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Vorausgefüllte Steuererklärung : Warum Sie die Daten vom Finanzamt prüfen sollten

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Die deutsche Finanzverwaltung ist auf Vereinfachungen dringend angewiesen. Die vorausgefüllte Steuererklärung soll dabei helfen. Bild: dpa

Das verlängerte Osterwochenende steht vor der Tür. Vielleicht die richtige Zeit, sich mit der Steuererklärung 2015 zu beschäftigen. Dabei soll die vorausgefüllte Steuererklärung Arbeit abnehmen. Stimmt das?

          Im Norden Europas macht das Abgaben der Steuererklärung fast schon Spaß. Einem Schweden reicht ein kurzer Anruf oder eine kurze Mitteilung vom Handy oder Computer, um seinen Teil zur Veranlagung beizusteuern. Zuvor bekommt der Bürger seine Steuererklärung von der Gemeinde oder Provinzverwaltung vorausgefüllt zugeschickt - einschließlich möglicher Zinsabzüge für die gekaufte Wohnung oder das neue Haus.

          Es gibt weder Bank- noch Steuergeheimnis, die Skandinavier kommen ihrer Steuerpflicht mit einer SMS nach. In Deutschland ist dieser leichte Weg undenkbar. Die vorausgefüllte Steuererklärung soll aber nun helfen, dem steuerpflichtigen Bundesbürger Arbeit abzunehmen. Es ist ein kostenloses Serviceangebot der Steuerverwaltung, das die Erstellung der persönlichen  Einkommensteuererklärungen für die Jahre ab 2012 erleichtern soll. Glaubt man den Internetseiten der Finanzbehörden, geht das ganz einfach.

          Um die vorausgefüllte Steuererklärung nutzen zu können, muss der Steuerpflichtige seine Belegdaten beim Finanzamt abrufen. Hierzu benötigt man eine Registrierung mit der eigenen Identifikationsnummer im Elster Online-Portal. Nach erfolgreicher Durchführung ist außerdem die Anmeldung zum Belegabruf im persönlichen Elster-Online-Portal-Konto erforderlich. Alternativ können Nutzer auch Elster-Formular oder eine Software kommerzieller Anbieter nutzen.

          Hat man erst einmal die Registrierung gemeistert, die für den einen oder anderen Technikmuffel aufgrund vieler kleiner Schritte eine echte Herausforderung darstellen könnte, folgt aber erst die eigentliche Arbeit: Es müssen Daten überprüft werden, die das Finanzamt zur eignen Person zusammengetragen hat. Darunter fallen unter anderem Name, Geburtsdatum, Adresse, die Religion und natürlich die Bankverbindung.

          Ebenso die vom Arbeitgeber gemeldeten Lohnsteuerdaten, die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, zu Rürup- und Riesterverträgen sowie Rentenbezugsmitteilungen.Die Daten können per Mausklick abgerufen und direkt in Formulare übernommen werden. Das klappt sowohl bei der Steuererklärung mit Elster Online wie auch mittels einer Steuer-Software.

          Der schnelle Klick kann teuer werden

          Indes zeigen Erfahrungen mit der vorausgefüllten Steuererklärung, dass man besser nicht blind den eingetragenen Informationen trauen sollte. Immer wieder fehlen Daten oder sind schlicht falsch. Eine Überprüfung der Angaben ist immer sinnvoll, denn oft lässt sich gerade mit den fehlenden Angaben Steuern sparen. Das gilt etwa für Fahrt- und Reisekosten, Ausgaben für Kinderbetreuung, Weiterbildung oder Handwerkerkosten, aber auch für Miet- und Pachteinnahmen oder Kapitalerträge. Da kommt schnell einiges zusammen.

          Die deutsche Finanzverwaltung ist auf Vereinfachungen dringend angewiesen. Und daher sollen ja die meisten Steuererklärungen künftig voll elektronisch bearbeitet werden – doch sollte jeder vermeiden, seine Steuererklärung schnell mit nur einem Klick zu erledigen. Dieser Klick kann teuer werden.

          Im Durchschnitt bekommen Arbeitnehmer mehr als 800 Euro pro Jahr vom Finanzamt zurück. Dafür lohnt die Mühe, Kosten zu überprüfen und nicht auf einen Datensatz der Finanzverwaltung zu vertrauen. Am Ende heißt das, dass man sich nach wie vor ein bisschen Zeit für die Steuerklärung nehmen sollte. Vielleicht muss man ja keinen Berg an Belegen anhäufen - aber mit nur einem Klick ist es eben nicht getan.

          Die gesetzliche Abgabefrist für die Einkommensteuererklärung 2015 endet mit dem 31. Mai diese Jahres. Eine Verlängerung der Abgabefrist ist mit entsprechender Begründung möglich. Es empfiehlt sich, hier einen schriftlichen Fristverlängerungsantrag an das Finanzamt zu stellen.

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