seine Richtigkeit haben.

          Steuerlich sinnvolle Aktienverkäufe prüfen

          Im Jahr 2009 wurde die Abgeltungssteuer eingeführt. Seither muss die Bank für den Depotkunden bei einer Aktie nicht nur auf die Dividende 25 Prozent Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag plus eventuell Kirchensteuer an den Fiskus zahlen; auch der Veräußerungsgewinn ist abgeltungssteuerpflichtig – gleichgültig, wie lange der Aktionär die Aktie besessen hat. Wer also glücklicher Aktionär etwa von Infineon oder Drillisch ist, deren Aktienkurs sich seit 2009 mehr als verzehnfacht hat, wird irgendwann in den sauren Apfel beißen und beim Verkauf seine Gewinne versteuern müssen – es sein denn, der Anleger hat Altverluste und trennt sich noch in diesem Jahr von Gewinneraktien. Dann kann sich der Steuerpflichtige die von seiner Bank abgeführte Abgeltungssteuer über seine Steuererklärung zurück holen. Dazu sollte er sich an einen Steuerberater wenden.

          Mit der Prüfung der steuerlich sinnvollen Aktienverkäufe sollte der Anleger jedoch unverzüglich beginnen. Wer zwei Depots hat, sollte recht schnell klären können, mit welchen Aktien er seit Jahresanfang 2009 im Gewinn ist – sollte man eigentlich meinen. Schließlich sind dafür entscheidend der aktuelle Kurs und der Anschaffungspreis. Ist der aktuelle Kurs höher als der Anschaffungspreis, käme es beim Verkauf zu einem steuerlich relevanten Gewinn. Doch wer jetzt noch sein Depot in Alt- und Neubestand teilen lässt, kann sein blaues Wunder erleben: Zumindest bei einer Sparkasse in Nordrhein-Westfalen, die ihren Partner DWP Bank mit dieser Aufgabe betraute, waren anschließend die Gewinne im Neubestandsdepot in allen Fällen, bei denen auch Altbestand existiert, nicht richtig ausgewiesen.

          Die DWP Bank führt für fast alle Sparkassen, Volksbanken- und Raiffeisenbanken und rund 30 Privatbanken die Depots der Privatkunden. Ob die zumindest irritierende Depotwertanzeige in allen von der DWP Bank betreuten Fällen auftaucht, ist nicht sicher. Womöglich könnte die einzelne Bank daran auch etwas ändern. Gerade Direktbanken haben häufig mehrere Depotdarstellungsformen, in denen unterschiedliche Anschaffungskosten zu sehen sind – eben auch die steuerlich relevanten Anschaffungskurse.

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          Unser Autor: Martin Benninghoff

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