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Schweizer Banken : Grüezi und tschüs, ihr Steuersünder

  • -Aktualisiert am

UBS und Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich. Bild: REUTERS

Die Schweizer Banken wollen deutsche Steuerhinterzieher loswerden. Jetzt wird es eng.

          Uli Hoeneß ist ein Einzelkämpfer. Der Bayern-Manager, der am 10. März wegen des Vorwurfs einer fehlerhaften Selbstanzeige zur Steuerhinterziehung vor Gericht steht, dribbelte in den Geldgeschäften mit seiner Schweizer Bank gerne solo. Die meisten anderen Steuersünder aus Deutschland hatten indes regelmäßig Kontakt mit einem Kundenberater - sei es als Erben mit dem Betreuer der Eltern, sei es als Neukunde mit einem in der gewählten Bankfiliale. Seit dem Scheitern des Abgeltungsteuerabkommens mit Deutschland Ende 2012, das sie - ohne Namensnennung - ehrlich gemacht hätte, ist damit Schluss. Die Banken wollen die Schlaumeier aus dem Nachbarland nicht mehr, weder diejenigen, die unversteuertes Geld brachten, noch diejenigen, die „nur“ ihre Kapitalerträge vor dem deutschen Fiskus verheimlichten.

          Steuern auf Anleihezinsen führen die Schweizer Banken schon seit einigen Jahren anonym an die EU-Heimatländer der Kontoinhaber ab. Dividenden von ausländischen Aktien werden ebenfalls mit einem Abschlag belegt. Außen vor blieben vor allem Kursgewinne auf Wertpapiere, die in Deutschland anders als in der Schweiz steuerpflichtig sind. Als Erstes kauften sich die Banken von weiteren Ermittlungen gegen Mitarbeiter frei, die deutschen Steuerflüchtlingen zur Seite gestanden haben sollen. Die Bank Julius Bär zahlte im April 2011 insgesamt 50 Millionen Euro, die Credit Suisse im darauffolgenden September 150 Millionen Euro. Die UBS feilscht noch, aber die kolportierten 200 Millionen Euro dürften es mindestens werden.

          Im zweiten Schritt trennen sich die Banken nun von ihren Kunden. Dort ist die Erbitterung groß, verdienten die Geldhäuser doch zum Teil jahrzehntelang an ihnen und das nicht schlecht, wie Banker in Zürich einräumen. Die Steuersünder stellten keine großen Ansprüche an die Rendite und akzeptierten die hohen Gebühren. Sie hatten ja die Steuerersparnis. Der 2011 verstorbene Bankier Hans J. Bär hatte es so formuliert: Das Bankgeheimnis mache die Banken „fett, aber impotent“. Anfang Februar jubelte die Bank Julius Bär in Zürich, das Steuer-Thema habe sich 2013 erledigt. Die UBS will es bis Ende dieses Jahres vom Tisch haben, die Credit Suisse spätestens bis Mitte 2015. Völlig problemlos waren die deutschen „Steueroptimierer“ nie. Einer beschuldigte seine Bank in Zürich, 30.000 Franken zu wenig ausgezahlt zu haben. Die Bank reagierte mit einem Video-Nachweis, und der Kunde fand das über die Grenze geschmuggelte Geld dann doch plötzlich wieder - in der Seitenverkleidung seines Autos.

          Manche Steuerflüchtlinge versuchen, auf Gold auszuweichen

          Als neue Verfechter der Steuerehrlichkeit drängen die Schweizer Banken ihre deutschen Kunden zur Selbstanzeige in ihrem Heimatland. Für sie ist das ein Geschenk des Himmels, können die Häuser doch darauf verweisen, dass die Offenlegung keine Strafanzeige nach sich zieht. Die Banken gehen stufenweise vor: Einem ersten lockeren Gespräch mit den Kunden und guten Ratschlägen folgte einige Monate später die Nachfrage, wie man sich denn nun entschieden habe. Wer sich dann immer noch zierte, muss nun in der nächsten Zeit mit der Kündigung rechnen.

          Guter Rat ist teuer. Wer sich zu einer Selbstanzeige durchringt, benötigt Vermögensnachweise der Bank für die zurückliegenden Jahre sowie die Hilfe von Steuerberatern und Anwälten. Da kommen nach der Auskunft von Fachleuten schnell einmal 50.000 Euro zusammen - und die Nachzahlungen an den Fiskus kommen ja dann erst noch.

          Eigentümer von kleineren Schwarzgeldsummen suchen daher verzweifelt nach anderen Wegen. Doch die Geldhäuser zieren sich. Größere Bargeldauszahlungen wollen sie nicht mehr vornehmen. Allerdings ist die Haltung von Bank zu Bank unterschiedlich, hört man. Manche Steuerflüchtlinge versuchen, auf Gold auszuweichen und damit zurückzureisen - zur Sicherheit nicht über die schweizerisch-deutsche Grenze, sondern über Österreich oder Frankreich. Wer mit größeren Beträgen hantiert, denkt womöglich an den Kauf einer Ferienwohnung in der Schweiz.

          Aber für die Grundbücher gilt kein Bankgeheimnis, der deutsche Fiskus erhält bei einem Verdacht ungehinderten Zugang. Aufgrund des wachsenden Drucks aus dem Ausland gehören die größeren Schweizer Banken inzwischen zu den Befürwortern des automatischen Informationsaustausches mit den anderen Ländern. Ihr Argument ist simpel: Sollen sich doch die Behörden mit der Datenflut herumschlagen, sagen sie.

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