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Steuertipp : Was tun bei Fehlern im Steuerbescheid?

  • -Aktualisiert am

Ein Einspruch gegen den Steuerbescheid kann sich lohnen. Bild: dpa

Viele Steuerzahler freuen sich schon darauf, bald Geld vom Finanzamt zurückzubekommen. Falls der Steuerbescheid aber enttäuschend ausfällt, lohnt es sich, den Bescheid genau zu prüfen - und gegebenenfalls Einspruch einzulegen.

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          Bei vielen Haushalten liegen in nächster Zeit die Einkommensteuerbescheide in den Briefkästen. Doch was ist zu tun, wenn das Ergebnis nicht den Erwartungen entspricht und womöglich aus einer erhofften Erstattung eine Nachzahlung wird?

          Wichtig ist es, den Bescheid genau mit der beim Finanzamt eingereichten Steuererklärung abzugleichen. Liegt ein Fehler vor, oder lassen sich die Änderungen des Finanzamts nicht nachvollziehen, sollte der Steuerzahler innerhalb eines Monats nach Erhalt des Bescheids Einspruch einlegen. Einspruch in dieser Frist ist auch dann möglich, wenn einem erst bei Prüfung des Bescheids auffällt, dass man Kosten nicht geltend gemacht hat.

          Die Einspruchsfrist beginnt mit dem Tag, an dem das Finanzamt den Brief zur Post gegeben hat (Poststempel oder Datum des Steuerbescheids) plus drei Tage. Fällt der letzte Tag der Drei-Tage-Frist oder das Ende der Einspruchsfrist auf einen Samstag, Sonntag oder Feiertag, beginnt oder endet sie erst mit dem nächsten darauf folgenden Werktag. Flattert der Steuerbescheid später ins Haus, kann sich der Steuerpflichtige auf die tatsächliche Zustellung berufen. Die Verspätung muss dem Finanzamt gegenüber aber schlüssig dokumentiert werden.

          Einspruchsfrist unbedingt einhalten

          Für den Einspruch gibt es kein vorgefertigtes Formular. Er muss schriftlich (per Post, E-Mail oder Fax) erfolgen oder beim Finanzamt zur Niederschrift erklärt werden. Ein Einspruch sollte aber grundsätzlich begründet werden, damit das Finanzamt die Einwände überprüfen kann. Ist Eile geboten, kann die Begründung nachgereicht werden. Vertritt der Steuerpflichtige beispielsweise eine vom Finanzamt abweichende Rechtsauffassung, kann er aber nur dann Einspruch einlegen, wenn sich dadurch die Höhe der Steuernachzahlung verringert oder die Erstattung erhöht. Die Ausnahme: Der Steuerbescheid muss als Nachweis bei einer anderen Behörde vorgelegt werden und würde in der aktuellen Version zu Nachteilen für den Steuerpflichtigen führen, zum Beispiel bei der Berechnung des Bafög für die Kinder. Ob Einspruch oder nicht - die Steuerschuld ist grundsätzlich pünktlich zu bezahlen.

          Wirkt sich ein Fehler des Finanzamts zuungunsten des Steuerpflichtigen aus, sollte der Steuerbescheid auf jeden Fall per Einspruch angefochten werden. Doch was ist mit Fehlern zugunsten des Steuerpflichtigen? Hier hängt das weitere Vorgehen davon ab, wer den Fehler gemacht hat. Erkennt der Steuerzahler bei Durchsicht des Steuerbescheids, dass wegen seiner unrichtigen oder unvollständigen Angaben der Finanzbeamte einen Fehler gemacht hat, so ist der Steuerzahler verpflichtet, eine korrigierte Steuererklärung mit den richtigen Angaben abzugeben. Macht er das nicht, so kann dies beispielsweise eine Anzeige wegen Steuerhinterziehung nach sich ziehen.

          Bemerkt das Finanzamt selbst den Fehler des Steuerzahlers, so muss dieser eine dadurch entstandene Erstattung ebenfalls zurückzahlen. Denn bei einer sogenannten „offenbaren Unrichtigkeit“, wozu auch Zahlendreher oder Rechenfehler zählen, hat der Fiskus das Recht, den Fehler innerhalb einer Verjährungsfrist von vier Jahren zu korrigieren. Allerdings gilt: Hat sich das Finanzamt zugunsten des Steuerpflichtigen verrechnet, ist dieser nicht dazu verpflichtet, die Behörde auf den Fehler hinzuweisen - aber nur, wenn seine Steuererklärung vollständig und wahrheitsgemäß war.

          Was aber, wenn die Monatsfrist abgelaufen ist und der Steuerpflichtige versäumt hat, Einspruch einzulegen? In der Regel kommt eine Änderung des Steuerbescheides nach Ablauf der Einspruchsfrist nicht mehr in Frage. Nur wenn das Finanzamt den Bescheid zu Lasten des Steuerpflichtigen noch einmal korrigieren möchte, darf dieser die vergessenen Aufwendungen gegenrechnen. Wenn also die Zeit fehlt, den Steuerbescheid sofort zu prüfen oder den Einspruch zu formulieren, ist es sinnvoll, zunächst Einspruch ohne Begründung einzulegen. Damit wahrt der Steuerpflichtige die Frist und kann die Begründung nachliefern - oder den Einspruch einfach zurücknehmen.

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