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Wie Anleger Altverluste nutzen (1) : Jetzt das Polster aus Aktienverlusten nutzen

Doch selbst wer über einen noch nicht genutzten gültigen Verlustfeststellungsbescheid aus dem Jahr 2009 oder früher verfügt, wird sich mit der Nutzung dieser Altverluste nicht leichttun. Auf seine depotführende Bank kann der Anleger kaum zählen. Sie wird von den Altverlusten kaum etwas wissen. Denn Banken müssen für den Depotkunden im Auftrag des Fiskus erst seit Einführung der Abgeltungsteuer die Steuer abführen und die Verlustverrechnung durchführen. Bankkundenberater jetzt über alte, noch steuerlich relevanten Verluste zu informieren, dürfte auch wenig zielführend sein. Denn auf Steuerberatung wird sich kaum eine Bank wegen der Risiken einlassen. Dem Anleger bleibt: einen Steuerberater zur Hilfe ziehen oder selbst rechnen.

Auf das Altverlustpolster zugreifen

Seit 2009 allerdings müssen die Banken für die Depotkunden Verluste und Gewinne gegeneinander verrechnen. Dabei werden die Gewinne aus Aktienveräußerungen mit Aktienverlusten verrechnet, im zweiten Schritt mit sonstigen Wertpapierverlusten (Saldo aus Veräußerungsverlusten von Wertpapieren außer Aktien mit Zinsen, Dividenden und Veräußerungsgewinnen mit Aktien), dann mit dem Freistellungsauftrag und dann im vierten Schritt mit anrechenbarer ausländischer Quellensteuer. Wer also nach 2008 gekaufte Aktien mit Gewinn wieder verkauft, dessen steuerlich relevante Veräußerungsgewinne werden automatisch auch etwa mit Verlusten aus Anleihen verrechnet. Dies kann gerade in diesem Jahr ein Nachteil sein. Besser wäre es, wenn Verluste mit nach 2008 gekauften Wertpapieren in spätere Jahre fortgeschrieben werden, und der Anleger in diesem Jahr die Chance ergreift, letztmalig in nennenswertem Umfang auf sein Altverlustpolster zuzugreifen.

Dafür kann es nötig sein, eine klare Trennung zwischen Alt- und Neubestand durch zwei unterschiedliche Depots herzustellen. In das eine Depot kommen die Werte, die bis Ende 2008 gekauft wurden, in das zweite Depot alle seit 2009 gekauften. So lässt sich die Verlustverrechnung der Bank „ausheben“. Zwei Depots dienen zudem der Übersichtlichkeit: Denn nur nach 2008 angeschaffte Aktien mit gegenwärtigen Kursen über Anschaffungspreis sind jetzt für einen Verkauf zur Nutzung der Altverluste in den Blick zu nehmen. Allerdings muss der Anleger bei der Teilung seines Depots aufpassen, wie wir in einem späteren Artikel darstellen werden: Im Selbstversuch zeigt sich, dass die Sparkasse Aktien oft nicht zum tatsächlichen Anschaffungspreis ins neue Depot bucht; vor allem dann, wenn von diesem Wertpapier ein Teil vor und ein Teil nach 2009 gekauft wurde, setzt sie Durchschnittskurse an - oft zum Nachteil des Kunden.

Wer indes nur auf ein Wertpapierdepot für die Nutzung des alten Verlustpolsters setzt, hat Nachteile, wie wir zeigen werden. Die Verlustverrechnung schlägt im laufenden Jahr wie oben beschrieben voll zu. Und wer einen Ehepartner mit Depot bei der gleichen Bank hat, dem werden auch dessen nach 2008 eingetretene Verluste zunächst zur Verrechnung mit Gewinnen angeboten. Ziel in diesem Jahr sollte aber sein, die alten Verluste mit Aktien aus den Jahren 2009 und davor wegen der ab 2014 wegfallenden Verrechnungsmöglichkeiten zu nutzen.

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